Was hat man schon erwartet? – Death Wish

Death Wish Kritik

Was bleibt, wenn die Besonderheit des Originals heute nichts Besonderes mehr ist? Die Frage muss sich bei der Neuverfilmung von Ein Mann sieht rot aus dem Jahr 1974 gestellt werden. Überraschenderweise fiel den Produzenten wohl etwas ein und nun läuft Death Wish in der Kinos. Zur Erinnerung: Ein Mann sieht rot dreht sich um den Architekten Paul Kersey. Nachdem dessen Frau bei einem Überfall starb und die Tochter schwer traumatisiert ist, beschließt er die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Fortan macht er Jagd auf die Schwerverbrecher New Yorks, um diese auszuschalten. Diese Glorifizierung der Selbstjustiz stieß damals auf viel Kritik und der Film wurde bis diesen Februar indiziert.

Für eine Neuverfilmung typisch wurde die Story größtenteils übernommen. Nur ist Paul jetzt Chirurg, lebt in Chicago und seine Tochter fällt ins Koma. Gespielt wird der sogenannte “Grim Reaper” von Actionstar Bruce Willis. Regie führte der Amerikaner Eli Roth (Knock Knock, Hostel).

Nicht schon wieder Selbstjustiz

Doch so namhaft Hauptdarsteller und Regisseur auch sein mögen, der Film scheitert an zwei großen Aspekten.

Das ist zum einen die Grundthematik des Films. Ging beim Thema Selbstjustiz 1974 noch ein Aufschrei durch die Kinozuschauer, findet sich dieses heute in jedem dritten Film wieder. Batman v Superman: Dawn Of Justice, Captain America: Civil War, The Dark Knight, The Purge: Die Säuberung, Outlaw und Das kalte Gericht sind nur welche aus den vergangenen Jahren. Die Besonderheit des Vorgängers ist also nichtig.

Das zweite große Problem ist die Zersplitterung des Films in einzelne Stile. Und das sowohl im erzählerischen, als auch im visuellen Sinne.

Das beginnt beim Tonus. Denn Paul Kersey wird anfänglich als perfekter Familienvater inszeniert, der gewissenhaft seinen Job ausführt und keinerlei Tendenzen zum Radikalen hat. Dies schwingt auf einmal um 180 Grad, als es zum Raubüberfall an seiner Frau und Tochter kommt. Gerade die Szenen kurz bevor es zum Vorfall kommt, die Szenen, in der die Mutter merkt, dass noch jemand im Haus ist, und in Panik gerät, sind stilistisch viel mehr dem Thriller oder Horror zuzuordnen. Das mag man jetzt passend finden, da dies ja auch der Knackpunkt der Geschichte ist, aber erfolgt danach erneut ein Bruch.

Nun startet der Familienvater seinen Rachefeldzug und es kommt erstmals zur Action. Diese hat aber eben keinen bitteren Beigeschmack, da die Selbstjustiz (einige Radiostimmen ausgenommen) nicht hinterfragt oder kritisiert wird. Bei diesem Action-Stil bleibt es aber auch nicht. Nach ca. zwei Drittel des Films kommt es zu einer Folterszene, die so gar nicht zum bisherigen Tonus und nicht zur Intention des “Grim Reaper” passt. All das gepaart mit Onelinern und die Situation entschärfenden Witzen, um dann am Schluss wieder mit Thrillerelementen zu enden, gefolgt natürlich von einem Happy-End.

Genau dieser Schluss stört in dieser oberflächlichen Rachefantasie am meisten. Wenn plötzlich ein Familienvater bewaffnet durch die Straßen rennt und Drogenbosse, Diebe etc. abknallt, die Polizei fahndet und es am Ende problemlos zu einem so versöhnlichen Ende kommt, dass Disney stolz wäre, entkräftet das die eigentlich “diskutable” Grundthematik.

Fazit

Death Wish findet weder erzählerisch noch visuell einen roten Faden. Bruce Willis geht genauso hinter seinem eindimensionalem Charakter unter, wie es das Thema der Selbstjustiz tut. Alles hat man schon einmal gesehen, passt irgendwie nicht zusammen und wirkt wie ein billig zusammen geschnittenes Best-Of der verschiedenen Rachethriller-Klischees. Die einzelnen Szenen mögen ganz okay sein, aber als Gesamtwerk bekommt Death Wish von mir (gerade noch) 1,5 von 5 Sternen.

KR

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