Von Mut, Vertrauen und Opferbereitschaft – Ben Is Back

Ben Is Back Kritik InfoBen Is Back erzählt die Geschichte einer Mutter, die um ihren Sohn kämpft. Dabei kommt es vor allem auf die zwei Hauptdarsteller an und auf welche Art und Weise Probleme und Lösungen präsentiert werden. Seit vergangenem Donnerstag läuft das Drama im Kino, welcher trotz aller Stärken einen klaren stilistischen Bruch in sich birgt.

„Zeig mir, wo soll ich dich begraben?“

Es ist eine Überraschung für Holly Burns (Julia Roberts) als kurz vor Weihnachten plötzlich ihr 19-jähriger Sohn Ben (Lucas Hedges) vor der Tür steht. Doch es ist eine zwiegespaltende Freude, die die Familie erfüllt. Denn Ben kommt direkt aus einer Entzugsklinik. Während er meint, seine Sucht im Griff zu haben, sind sich seine Schwester Ivy (Kathryn Newton) und sein Stiefvater Neal (Courtney B. Vance) nicht so sicher.

Vor die größte Herausforderung stellt sein plötzliches Auftauchen aber Holly. Zum einen will sie ihm so unbedingt glauben, dass er nicht mehr rückfällig wird und seine Sucht überwunden hat, zum anderen ist sie sich dann doch so unsicher, dass sie präventiv ihre Medikamente versteckt.

Das Weihnachtsfest steht unter dem Stern: hoffen, vertrauen und bereit sein, sich für die Familie einzusetzen. Vor dieser kleinen Familie nun liegen Tage der Verzweiflung, der Hoffnung und Angst, den Sohn und Bruder wieder an die Drogen zu verlieren…

Kammerspiel der Emotionen

Auch wenn ich eben erwähnt habe, dass die komplette Familie vor nervenaufreibenden Weihnachtsfeiertagen steht, muss ganz klar gesagt sein, Schwester und Stiefvater von Ben spielen nur eine untergeordnete Rolle. Der Fokus des Dramas liegt auf der Mutter. Julia Roberts und Lucas Hedges liefern sich hier in vielen stillen Momenten ein hervorragendes Kammerspiel – und es ist von der US-Amerikanerin eine ihrer besten Performances ihrer Karriere, wenn nicht sogar die beste. Auch der 22-jährige Schauspieler, der Sohn von Regisseur Peter Hedges ( Pieces of April – Ein Tag mit April Burns) kann nach seiner Oscarnominierung für Manchester By The Sea vor über zwei Jahren erneut glänzen. Trotz ihrer kleinen Rolle sei aber auch noch die gute Leistung von Kathryn Newton erwähnt.

Peter Hedges Werk – er ist übrigens auch Drehbuchautor –  ist oftmals nichts für schwache Nerven. In Szenen der absoluten Verzweiflung der Mutter und ihrer innerlichen Zerrissenheit ihrem Sohn gegenüber kann man Emotionalität in Szene sehen wie zuletzt vielleicht nur bei Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (2018). Diese oftmals subtilen Momente prägen den Zuschauer, den Film und sind die Höhepunkte des Streifens.

Ein Film, zwei Hälften, ein Bruch

Ben Is Back PosterDie 102 Minuten sind gute, anspruchsvolle Unterhaltung und doch wirken sie nicht, als wären sie aus einem Guss. Nach circa der Hälfte erfolgt ein Bruch, der den Film in zwei Teile mit unterschiedlichem Tempo, unterschiedlichem Tonus und unterschiedlicher Herangehensweise separiert.

Die erste Hälfte spielt sich dabei vorwiegend im Familienrahmen ab. Sie ist geprägt von dem Hin und Her der Gefühle von Holly. Hier findet man die meisten Momente, bei denen sich vor allem Eltern fragen werden, wie sie vielleicht in einer solchen Situation reagiert hätten. Diese Hälfte läuft unter dem Motto: Gefühlschaos.

Die zweite Hälfte hingegen hat das Motto: Kampf. Das kann im ersten Moment stören, doch ist es eigentlich nur das logische Ergebnis aus Hälfte eins. Inhaltlich ergibt das Sinn, doch die großen Stärken des Kampfes der Mutter gegen das Misstrauen der eigenen Tochter / des eigenen Mannes gegenüber ihrem drogenabhängigen Sohn aus der ersten Hälfte fehlen.

Das führt dazu, dass eine Auflösung folgt, mit der ich mich zwar nicht ganz anfreunden kann, die aber thematisch und symbolisch für den Film steht. (Wer ihn gesehen hat, wird dann hoffentlich wissen, was ich meine.)

Fazit

Ben Is Back ist ein starkes Drama, welches von dem Zusammenspiel der beiden herausragenden Schauspieler lebt. Regisseur Peter Hedges schafft es, eine Momentaufnahme zu schaffen, ohne aber belehrend zu wirken. Der Bruch nach der ersten Hälfte mag etwas plötzlich und überraschend kommen, folgt aber dem logischen Verlauf dieser Gefühlsachterbahn einer kämpfenden und liebenden Mutter.

Der Film bekommt von mir 4 von 5 Sterne.

KR

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