Ein Film der Filme – Avengers: Infinity War

GARANTIERT SPOILER-FREI

Dies ist keine normale Review, denn Avengers: Infinity War ist alles, aber kein normaler Film. Das mit Sicherheit größte Superhelden-Spektakel aller Zeiten läuft im Kino und ist am Ende vor allem eines: ein Film der Filme.

Mein Genre

Tatsächlich bin ich anders auf die Superhelden gestoßen, als viele andere. Nie habe ich Comics gelesen oder gar gesammelt und weiß daher auch gar nicht genau, wann und wie ich zu diesem Genre kam.Avengers: Infinity War Kritik Info

Vielleicht war es mit Iron Man (2008), der irgendwann mal nachmittags im Fernsehen lief. Den genauen Zeitpunkt weiß ich nicht. Was ich aber weiß ist, dass ich seitdem angefixt bin. Ich holte an Filmen nach, was es nachzuholen gab und war 2012 bei Marvels The Avengers das erste Mal im Kino bei der Vorführung einer Comicverfilmung.

Seitdem habe ich alles im Kino gesehen, was von Marvel auf die Leinwand gebracht wurde. Mal mit mehr (Guardians Of The Galaxy), mal mit weniger starkem Ergebnis (Iron Man 3). Es ist also nicht übertrieben, wenn ich sagen, dass ich mich vielleicht noch nie so sehr auf einen Film gefreut habe, wie auf den ersten der beiden finalen Teile der dritten Phase des MCU (Marvel Cinematic Universe).

Nervös-angespannte Vorfreude

Die letzten Wochen waren dementsprechend auch besonders. Jegliche Form von Social-Media, TV-Magazinen oder Feuilleton-Artikeln habe ich gemieden, um auch dem kleinsten Spoiler aus dem Weg zu gehen. Nicht mehr als die ersten beiden Trailer gesehen, war ich trotzdem so voreingenommen, wie selten zuvor, beim Betreten des Kinosaals.

Wie sollte man auch ohne Hoffnungen, Vorstellungen und Befürchtungen einen Film schauen, dessen indirekte Vorgänger und dessen Genre einen so begeistert hatten. Genau das ließ die Vorfreude  dann auch ein wenig in Nervosität umschwingen. Wie kann es überhaupt gelingen so viele Figuren, Filme, Geschichten und Stile in einen Film zu packen, ohne dass dieser floppt? Denn was zu hohe Erwartungen an Filme für Enttäuschung auslösen können, konnte man erst kürzlich bei Star Wars 8: Die letzten Jedi (2017) sehen.

Das alles mag für den Außenstehenden „Nicht-Fan“ erst einmal übertrieben klingen, aber hey, willkommen im „Nerdvana“.

Der Kampf um die Infinity-Steine, der Infinity War hat begonnen…

Nun aber zum eigentlichen Film. Vorweg: wer sich dieses Werk anschaut, ohne vorher einen Großteil der anderen Marvelfilme rund um Thor, Captain America, Iron Man und Co. gesehen zu haben, wird nicht nur kaum etwas verstehen, der hat auch den Sinn des gesamten Franchises und die Idee eines cineastischen Universums nicht verstanden.

Deshalb nur kurz zum Inhalt. Nachdem in Captain America: Civil War (2016) sich die Avengers trennten, steht ihnen und dem gesamten Universum eine neue Bedrohung gegenüber. Thanos (Josh Brolin), ein Wesen aus einer anderen Welt, hat es sich zu Aufgabe gemacht, die Bevölkerung des Universums massenhaft auszudünnen, um dem Leben so einen „fairen“ Neustart zu gewähren.

Damit ihm dies möglich ist, versucht er alle sechs Infinity-Steine, Steine mit unendlicher Macht, entsprungen aus dem Urknall, in seinen Besitz zu bringen. Um Billionen Leben zu retten, stellen sich dem allmächtig scheinenden Koloss nicht nur irdische Superhelden, sondern auch die Guardians Of The Galaxy (2014) und Götter wie Thor entgegen.  Eine weltenübergreifende Schlacht beginnt, in der es an der Zeit ist, alle Kräfte zu vereinen…

Poster Infinity War Kritik

Aspekte, die über Vollendung oder Scheitern entscheiden

Ich gehe davon aus, dass alle in die Geschichte der Infinity-Steine Uneingeweihten jetzt spätestens weg sind. Umso besser – dann ist jetzt auch jedem klar, vor welcher Herausforderung Avengers: Infinity War stand. Alle Stränge mit so unterschiedlichen Charakteren, Zeitlinien und Kräften zusammenzubringen, um dadurch ein nie dagewesenes Cross-Over zu schaffen – das ist das erklärte Ziel.

Während dieses Vorhaben vor Marvels The Avengers (2012) mit nur einer Hand voll Helden unmöglich schien, ist den Machern und Drehbuchautoren auch hier wieder ein Geniestreich gelungen. Tatsächlich ist mit zwei Ausnahmen jeder der Helden aus den 18 Vorgängerteilen auch Teil des Films, doch ein Zusammentreffen aller passiert gar nicht.

Was zuerst als störend empfunden werden kann, macht nicht nur logistisch Sinn, sondern negiert dadurch nicht die direkte Vorgeschichte mit Guardians Of The Galaxy Vol. 2 (2017) und Captain America: Civil War.

Die Schlachten werden in völlig verschiedenen Welten ausgetragen und so wirkt der Koloss von 160 Minuten wie viele Filme in einem vereint – und genau so soll es ja sein…

Von vornherein stand für mich eine Frage im Raum, an der Avengers: Infinity War entweder brillieren oder scheitern würde. Ist es möglich, die verschiedenen Fähigkeiten, von Kampfkunst und Waffen, über Gedankenkontrolle bis hin zur Zeitmanipulation gegeneinander auszubalancieren, sodass keiner der Helden lächerlich unwichtig, aber auch keiner zu einflussreich wirkt?

Selbst jetzt ist es schwer zu erklären, wie, aber die Antwort ist „Ja!“. Bis auf minimale Ausnahmen wirkt der Einsatz der verschiedenen Kräfte angepasst, aber nicht zwanghaft angepasst.

Marvel lernt aus Fehlern der Vergangenheit

Wir halten fest: ein Aufgebot an Stars, wie es vielleicht noch nie gesehen wurde: Robert Downey Jr., Chris Evans, Zoe Saldana, Chris Pratt, Chris Hemsworth, Elizabeth Olsen, Scarlett Johansson, Paul Bettany, Karen Gillan, Mark Ruffalo, Benedict Cumberbatch, Josh Brolin, Tom Holland, Chadwick Boseman, Don Cheadle, Tom Hiddleston, Sebastian Stan, Idris Elbe, Gwyneth Paltrow, Dave Bautista, Anthony Mackie, Benicio del Toro… Wenn Du jetzt bereits einige Namen übersprungen hast, wird der Punkt, glaube ich, gut klar. Dazu gesellen sich dann noch einige überraschende Cameos.

Dazu kommt eine gute Balance der Kräfte und ein geschicktes Vermeiden von erzwungenen Handlungen der Charaktere. Nicht zu vergessen, der unvergleichliche „Marvel-Humor“, der mehr als einmal den Kinosaal laut auflachen lässt. Was den Film aber zum vielleicht besten Superhelden-Ensemble-Film überhaupt macht, ist der Fakt, dass Marvel aus der eigenen Vergangenheit und vor allem Black Panther (2018) gelernt hat.

Endlich, muss man fast schon sagen, hat der Comickonzern hinter dem inzwischen Disney steht, verstanden, dass es nicht nur gute Protagonisten für einen guten Film braucht. Mit Thanos gibt es nach Killmonger in Black Panther (2018) erneut einen Antagonisten mit Tiefe. Die Beweggründe des „Endgegners“ der Helden sind nicht nur verständlich, sie treiben die Handlung aktiv voran. Zu all dem gesellen sich (wie auch schon in Black Panther) starke Frauenrollen.

Ein Budget, was sich sehen lässt

Dass nach allen Gagen für die großen Namen bei einem geschätzten Budget von 300-400 Millionen Dollar noch einiges für Effekte übrig geblieben ist, daran lässt der Streifen in keiner Sekunde zweifeln. Nicht nur, dass jede einzelne Minute (insbesondere die Kämpfe) ein visueller Genuss sind, auch ist es erneut überragend, wie sich die verschiedenen visuellen Stile zueinander fügen. Wer hätte ahnen können, dass zwischen dem Kaleidoskop-Stil von Doctor Strange (2016) und dem 70er Jahre Stil der Guardians kein Bruch entstehen würde?

Die Regisseure Joe und Anthony Russo (zuvor bereits Captain America: Civil War) begehen glücklicherweise nicht den Fehler und lassen die Geschichte hinter dem CGI-Feuerwerk verschwinden. Im Gegenteil zum ersten Avengers-Teil ist ein Kampf nur noch selten seiner Selbst wegen vorhanden, sondern resultiert aus Handlungen oder leitet neue ein.

Fazit (falls es überhaupt eines geben kann)

Marvel ist das für mich Unvorstellbare gelungen: die Einleitung in das Finale des ambitioniertesten Franchise-Projekts aller Zeiten. Neben den hervorragenden Effekten, einer ungewohnten Tiefe der Story, verneigt sich der Film nicht nur vor den 10 Jahren Vorgeschichte, sondern hebt diese auf ein neues Level.

Avengers: Infinity War setzt nicht nur für das Comic-Genre, sondern für die Ausspielung von gesamten Franchises neue Maßstäbe, bietet Fanservice der Extraklasse und lässt den Zuschauer schlussendlich mit so einer Überwältigung, Unterhaltung, aber im gleichen Atemzug auch so unbefriedigt zurück, wie es ein einzelner Film wohl nie in der Lage wäre zu schaffen.

Marvels Avengers: Infinity War bekommt von mir 4,5 von 5 Sternen und ist wahrlich ein Film der Filme.

KR

2 Gedanken zu „Ein Film der Filme – Avengers: Infinity War

  • 28. April 2018 um 14:52
    Permalink

    Ich hab ihn noch nicht gesehen, kann es aber kaum noch abwarten. Auch ich habe nie Comics gelesen, weiß aber noch, dass bei mir alles mit Spiderman (damals noch mit Tobey Maguire) und X-Men begonnen hat. Danach hab ich keinen Marvel Film verpasst. Ich finde es schade, dass diese Ära schon langsam zu Ende geht und würde mir vor allem bei Iron Man wünschen, dass man ihn in Gastauftritten der neuen Heldenfilme weiterhin sieht.

    Antwort
    • 28. April 2018 um 13:09
      Permalink

      Man wird sehen, was noch kommt…aber Marvel war bisher zumindest des häufigeren für eine Überraschung gut – Stichwort Guardians…

      Antwort

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