Ein Thriller mit Botschaft und einem eigenen Stil – Nerve

Nerve TippDass es beim Thriller mehr als nur einen stilistischen Weg gibt, die Geschichte auf die Leinwand oder den Bildschirm zu bringen, beweist die neueste Größe aus dem Hause Netflix: Death Note. Doch dies muss nicht immer von Vorteil sein. In letzterem finden sich unpassenderweise mindestens zwei Stile wieder. Konsequenter macht es dort Nerve. Überzeugen kann man sich davon auf der VOD-Konkurrenzplattform. Amazon Prime Video bietet seit einiger Zeit den Cyber-Thriller der Regisseure Ariel Schulman und Henry Joost an.

In ihm dreht es sich um Vee (Emma Roberts), welche eigentlich eine sehr sich zurückhaltende, introvertierte Person ist. Als aber ihre beste Freundin meint, Vee müsse mehr riskieren, um aufzufallen entscheidet sich Vee ‚Nerve‘ zu spielen.

‚Nerve‘ ist ein interaktives Spiel, in dem die Teilnehmer in Watcher und Player eingeteilt werden bzw. sich in eine der zwei ‚Parteien‘ einloggen. Hierbei stellen die Watcher den Playern via Handyapp immer schwierigere und vor allem riskantere Aufgaben. Die Player müssen diese dann lösen und sich dabei selbst mit dem Handy filmen, damit die Watcher die Challenges live verfolgen können und die Aufgabe als bestanden gilt.

Die Player erhalten für jede gelöste Aufgabe Geld der Watcher, verlieren allerdings alles wieder, sofern sie aussteigen oder eine Challenge nicht bestehen würden. Dass dies der Grund für immer größere Wagnisse ist, bleibt selbstverständlich.

„Verräter werden bestraft“

In ihrer ersten Challenge muss Vee einen Fremden für fünf Sekunden küssen. Dieser entpuppt sich dann als ein weiterer Player namens Ian (Dave Franco). Bald erhalten die beiden immer mehr Aufmerksamkeit durch die Watcher und damit immer mehr gemeinsame Aufgaben. Diese überschreiten alsbald nicht nur die gesetzlichen Grenzen. Grundregel des Spiels: Sage nichts der Polizei, denn  „Verräter werden bestraft“!

Es wird zu einem immer riskanter werdenden Spiel, aus dessen Geflecht sich Vee schon bald nicht mehr zu befreien weiß.

Als Film, der sich mit der Thematik von Onlineinteraktion, Mutproben und virtuellen Bekanntschaften beschäftigt, weiß das Werk sehr gut diese digitalen Szenen/Sequenzen, Chatverläufe, sowie Abläufe im Internet bzw. auf dem Computer darzustellen. Ein ganz eigener Stil, der durch die Farbkorrektur noch einmal seinen Feinschliff erhält.

Prädikat ‚besonders wertvoll‘

Der Film, der auf dem Buch „Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen“ von Jeanne Ryan basiert, legt den kompletten Fokus auf die heutzutage wirklich existierende „Aufmerksamkeitsgeilheit“, Klicks, Likes und den eigenen Ruf im Netz. Das ist auch der Punkt, der diesen Film am Ende dann doch schockierend wirken lässt. Es wirkt trotz Farben, ‚lense flares‘, wummernden Bässen und präsenten Risiken nicht abwegig. Grund genug für die Deutsche Film- und Medienbewertung ihn mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ auszustatten.

Emma Roberts und gerade Dave Franco machen ihre Sache ordentlich. Auch wenn der Film seine volle Spannung erst ab der zweiten Hälfte entfaltet – was auch zum teil der anfänglich unpassenden Musik geschuldet ist – treibt er die Spannung gerade im letzten Drittel an den Höhepunkt.

Auch wenn das Ende/die Abschlussequenz ein bisschen aus der Stimmung des Films herausfällt, packt er einen dann doch sehr.

Schlussendlich ist Nerve ein Film, der zwar ein bisschen Anlauf braucht, dann aber aufgrund vieler gut eingesetzter Stilmittel (wie Kamerastandbildern der Handyaufnahmen etc.) eine unfassbare Spannung entwickelt und einen durch die Nachvollziehbarkeit der Grundproblematik zum Nachdenken anregt.

#KR

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