Ein Film für die große Leinwand – Alita: Battle Angel

Alita: Battle Angel Kritik InfoBereits seit Jahres ist die Adaption des japanischen Mangas “Battle Angel Alita” des Zeichners Yukito Kishiro ein Herzensprojekt von Filmemacher James Cameron (AvatarTitanic). Nun erscheint die Realverfilmung auf der großen Leinwand und zeigt eindrucksvoll, warum und wie das Kino neben Netflix und Co. überleben kann.

Der gefallene Engel

In der fernen bängstigenden Zukunft lebt der Arzt Dr. Dyson Ido (Christoph Waltz) in der schonungslosen und harten Stadt Iron City. Eines Tages findet er auf dem Schrottplatz die Überreste eines Robotermädchens. Er schenkt ihr einen neuen mechanischen Körper, das Mädchen, was bald Alita genannt wird, hat aber keinerlei Erinnerungen an ihr vorheriges Leben.

Während Ido Alita (Rosa Salazar) vor allen Gefahren der Stadt beschützen will, versucht Alitas Freund Hugo (Keean Johnson) ihr nicht nur die verschiedenen Seiten von Iron City zu zeigen, sondern will ihr auch helfen, sich wieder an ihre Vergangenheit zu erinnern.

Doch damit wird es gefährlich für die Androidin, denn einige mächtige Leute machen bald Jagd auf Alita. Sie besitzt Kräfte und Fähigkeiten von einem Alter und Ausmaß, was selbst sie nicht zu glauben vermag. Nun liegt es an ihr, zurückzuschlagen und nicht nur über ihr eigenes Schicksal zu entscheiden…

Klassische Aspekte des dystopischen Cyberpunks

Wie schon der Manga ist auch dessen Verfilmung ganz klar im Cyberpunk anzusiedeln. Dieser zeichnet sich durch einige ganz spezielle Aspekte und thematisierte Fragen aus. Was macht einen menschlich? Ab wann ist man ein Mensch? Können auch Androiden menschliche Gefühle wie Liebe oder Hass empfinden?

Diese Fragen sind nicht neu. Sie sind essenzielle Bestandteile von Filmen wie Blade Runner (1982), Ex Machina (2014) oder auch Ghost In The Shell (2017). Das Entscheidende dabei ist natürlich die Umsetzung und Behandlung dieser Fragen. Erstaunlicherweise ist Cyberpunk nicht selten mit Action verbunden. Das mag an dem visuell interessantem Look der Dystopie liegen, aber gerade Action kann schnell emotionale und tiefe Fragen negieren. Bestes Beispiel dafür ist die genannte Verfilmung des Ghost In The Shell-Animes.

Pressekonferenz Berlin 1Alita: Battle Angel schummelt sich ebenfalls ein wenig durch diese Fragen. Sie werden zwar oberflächlich behandelt, aber mehr als ein klischeehaftes „Du bist menschlicher, als die meisten Menschen!“ kommt dabei nicht heraus. Das ist schade, denn vor allem die Figur Alita und deren Darstellung durch Rosa Salazar hätte mehr Potenzial gehabt.

“Das ist nicht Motion- sondern Emotion-Capture”

Wer den Trailer schaut, dem wird allersdings nicht sofort die dystopische Welt oder jene Fragen auffallen, vielmehr sticht etwas anderes hervor. Die Darstellung von Alita ist das Alleinstellungsmerkmal des Action-Abenteuers. Die titelgebende Heldin ist nämlich animiert. Das macht den Film zu einer Realverfilmung mit einer computergenerierten Hauptfigur.

Das dahinterstehende Verfahren ist das sogenannte Motion Capture beziehungsweise Performance Capture. Dabei trägt die Schauspielerin einen Spezialanzug mit Sensorpunkten. Diese sind dann wortwörtlich die Eckpunkte, um die Animation der Alita und deren Gesicht auf die Bewegungen und Emotionen von Rosa Salazar draufzulegen. Dies klappt hier hervorragend. Man sieht natürlich den visuellen Unterschied zu den Realaufnahmen der anderen Figuren, stört sich aber nicht im Geringsten daran und vergisst es nach kurzer Zeit sogar.

Der Technik und der Hauptdarstellerin ist zu verdanken, dass Alita die emotionalsten Momente mit sich bringt und durch Mimik und Gestik sogar Christoph Waltz in den Schatten stellt. Dieser sprach bei der Pressekonferenz in Berlin deshalb sogar von “Emotion Capture”.

Visuelles über Erzähltes, Optik über Story

Pressekonferenz Berlin 2An der tollen Darstellung und Interpretation Alitas können auch die Dialoge und die Story im Allgemeinen nichts ändern. Dennoch fallen die Dialoge leider weit hinter der tollen Optik zurück. Sie wirken teilweise aufgesetzt und dadruch unnatürlich. Es ist generell nicht die Geschichte, die diesen Film hervorhebt. Die Heldin, die sich über die eigene Identität klarwerden muss, bevor sie gegen das Unrecht ankämpft und für die Schwachen eintritt – das ist nichts Neues.

Auch wenn eine weibliche Figur im Zentrum der Handlung steht, stellt das keine wirkliche Besonderheit in der Umsetzung dar. Auch wenn Regisseur Robert Rodriguez (Sin City, From Dusk Till Dawn) und Produzent Jon Landau (AvatarTitanic) bei der Pressekonferenz nicht müde werden, genau das zu betonen. Bezeichnend für die mittelmäßige Story sind auch die Nebencharaktere. Der von Mahershala Ali verkörperte Gegenspieler ist genauso facettenlos, wie seine von Jennifer Connelly gespielte rechte Hand. Kein Wunder, dass ich mich an die Namen der beiden Figuren schon nicht mehr erinnere.

Zugegeben die nebensächliche Liebesstory zwischen Alita und ihrem Freund Hugo ist nett, verläuft sich aber immer mehr in den unausweichlichen Kitsch. Es lohnt sich aber trotz alledem, diesen Film anzuschauen. Grund dafür ist: der Film ist für das große Kino gemacht.

Wie der Kinosaal das heimische Wohnzimmer schlägt

Steven Gätjen – Moderator der Pressekonferenz – hatte uneingeschränkt recht, als er meinte, der Film sei ein beeindruckender Kinofilm. Die Betonung liegt auf hierbei “Kino”. Denn in Zeiten von Onlinestreaming und Co. steht das Kino und deren Filme vor neuen Herausforderungen. Alita: Battle Angel zeigt, wie diese Herausforderungen angegangen werden können.

Alita: Battle Angel PlakatZugegeben, es ist nicht die einzige Lösung, aber dafür die vermeintlich einfachste. Filme, die auf der Leinwand beeindruckender sind als auf dem Fernseher, Laptop oder Tablet, werden auch eher im Kino geschaut. So zumindest meine Meinung. Gerade Robert Rodriguez Science-Fiction-Streifen klotz, was bombastischen Sound, epischen Look, und bildgewaltige Action angeht. Das beginnt bei der Musik des Niederländers Tom Holkenborg (auch bekannt als Junkie XL), geht über das herausragende Sounddesign und Soundschnitt und endet mit fantastischer Action.

Das ist ganz klar Popcornkino. Wer tiefe Story erwartet und Existenzfragen des Menschseins, wird hier nicht auf seine Kosten kommen. Vielmehr ist der Streifen ein Spektakel für Auge und Ohr und macht damit über 122 Minuten richtig Spaß.

Das soll zwar nicht heißen, dass zukünftig nur solche Popcornfilme eine Chance auf der großen Leinwand haben, doch sehen wir schon jetzt, wofür die Mehrzahl der Zuschauer in die Kinos geht – Bildgewalt und Monumentalsound. Klar ist auch, wer Alitas Abenteuer einmal auf IMAX (eine absolute Empfehlung sei an dieser Stelle ausgesprochen) gesehen hat, der wird zukünftig auf dem heimischen Fernseher ein ganz anderes – wahrscheinlich enttäuschenderes – Filmerlebnis bemerken.

Fazit

Robert Rodriguez Alita: Battle Angel ist wortwörtlich ein Kinofilm. Eine mittelmäßige Story und schwache Dialoge stören angesichts bombastischer Bilder und imposanten Sounds nur wenig. Rosa Salazars Darstellung der Protagonistin und deren visuelle Umsetzung und Einbettung sind die großen Überraschungen des Streifens. Auch wenn Christoph Waltz genauso wie viele andere Nebencharaktere blass bleibt, bekommt man hier 122 Minuten Filmspaß zum Preis eines Kinotickets.

Der Film bekommt von mir 3,5 von 5 Sterne.

KR

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.