Am roten Teppich der Premiere von Pettersson & Findus – Findus zieht um

Eine Premiere an einem Samstag um 15:00 Uhr. Die Einladung zur Berichterstattung hat mich überrascht, aber nicht weniger gefreut. Mit Blick auf den Film wird auch klar, warum der Zeitpunkt gewählt wurde. Pettersson & Findus – Findus zieht um ist der letzte Teil der Trilogie, die schon in der Vergangenheit Groß, aber vor allem Klein für sich zu begeistern wusste. Ich gehe also schnell meinen Freunden auf die Nerven, um eine Kamera mir auszuleihen und steige dann an besagtem Samstag um kurz nach zwölf in den Zug nach Leipzig.

Ein Klohäuschen auf dem roten Teppich

Ich komme am Kino an. Im Vergleich zur Deutschlandpremiere im CUBIX ist dieses Lichtspielhaus relativ unscheinbar. Es ist inzwischen 14:15 Uhr. An den Kassen drängen sich Kinder und Eltern. Viele von ihnen halten kleine Popcorntüten oder schon die Tickets bereit. Direkt gegenüber vom Tresen ist der rote Teppich aufgebaut. Der klassische Aufbau: roter Teppich, davor die Pressline und dahinter die Fotowand bzw. der Aufsteller. Eine Besonderheit fällt trotzdem sofort ins Auge. Auf der linken Seite wurde ein kleines Klohäuschen aufgebaut. Aber nicht etwa ein schäbiges Dixiklo, sondern ein Nachbau des eingerichteten Häuschens, in das Findus zieht. Daran lehnend, davor stehend, oder auch darin sitzend lassen sich nicht nur die Kinder von Mama und Papa ablichten, auch lassen sich eben diese von ihren Jüngsten fotografieren.

Zwei weitere Journalisten stellen sich neben mich an den roten Teppich. Es herrscht eine entspannte Atmosphäre unter den Erwachsenen, die Kinder laufen aufgeregt umher. Dann betritt der Moderator der Premiere den Teppich. Malte Arkona ist sogar mir noch ein Begriff. Als KIKA-Moderator moderiert er neben “Die beste Klasse Deutschlands” auch den “Tigerenten Club”. Dementsprechend rennen einige Kinder sofort freudig auf ihn zu. Mit so einem Fernsehmoderator kann man sich schließlich nicht jeden Tag fotografieren lassen.

Die Fotos des Publikums sind gemacht, jetzt dürfen die angereisten Fotografen und Journalisten tätig werden, denn die Hauptpersonen der Premiere betreten den roten Untergrund. Drehbuchautor und Produzent Thomas Springer, Findus-Sprecherin Roxana Samadi, ihr Vater und Regisseur des Films Ali Samadi Ahadi und Marianne Sägebrecht als bekanntestes Gesicht reihen sich nebeneinander auf. Fotos werden geschossen, mal gesellen sich eins zwei weitere Personen zur Gruppe, weitere Fotos werden gemacht, jemand fragt nach einem Foto vor dem Klohäuschen, weitere Fotos werden gemacht, ich hab meine Bilder im Kasten.

Findus Stimme

Jetzt steht das für mich Spannendste an: die Kurzinterviews. Roxana Samadi kommt zu mir, ihr merkt man die Freude an diesem Event sofort an. Sie leiht dem aufgeweckten Kater bereits seit Jahren ihre Stimme und so frage ich, wie sich ihre Art Findus zu sprechen und dadurch die Figur selbst über die Jahre verändert hat. Roxana erklärt, dass sich die Stimme zwar nicht verändert hat, dafür aber die Schwierigkeit diese zu finden. Im ersten teil habe sie die kindliche Freude und Naivität des kleinen Katers noch ganz automatisch mitgebracht. Bei Teil 2 fiel ihr das hingegen besonders schwer. Im neuesten teil habe sie aber keine  Probleme damit gehabt. “Ich weiß inzwischen, wie Findus sprechen muss und das mache ich dann einfach so.”

Doch wer denkt, sie würde nur Sprecherrollen annehmen, der irrt. Die Sprecherin ist nämlich auch gleichzeitig Jungdarstellerin. Spätestens nach dem Schulabschluss soll es in diese Richtung dann richtig losgehen, auch wenn sich Roxana Samadi nicht entscheiden kann, ob nun das Sprechen oder Schauspielern mehr Spaß macht.

Die Adaption des Bekannten

Dann kommt Thomas Springer zu mir. Sein Gesicht habe ich auch bereits irgendwo schon einmal gesehen, vielleicht auch auf Pressefotos… Er ist nicht nur erneut Drehbuchautor dieses Familienfilms, sondern auch Produzent von Pettersson & Findus – Findus zieht um.

Die Adaption bekannter Stoffe für die große Leinwand stellt trotzdem immer wieder eine besondere Herausforderung dar. Ich frage, was die Schwierigkeiten beim Schreiben der Drehbücher waren. Der Autor berichtet, wie er anfangs vor allem Probleme mit den Dialogen von Pettersson hatte. Ich bin überrascht und frage nach. “Es war schwierig diesen wortkargen, kautzigen, alten Mann nicht zu unnahbar zu machen. Er sollte trotzdem sympathisch sein.”, erzählt Springer.

Der 61-Jährige adaptierte nach 2014 und 2016 erneut die bekannten Geschichten der Kinderbuchreihe von Sven Nordqvist. Eigentlich ist mit dem aktuellen Film diese Trilogie abgeschlossen. Auf meine Frage, ob dort noch etwas kommen könnte, verweißt der Drehbuchautor nur auf die Tugend des Abwartens. Ich erfahre noch, dass das fertige Drehbuch nach anderthalb Jahren und vier Fassungen stand, dann wird mein Gesprächspartner schon von Regisseur Ali Samadi Ahadi abgelöst.

Der Kinderfilm als Chance

Der 46-jährige hat eine Art Ballonmütze auf und grinst über das ganze Gesicht, als er zu mir an den Rand des roten Teppichs herantritt. Er ist auch einer der Köpfe des eingeschworenden Teams, welches bereits zuvor zusammengearbeitet hat.

Der Regisseur hatte in der Vergangenheit erwähnt, dass er den Kinderfilm in Deutschland als einzige Möglichkeit sehe, um fantastische Stoffe zu verfilmen. Ich spreche in darauf an und frage, weshalb er so denkt. Er erzählt, dass die Kinder den entscheidenden Unterschied machen würden. Sie seien nicht so voreingenommen und würden ganz unbefangen ins Kino gehen. “Erwachsene sollten so unvoreingenommen ins Kino gehen wie die Kinder.”

Eine spezielle Form des Genrekinos würde es in Deutschland zurzeit nicht geben, weshalb nur der Kinderfilm Chancen geben würde, auszuprobieren, Neues zu schaffen und wirklich kreativ zu sein.

Warum genau dieser Aspekt so wichtig für die Inszenierung von Pettersson & Findus – Findus zieht um ist, habe ich hier in meiner Filmkritik beleuchtet.

Ein Vorbild für die Kinder

Zum Schluss kommt Marianne Sägebrecht zu mir. Ich spreche sie auf ihre Rolle der Beda an und deren Bedeutung für den Film. Und das ist für einige Minuten auch erstmal das letzte, was ich sage. Die Schauspielerin ist sofort Feuer und Flamme ob dieser Thematik. Ich merke, wie wichtig ihr ist, ein speziellen Selbstverständnis durch die Rolle der Freundin von Pettersson zu vermitteln. Beda könne mit Sicherheit ein Vorbild für Kinder sein – vor allem als starke, selbstständige Frau, so die Darstellerin.

Kurz fühle ich mich an die Deutschlandpremiere von Das schönste Mädchen der Welt zurückerinnert, doch die 73-jährige geht noch einen Schritt weiter. Anhand einer einzelnen Szene zeigt sie die (für einen Kinderfilm ungewöhnliche) Tiefe der Figuren auf. Marianne, wie sie sich vorstellt, hofft, dass gerade den Kindern klar wird, wie selbstständig, aber gleichzeitig selbstlos Beda ist. “Sie gibt, ohne etwas dafür zu erwarten. Das macht sie so liebenswürdig.”

Wie die Schauspielerin so über die Bedeutung ihrer Rolle schwärmt, vergesse ich ganz noch eine weitere Frage zu stellen. Vielmehr befürchte ich, dass wir alle aufhalten, denn der Begriff “Kurzinterview” passt schon längst nicht mehr. Auf meine vorsichtige Nachfrage wird das verneint und ich bin genauso erleichtert, wie ich verwundert bin, als mir Marianne Sägebrecht für meine Aufmerksamkeit dankt.

Die Premierenvorstellung

Nun soll die Filmvorführung beginnen. Ich hole mir noch schnell das obligatorische Popcorn plus Kaltgetränk und dränge mich in den inzwischen vollen und abgedunkelten Saal. Ich bin erleichtert als ich an einer Seite den wahrscheinlich letzten freien Sitz finde und setzte mich. In der Dunkelheit kritzele ich schnell einige Notizen der Interviews auf meinen Block. Während der Interviews versuche ich eigentlich darauf zu verzichten, um ganz dem Schauspieler, Sprecher, Regisseur oder Autor mir gegenüber zuhören zu können.

Dann startet der Film. Ich habe ihn bereits gesehen, doch hier ist die Stimmung im Saal eine ganz andere, wie noch bei der Pressevorführung. Hier hört man aufgeregtes Getuschel von Groß und Klein, der Kinosaal kreischt vor Lachen, sobald Findus die Treppe herunterkullert und ich muss gefühlte zehn Mal meine Beine einziehen. Kleine Menschen haben kleine Blasen. Es ist eine Freude in einem vollen Kinosaal zu sitzen, in dem nicht jeder Zweite nebenbei das Handy benutzt…

Der Film ist vorbei, das Publikum klatscht und Malte Arkona bittet die Verantwortlichen auf die Bühne. Produzent Thomas Springer will ein Video aufnehmen, alle sollen auf drei “Danke, Sven!” rufen. Gesagt, getan und jetzt sollte sich irgendwo in Schweden ein Kinderbuchautor ganz besonders über seine kleinen Fans in Deutschland freuen. Es werden noch Danksagungen und Applaus ausgetauscht, dann ist die Premiere vorbei.

Stars zum Anfassen

Beim Verlassen des Kinos schieße ich noch ein paar Fotos und erlebe ganz nebenbei mein persönliches Highlight des Nachmittags. Nicht nur steht eine Traube Menschen um Marianne Sägebrecht und lässt sich Autogramme geben, auch eine kleine Gruppe an Kindern hört ihr gespannt zu. Plötzlich fragt ein Junge, ob er sie mal drücken dürfe, die Schauspielerin bejaht lächelnd, drückt den kleinen Fan und jetzt wollen plötzlich auch alle anderen eine Umarmung.

Dieser Moment steht stellvertretend für die gesamte Premiere. Hier fährt niemand in Limousinen vor, keine kreischenden Menschenmassen, keine schreienden Paparazzis, keine blöden Fragen von Promiflash, keine Hierarchie zwischen Darstellern und Publikum. Diese Premiere ist in jedem Moment familiär, und wo, wenn nicht bei “Pettersson & Findus” würde das besser passen?

KR

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