Ein Film voller Überraschungen – Die Farbe des Horizonts

Die Farbe des Horizonts Kritik Info

Die Farbe des Horizonts – das klingt romantisch, vielleicht ein bisschen kitschig. Wer sich dann noch den Trailer des neuen Films von Regisseur Baltasar Kormákur anschaut, wird glauben, hier handele es sich um eine klassische Romanze. Doch das ist viel zu kurz gedacht, denn es geht nicht nur um zwei Schiffsbrüchige und deren Überlebenskampf, das Drama steckt voller Überraschungen.

1.500 Meilen bis zum rettenden Ufer

Tami Oldham (Shailene Woodley) will die Welt sehen. Nachdem sie ihren Abschluss machte, reist sie nun um die Welt, hangelt sich von einem Nebenjob zu nächsten und sammelt Erlebnisse. In Tahiti trifft sie auf den Segler Richard Sharp (Sam Claflin). Die beiden verlieben sich ineinander und verloben sich bald.

Kurze Zeit später willigen sie ein, das kleine Segelboot eines Bekannten von Richard von Tahiti quer über den Pazifik zu überführen. Doch die beiden werden von einem schweren Unwetter überrascht und das Boot stark beschädigt.

Als Tami aufwacht, sieht sie den schwer verletzten Richard in der Nähe des Segelbootes treiben. Sie schafft es ihren Geliebten an Bord zu ziehen, doch der Überlebenskampf beginnt erst. Wenig Proviant, ein stark Verletzter, nichts als Wasser und der Horizont sind zu sehen und die nächste Küste ist 1.500 Meilen entfernt…

Wie kann dieser Film überraschen?

Genau diese Frage habe ich mir gestellt, denn bereits vorab ist klar, dass die Geschichte lose auf dem autobiografischen Werk Red Sky In Mourning: A True Story Of Love, Loss And Survival At Sea der Seglerin Tami Oldham Ashcroft basiert. Man meint also, das Ende vermeintlich zu kennen. Doch darf ich sagen, dass man dies nicht wirklich tut. Vielmehr sind diese Momentaufnahmen des Überlebenskampf der beiden (aber noch mehr der jungen Frau) das, was diesen Film ausmacht…

Vielmehr noch: der Film überrascht im letzten Drittel so stark, dass er sich alleine dadurch von anderen Survival-Dramen abhebt.

Als Zweites überrascht die Ausrichtung und der Ton des Streifens. Wer beim Trailer auf eine ruhige Romanze gehofft hat, wird enttäuscht, denn das Drama steht hier viel klarer im Vordergrund. Die Werbekampagne die TOBIS in dieser Weise in Deutschland fuhr, verfolgt das Ziel, während des Sommerlochs (und gleichzeitig WM) Frauen ins Kino zu locken. Dass der eigentliche Film einen anderen Grundton hat als der Trailer kann zur Enttäuschung führen, wird aber in den meisten Fällen vor allem positiv überraschen.

Starkes Kammerspiel vor monotoner Kulisse

Der Großteil der guten anderthalb Stunden spielt sich auf dem Segelboot auf den Weiten des Ozeans ab. Das macht das Drama somit zum Kammerspiel zwischen Sam Claflin und Shailene Woodley. Beide, aber vor allem letztere spielen stark. Die 27-jährige vermag den Film sogar über weite Strecken zu tragen. Das muss sie auch, denn visuell bieten die 98 Minuten wenig Abwechslung. Wo beispielsweise Life Of Pi noch überraschende visuelle Reize parat hatte, fehlen diese bei Die Farbe des Horizonts. Dies hat zur folge, dass der Mittelteil sich leicht zieht, auch wenn Akt 3 wieder entschädigt.

Regisseur Baltasar Kormákur, der zuvor unter anderem Everest (2015) mit Jason Clarke und Josh Brolin inszenierte, weiß auch hier, wie die dramatischen, den Atem stocken lassenden Szenen zu inszenieren sind. Gerade die Einstiegsszene, in der Tami im zerstörten Schiff aufwacht, sich den Weg durch die Trümmer und das Wasser kämpft, um ihren Verlobten zu finden, ist an einem Stück gedreht und zeigt nicht nur die Schauspielkunst der Amerikanerin, sondern auch die Verzweiflung perfekt.

Fazit

Die Farbe des Horizonts ist viel mehr als der Trailer und der Titel suggerieren. Das Kammerspiel mit starken Darstellern, einigen dramatischen Momenten, aber auch monotonen Bildern schafft es, den Zuschauer zu überraschen. Wem beispielsweise Zwischen zwei Leben und Life Of Pi gefiel, der wird auch hier auf seine Kosten kommen.

Der Film bekommt von mir 3,5 von 5 Sterne.

KR

 

 

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