Neuer Regisseur bringt großen Unterschied – Deadpool 2

Deadpool 2 Kritik InfoDas Phänomen startet in eine weitere Runde voll durchbrechender vierter Wände, Klamauk, popkulturellen Renzen, Action und flotten Sprüchen. Dabei macht Deadpool 2 einiges besser als der Vorgängerteil und ist trotzdem weniger überraschend. Warum das so ist, welche Rolle der Regisseur dabei spielt und was sich sonst noch geändert hat, das erfährst du jetzt.

“Kinder machen uns zu besseren Menschen”

…, so die Worte von Deadpools (Ryan Reynolds) Freundin Vanessa (Morena Baccarin). Diese Chance bekommt der Held im roten Ganzkörperkondom auch kurz darauf. Als Praktikant der X-Men trifft Deadpool auf den jungen Russel (Julian Dennison), der sich selbst Fire-Fist nennt. Dieser bricht aus einer Anstalt für Mutanten aus und wird gemeinsam mit Deadpool – nachdem dieser kurzentschlossen einem der Heimbetreuer den Kopf wegpustet – in ein Hochsicherheitsgefängnis gebracht.

Als der kybernetische Soldat Cable aus der Zukunft kommt, um den Jungen zu töten, stellt sich Deadpool ihm in den Weg, wird aber von Russel getrennt. Um ein besserer Mensch zu werden, entschließt sich der Antiheld seine eigene Superheldentruppe zu gründen. Mit der “X-Force” trommelt er eine bunte Mischung aus mäßig bis kaum begabten Menschen zusammen, um den Jungen zu retten. Darunter auch Domino (Zazie Beetz), deren Superkraft Glück ist – auch wenn Deadpool das anders sieht.

Ein blutiges Actionabenteuer startet, bei dem Deadpool mehr denn je die eigene Moral und Themen wie Liebe, Freundschaft und Verantwortung hinterfragen muss.

Mehr Tiefe, mehr Blut, weniger Überraschungen

Deadpool 2 ist ganz klar anders als der Vorgängerteil. Die Unterschiede lassen sich vor allem an zwei entscheidenden Aspekten festmachen. Der erste, der schon bei der Storybeschreibung ins Auge fällt, aber noch mehr beim Anschauen des Streifens, ist die emotionale Fallhöhe. Nicht nur der vorlaute Mutant muss sich damit beschäftigen, der ganze Film hinterfragt Moral und Verantwortung viel mehr als noch Teil 1. Und das wohl gemerkt ohne den derben Witz dahinter zu vergessen.

Für die zweite Veränderung (und ganz klar Verbesserung) sorgt der Regisseur. Nach kreativen Differenzen mit Tim Miller, erhielt schließlich David Leitch den Regisseurposten. Der ehemalige Stuntman und -choreograph versteht bestens die Action zu inszenieren und oftmals ungeschnitten einzufangen. Er war bereits maßgeblich für den Erfolg seiner Vorgängerwerke John Wick (2014) und Atomic Blonde (2017) verantwortlich. Zudem wird er demnächst die Spin-Offs Hobbs und Shaw der Fast an Furious-Reihe verfilmen. Genau dieses Können des amerikanischen Regisseurs ist dann auch bereits in den ersten Minuten zu sehen.

Deadpool 2 Plakat

Schon ungewöhnlich, dass gleichzeitig mehr Augenmerk auf Action und auf emotionale Tiefe gesetzt wird. Gerade die Action führt auch dazu, dass Deadpool 2 nochmal ordentlich blutiger ist, als der Überraschungserfolg von 2016. Das mag für den einen oder anderen sogar manchmal over-the-top sein, spielt aber hervorragend mit der Aussage, dass es sich hier um einen Liebesfilm handele, wie es Deadpool dem Zuschauer gleich am Anfang erklärt.

Trotz alledem kann aber auch diese Fortsetzung nicht das Wunder vollbringen, überraschender zu sein als der Vorgänger. Natürlich weiß man inzwischen, dass Ryan Reynolds Charakter die Grenzen zwischen Film und Zuschauer verschwimmen lässt, über seine Existenz als Comicfigur Bescheid weiß und mehr als einmal Verweise oder spöttischeTöne zu anderen Comicverfilmungen kommen würden. Dies hat zur Folge, dass bei allem humor der Zuschauer nicht mehr über die Art des Witzes überrascht ist. Das ist eben die große Stärke eines ersten Teils.

Weniger massentauglich

Auch wenn er sich in vielen Punkten verbessert, muss sich Deadpool 2 vorwerfen lassen, dass er weniger massentauglich ist. Das liegt primär an dem Humor. Während in Teil 1 viele Witze mit Allgemeinwissen zu verstehen sind, basiert ein Großteil der Pointen im neuen Teil auf Anspielungen auf andere aktuelle Comicverfilmungen. Das bringt die Kenner der Materie zwar immer wieder zum Lachen, aber jemand, der nur ab und an einen Film aus MCU oder DCEU sieht, wird damit wenig anfangen können.

Wenn wir schon bei Schwächen sind, bleiben wir gleich dabei. Die größte Schwäche ist nämlich nicht die fehlende Überraschung oder gar die teils übertrieben derben Bilder, sondern die Besetzung und die Dialoge des jungen Russel. Für mich ist der junge Fire-Fist nicht nur so schlecht geschrieben, dass bei einigen Sätzen der Fremdscham mitschwingt, sondern auch absolut fehlbesetzt. Julian Dennison nehme ich zu keiner Sekunde den verbitterten, auf Rache sinnenden, aber eigentlich nach Anschluss suchenden Jungen ab

Glücklicherweise ist Cable mit Josh Brolin und Domino mit der Berlinerin Zazie Beetz umso besser besetzt. Sie sind die interessanten Nebencharaktere, die dem Vorgänger fehlten und die diesem Streifen einen neuen Spin und neue visuelle und erzählerische Möglichkeiten geben.

Fazit

Diese Kritik ist bewusst absolut spoilerfrei gehalten, sodass vieles umso klarer wird, nachdem man den Film im Kino gesehen hat. Trotz einer klaren Fehlbesetzung und neuen, düstererenTönen lohnt sich das. Denn Deadpool 2 ist nicht nur emotionaler, sondern auch in visueller Hinsicht um vieles besser als Teil 1. Auch wenn durch die fehlende Überraschung der Konsequenz im Erzählen der Story oder dem Durchbrechen der vierten Wand, diese Rückkehr leicht schwächer ausfällt als das Debüt, bekommt der neueste Streifen rund um den selbstironischen, rotkostümierten X-Force-Gründer 4 von 5 Sterne.

KR

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