Warum Nebencharaktere so wichtig sind – Deine Juliet

Deine Juliet Kritik Info

Deine Juliet hat im Deutschen einen weitaus unspektakuläreren Namen als das Original. Dort heißt die Romanverfilmung übersetzt “Der Club der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf”. Warum dieser Titel viel treffender ist und es eigentlich gar nicht um die Hauptfigur Juliet geht, jetzt.

“Wenn Bücher die Macht haben, Menschen zusammen zu bringen…”

Die junge Schriftstellerin Juliet Ashton (Lily James) lebt Ende der 1940er Jahre in London. Als sie einen Brief von dem Bücher liebenden Farmer Dawsey Adams (Michiel Huisman) bekommt, in dem er sie um die Hilfe bei der Suche eines bestimmten Buches bittet, ist sie sofort angetan – nicht nur von dessen Begeisterung für Literatur, sondern auch über seine geschriebenen Zeilen.

Die beiden schreiben fortan immer wieder miteinander und lernen sich näher kennen. Juliet erfährt, dass der Farmer Mitglied eines kleinen Buchclub in dem Dorf Guernsey ist. Ursprünglich von einigen wenigen gegründet, um die Zeit den Krieges etwas zu verbessern, besteht diese eingeschworende Gemeinschaft noch heute.

Kurzum beschließt die begeisterte Schriftstellerin diese besonderen, teils exzentrischen Mitglieder des Clubs der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf kennenzulernen. Sie reist in das kleine Dorf und lernt nicht nur Dawsey, sondern auch Amelia Maugery, Isola Pribby und die weiteren Bücherwürmer kennen. Bald erkennt sie, dass diese Gemeinschaft nicht nur die Leidenschaft, sondern eine ganz besondere Geschichte teilt…

Historiendrama mit einer Prise Romantik

Wer den Trailer sich ansieht, wird wahrscheinlich ziemlich schnell zum Schluss kommen, dass Deine Juliet eine Romantikkomödie sei. Und das kann ich auch nicht verübeln, der Trailer und das Hauptplakat (siehe rechts) suggerieren genau das – auch, wenn es falsch ist. Die amouröse Beziehung zwischen der Schriftstellerin und dem Farmer spielen eine absolut untergeordnete Rolle. Auch hier wird deutlich, dass der Originaltitel weitaus treffender ist. Doch auch in der deutschen Fassung des Romans von Mary Ann Shaffer ist der deutsche Titel “Deine Juliet”.

Dass es sich aber um keine Komödie, sondern ein Drama handelt, liegt an zwei Aspekten, die miteinander einhergehen. Zum einen ist das die Zeit der Handlung. 1946-47, der Krieg ist vorbei, die Menschen sind traumatisiert, viele haben geliebte Menschen verloren. Die Folgen des Krieges sind das eigentliche Thema des Kinofilms. Genau die werden durch die Nebencharaktere und die Geschichte des Bücherclubs deutlich, denn dieser hatte direkt mit den Ereignissen des zweiten Weltkriegs zutun und das noch bis zum Zeitpunkt von Juliets Ankunft.

Poster Deine JulietDie Romantik zwischen ihr und Dawsey läuft nur nebenher, ist zwar häufig sehr feinfühlig, unaufgeregt inszeniert, lässt den Film hintenraus aber etwas kitschiger wirken, als er sein müsste. Das Drama lebt vielmehr von den historischen Bezügen, die auch immer wieder passend mit Rückblenden dargestellt werden. Durch sie kommt eine Tragik ins Spiel, sodass Mike Newells Film zwischenzeitlich fast wie ein Anti-Kriegsfilm wirkt.

Wenn die Hauptfigur am unwichtigsten ist

Ich persönlich sehe Lily James gerne. Nicht nur in Baby Driver und Die dunkelste Stunde fand ich ihre Darbietung gut, sie ist auch diejenige, die Mamma Mia!: Here We Go Again überhaupt so sehenswert macht…doch hier bleibt sie blass. Das mag zum einen auch an ihrer Darstellung liegen, aber zum anderen ist sie für die Handlung und den Tonus des Streifens gar nicht am wichtigsten. Die Dramatik wird nämlich von den Nebendarstellern ins Spiel gebracht.

Allen voran Penelope Wilton (Best Exotic Marigold Hotel) spielt hervorragend und sorgt mit ihrer anrührenden Darbietung dafür, dass man als Zuschauer das ein oder andere mal betroffen schlucken muss. Auch Katherine Parkinson (Humans) als lebensfrohe und doch einsame Isola sorgt für Tiefe. Generell alle Mitglieder des Buchclubs sind nicht nur gut geschrieben, sie handeln nach klaren Motiven und nicht nur, damit die Handlung vorangeht.

Doch auch für die Zuschauer, die (so wie ich) gerne etwas analytischer an einen Film herangehen, hält der Film etwas parat. Er arbeitet immer wieder hervorragend mit Symbolik. Sei es der Luftballon, der aufsteigt, aber an der Decke hängen bleibt und so die “Gefangenheit” Juliets in ihrer jetzigen Umgebung und Lebenssituation beschreibt, oder das Anschnallen in einem Flugzeug, was für die fehlende Bewegungsfreiheit und damit Kontrollverlust in dieser Situation steht – “Deine Juliet” ist oftmals einfach clever inszeniert…

Fazit

Deine Juliet ist viel mehr, als es Trailer und Plakat suggerieren. Der historische Bezug und sehr starke Nebenrollen lassen leichten Kitsch, Absehbarkeit der Romantik und eine blasse Hauptfigur zweitrangig werden. Regisseur Mike Newell schafft in weiten Teilen eine tiefe, ruhige Inszenierung der Folgen des Krieges am Beispiel der liebenswürdigen Mitglieder eines kleinen Buchclubs und vermag damit den Zuschauer positiv zu überraschen.

Das historische Drama bekommt von mir 3,5 von 5 Sterne.

KR

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