Ein Film ohne richtige Zielgruppe – Christopher Robin

Christopher Robin Kritik InfoChristopher Robin ist eine weitere Realverfilmung des Mäuse-Konzerns “Disney”. Nach den überaus erfolgreichen Maleficent – Die dunkle Fee (2014), The Jungle Book (2016) und Die Schöne und das Biest (2017) läuft nun ein weiterer Familienfilm mit realen Figuren über die Leinwand. Doch nachdem die die Geschichten um Mogli, Bella und das Biest “nur” Verfilmungen des Bekannten waren, versucht sich Marc Forster jetzt an einer Adaption…

Christopher Robin ist erwachsen geworden

Es ist ein trauriger Anlass, weshalb sich Tigger, Ferkel, I-Aah, Rabbit, Känga, Roo, Eule und Winnie Pooh getroffen haben. Ihr Freund Christopher Robin wird sie verlassen. Auf Wunsch seiner Eltern wird er in ein Internat gehen müssen und somit die eingeschworene Truppe hinter sich lassen. Zum Abschied gibt Christopher seinem Freund Pooh aber noch das versprechen, dass er ihn nie vergessen werde.

Viele Jahre später – Christopher Robin (Ewan McGregor) ist inzwischen erwachsen und hat selbst Frau (Hayley Atwell) und Tochter. Doch sein Chef bereitet ihm Probleme. Die Firma läuft nicht gut und nun liegt es an Robin, innerhalb kürzester Zeit eine Lösung zu finden.

Zur gleichen zeit wacht Pooh im Huntertmorgenwald auf. Er kann aber seine Freunde nicht finden und geht schließlich durch die Tür des Baumes in dem einst Christopher Robin vor vielen Jahren mit den Stofftieren gespielt hatte. Der honigliebende Bär kommt in London wieder raus und trifft dort in einem Park auf seinen alten Freund Christopher.

Doch der hat sich sehr verändert. Sie machen sich zwar gemeinsam auf die Reise, doch Pooh fragt sich immer wieder, warum der einst so lebensfrohe Christopher jetzt so ernst wirkt…

Adaption des Klassikers

Die Geschichte von und rund um den Autor A. A. Milne, der in den 1920er Jahren die weltberühmten Geschichten um die Stofftiere und deren kindlichen Freund schrieb, scheint sich momentan besonders großer Beliebtheit zu erfreuen. Nachdem vor einigen Wochen bereits der Film Goodbye Christopher Robin, in dem es um die Geschichte des Autors geht, erschien, wird nun die bekannte Kindergeschichte adaptiert.

Das bedeutet in diesem Falle, dass es zu einem Sequel kommt, also einer Geshcihte, die nach dem Originalwerk spielt. Das ist gleich in mehrerer Hinsicht sehr clever. Zum einen gibt es bereits eine bestehende Fanbase, die mit den Figuren vertraut ist und ins Kino gehen würde, zum anderen könnte es diesen schnell langweilig werden, weil sie die Story bei einer reinen Neuverfilmung schon kennen würden.

Die Frage ist nur, wer ist Fan der bekannten Geschichten? Sind es die inzwischen erwachsenden Zuschauer, die mit dem quirligen Tigger, dem depressiven I-Aah und dem besorgen Ferkel aufwuchsen, oder sind es die Kinder von heute, die die zeitlosen Geschichten nach wie vor lieben?

Verstehen Kinder die tiefen Zwischentöne?

Mit dem erwachsenden Christopher Robin, der auf seine immer noch kindlichen Freunde trifft, eröffnet Regisseur Marc Forster Spielraum für Grundsatzfragen. Dieses Aufeinanderprallen von kindlichem Idealismus auf erwachsenden Realismus bestimmt die Tonalität des Films –  und ist gleichzeitig dessen größter Fehler.

Plakat Christopher Robin

Die Naivität, mit der die Stofftiere auf den besorgten Arbeiter treffen, steht sinnbildlich für häufige Missverständnisse zwischen Eltern und Kind. Es ist süß mit anzusehen, wenn Pooh verwundert ist, warum Christopher Robin die Aktentasche wichtiger ist als der Ballon, obwohl dieser ihm doch mehr Spaß bereite. Genau hier will der Familienfilm den Eltern die einfache, aber eben auch häufig unkompliziertere Sicht der Jüngsten nahe bringen. Er ist damit auch ein Stück weit gesellschaftskritisch, möchte aber gleichzeitig ein Film für Kinder bleiben.

Um das zu schaffen, bedient sich das Werk der klassischen Stilmittel von Kinderfilmen. Einfache Story, sich schnell ändernde Ansichten und Motivationen von Figuren und Slapstick, um die Kleinen zum Lachen zu bringen, wenn beispielsweise der sonst so ernste Chef plötzlich einen Tisch umwirft, sind auffällig. Das sind aber wiederum die Aspekte, mit denen das ältere Publikum wenig anzufangen weiß. Das sorgt dafür, dass sich Christopher Robin in einem Dilemma wiederfinden.

Disneys neuester Film möchte ein Film für alle Altersklassen sein. Dabei entgehen der jungen Zielgruppe aber die tiefen Zwischentöne und die eigentliche Thematik und die Älteren müssen sich für diese Aspekte durch stark vereinfachte Story, überzeichnete Charaktere und Slapstick hindurchkämpfen.

Visuell toll, auditiv okay

Was Animationen in realen Bildern angeht, hat Disney in den letzten Jahren viele Maßstäbe gesetzt. So verwundert es auch nicht, sei aber auch hier erwähnt, dass die Stofftiere hervorragend animiert und in die Bilder mit Ewan McGregor eingefügt sind. Auch der Schauspieler selbst spielt sehr herzlich, sympathisch und authentisch. Neben ihm (zwar nur in einer kleinen Rolle) fügt sich Hayley Atwell schön in das Szenario mit ein.

Dagegen negativ fällt die Synchronisation der Stofftiere auf. Sowohl in der deutschen als auch in der Originalsynchronisation lässt vor allem das lethargische, einschläfernde – zynisch gesagt – Gemaule von Winnie Pooh die Geschichte und dessen Tempo langsamer und dadurch langatmiger wirken, als sie eigentlich ist. Dagegen gehört die Synchronisation (im Deutschen) und die allgemeine Inszenierung des Tigger für mich zu den Highlights des Streifen.

Dass es hier nicht zu so außergewöhnlichen Gesangseinlagen kommen würde, wie es in The Jungle Book noch der Fall war, war zwar vorher klar, doch auch die musikalische Untermalung ist im direkten Vergleich zu beispielsweise Die Schöne und das Biest schwächer.

Fazit

Christopher Robin ist bisher eine der schwächsten Disney-Realverfilmungen. Marc Forster möchte einen Film für alle Altersklassen machen und spricht dadurch keine einzige vollumfänglich an. Die Qualität der Vertonung der Stofftiere schwankt so stark, dass auch ein gut aufgelegter Ewan McGregor nicht den enttäuschenden Beigeschmack des Films wettmachen kann. Vielleicht waren Pooh, Tigger und Co. auch einfach nur nie so sympathisch wie Balu, Bagira und Co.

Christopher Robin wird für Fans der inzwischen fast hundertjährigen Geschichte keine Enttäuschung sein, aber für alle anderen gibt es weit bessere Filme des Genres. Der Streifen bekommt von mir 2 von 5 Sterne.

KR

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