American Gods und ein Serienstart, der spaltet

American Gods -eine Serie? Ganz genau. Dieser kleine Blog entwickelt sich weiter. Wo vorher noch ausschließlich über Filme gesprochen wurde, ist jetzt Platz für Serien. Dass diese inzwischen in großer Zahl und nicht weniger kostenintensiv und qualitativ produziert werden, als die großen Blockbuster, ist auch nichts Neues. Grund genug ein Auge oder im besten Fall beide auf einige wenige zu richten.

Beginnen möchte ich damit heute mit der Serie American Gods, die auf dem gleichnamigen Roman von Neil Gaiman aus dem Jahr 2001 basiert. Eine Amazon Originals Serie (am 01.05.2017 gestartet), welche zurzeit über zwei Folgen verfügt und jeden Montag um eine nächste erweitert wird. Dies ist auch der Grund, weshalb ich mich entschieden habe, erst jetzt über das jene zu schreiben, um mir zuvor die zweite Folge anzuschauen und das Ganze besser einschätzen zu können – was alles außer leicht ist (mehr dazu gleich).

Das ist primär der Umsetzung aber auch der Thematik zu verdanken oder auch geschuldet. Denn in American Gods geht es um eben Götter in Amerika. So simple, so komplex…

Der Häftling Shadow Moon (Ricky Whittle) kommt nach drei Jahren aus dem Gefängnis frei. Er erfährt, dass seine Frau nur wenige Stunden zuvor in einem Autounfall verstarb. In dem Flieger in seine Heimat, um der Beisetzung ihrer beizuwohnen, lernt er den unbekannten Mr. Wednesday (Ian McShane) kennen. Dieser bietet ihm einen Job an, den Shadow zwar zuerst ablehnt, doch etwas später, durch einen Münzwurf entschieden, annimmt. Als Helfer des alten Mannes gilt es diesen umherzufahren, Dinge zu erledigen und ab und an, sollte es nicht zu verhindern sein, sich Gegnern des Mannes gegenüber zu stellen.

Nicht wissend um wen es sich bei dem alten Mann handelt und was dieser genau macht, rutscht Shadow Moon in eine Reihe besonderer, unwirklicher, mystischer Geschehnisse.

Die Grundthematik der Serie ist so simple, wie genial. So simple: Götter verschiedener Religionen leben im gegenwärtigen Amerika unbemerkt unter den Menschen. Ihnen stehen junge aufstrebende Götter gegenüber, die einen Umsturz versuchen. So genial, nicht zuletzt wegen des (zumindest bisher) problemlosen Zusammenspiels verschiedener Religionen und Kulturen. Aber auch wegen der Tiefe die Religion im Generellen und das Zusammenspiel dieser im Speziellen mit sich bringt.

Die Produzenten Bryan Fuller (Heroes, Hannibal) und Michael Green arbeiten mit ganz speziellen Mitteln. Zum einen gibt es immer wieder Ausschnitte aus der Geschichte, sei es die Entdeckung eines neuen Landes durch Wikinger oder die Sklavenverschiffung nach Amerika, welche mit den verschiedenen Gottheiten in Verbindung gebracht werden. Eben diese Rückblenden, aber auch die Serie in ihrer bisherigen Gänze bedient sich häufig einer übertriebenen, comichaften Brutalität, die an 300 erinnert.

Hinzu kommen immer wieder Traumsequenzen und Vorstellungen des Protagonisten, die unwirklich und zumindest bisher nicht komplett zusammenhängend inszeniert werden. Dies erinnert zuweilen an Once Upon A Time.

Erfrischend ist, dass dem Zuschauer nicht alles bis ins letzte Detail unter die Nase gehalten wird (alla „Oh schau mal hier, ein Hinweis, dass Person A ganz sicher böse ist…“ etc.). Man erkennt ganz viele Anspielungen auf Mythologien erst nach und nach, was einem erneuten Schauen einer Folge nicht nur die Daseinsberechtigung, sondern auch einen Sinn gibt. Irgendwie müssen ja sieben Tage bis zur nächsten Folge totgeschlagen werden.

Besonders am Stil  sind  – neben den Slowmotion-Effekten – auch die Detailshots und später die Crosscuts* (* auf eine Handlung wird eine andere, im ersten Moment zusammenhangslose, gegengeschnitten, um diese gleichzusetzen, bzw. die Dramatik ersterer zu erklären).

Die Effekte sind bisher sehr speziell, aber pointiert eingesetzt. Bedeutet zum Beispiel, dass die Erscheinung eines jungen Gotts und dessen Aufmachung futuristisch und digital wirkt. Von der Brutalität und comichaften, traumsequenz-durchzogenen Aufmachung kann man halten, was man will, aber die Kameraarbeit trieft vor Style, der an Guy Ritchie oder Zack Snyders Sucker Punch erinnert.

Wie ist also die Zukunft der Serie einzuschätzen?

Klar ist, in den ersten zwei Folgen wird sehr viel gezeigt, aber nur sehr wenig erklärt. Der Zuschauer bleibt mit sehr vielen offenen Fragen zurück. Das mögen für einige auch sicherlich zu viele sein, doch eben damit lässt sich die Serie auch sehr viel Spielraum. Klar ist auch, dass zumindest bisher Ian McShanes Mr. Wednesday die Serie trägt, ob ihm diese Last durch aufkommende Figuren abgenommen bzw. geteilt wird, bleibt abzuwarten, ist aber nicht unwahrscheinlich.

Bisher zumindest ist American Gods ein Percy Jackson für Erwachsene, was an 300, Sucker Punch, Game of Thrones, aber auch die Amazon-Serie Lucifer erinnert. Für ihre Aufmachung ist selbst die FSK-Kennzeichnung von 16 sehr gutmütig, ab 18 hätte mich auch nicht überrascht.

Eine Serie also, die bisher die Genres Fantasy, Action, Mystery und Drama vereint und vermischt, viel für sich behält – nicht zuletzt Potential , aber wahrscheinlich kein breites Publikum durch ihre besondere Aufmachung ansprechen wird. Ich bin mir sicher, dass man American Gods entweder als sehr gut, oder absolute Zeitverschwendung bewertet werden wird – bleibt abzuwarten, zumindest bis kommenden Montag.

#KR

 Meinungen zu American Gods:

4 Gedanken zu „American Gods und ein Serienstart, der spaltet

  • 9. Mai 2017 um 9:55
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    Ich hab den Roman gelesen und fand ihn ganz nett, mehr aber auch nicht. Gaimann hat definitiv viel Fantasie, aber wirklich begeistern kann er mich nicht. Auch die gehypte Sandman-Reihe hab ich in fetter Sammelbox im Regal stehen und find auch die halt ok, aber nicht den Rummel wert.
    American Gods konnte ich mir ca. 20 Minuten anschauen, dann hatte ich kein Interesse mehr. Es sah auch einfach ultrabillig aus. Wie ein Billigfilm vom SyFy-Channel. Glaube, ich werde da passen.

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    • 9. Mai 2017 um 9:59
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      Mich hat das “billige” anfangs auch etwas irritiert, aber irgendwie finde ich diesen Stil einfach interessant 😀

      Antwort
  • 9. Mai 2017 um 10:07
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    Ich gehöre bisher zu den Begeisterten. Finde diese comichafte 300-Brutalo-Ästhetik ziemlich knorke, auch das teils Psychedelische. Außerdem bin ich sehr gespannt, wie es mit Shadow und Mr Wednesday auf ihrer Reise weitergeht, wie sich die Hintergründe erhellen werden und wie sich der Clash der alten und neuen Götter gestalten wird 😀

    Antwort
    • 9. Mai 2017 um 10:11
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      Bin auch super gespannt. Ganz besonders finde ich kleine Details, die nicht zwanghaft für die Story benötigt werden. Sollte man sie aber als Anspielungen erkennen, macht das Ganze echt Spaß. (Bspw. der Honigmet als Anspielung auf Nektar und Ambrosia)

      Antwort

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