Downsizing und der Mix der Genres – Kritik

Wer in den vergangenen Wochen den Trailer von Downsizing gesehen hat, dem wird es beim Anschauen des eigentlichen Films vielleicht ähnlich gehen, wie mir. Vorweg: Hätte ich mir vorab andere Pressestimmen durchgelesen, wäre Folgendes vielleicht ausgeblieben. Dies mach ich aber der unbeeinflussten Meinung halber, generell nicht so.

Downsizing Kritik Infobox

Dabei ist das Grundprinzip/die Grundidee des Streifens relativ simpel. Nach jahrelanger Entwicklung gelingt es Forschern einen Weg zu finden, der die Überbevölkerung (als die langfristig größte Bedrohung der Menschheit) beseitigen kann. Im sogenannten Downsizing-Verfahren werden Menschen auf ca. zwölf Zentimeter geschrumpft und leben fortan in für sie erbauten Städten.

Als dieses Verfahren bereits seit einigen Jahren Anwendung findet, entscheiden sich auch Paul Safranek (Matt Damon) und seine Frau (Kristen Wiig) dafür. Eigentlich auf den Rat eines Freundes hin, um in die luxuriöse „Kleinstadt“ Leisure Land zu ziehen. Weniger die Menschheitshilfe als vielmehr die finanzielle Lage war für die „Kleinen“ der Grund für die unumkehrbare Veränderung der Körpergröße. Denn die 120.000$ des Ehepaares sind in dieser kleinen Parallelwelt mehr als 12 Millionen Dollar wert.

Als der zwölf Zentimeter große Paul in Leisure Land ankommt und erfährt, dass seine Frau sich doch gegen das Downsizing entschieden hat, steht der ehemalige Physiotherapeut alleine dar. Doch als er auf seinen exzessiv lebenden Nachbarn Dusan (Christoph Waltz) und später auf die Vietnamesin Ngoc Lan (Hong Chau) trifft, lernt er die Welt – so klein sie auch sein mag – aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.

Das Brechen der Zuschauererwartungen

Downsizing macht etwas, was den Film nicht nur speziell, sondern auch sehr streitbar macht. Er bricht die Erwartungen des Zuschauers, da er sich nicht auf ein Genre festlegen lass will und kann. Der normale Kinogänger ist es allerdings gewohnt, dass sich Filme in den meisten Fällen einem oder zwei klaren Genres zuordnen lassen können. Denn nachdem vorab der Trailer geschaut wird, ist klar, welches Genre ein Film hat und das wird dann meistens auch erwartet.

Beispiel: Ich schaue mir den Trailer zu King Arthur: Legend Of The Sword an und weiß, dass mich ein Fantasy-Action-Film erwarten wird. Danach entscheide ich auch, ob ich ins Kino gehe. Bin ich ein großer Fan des Genres, dann schaue ich den Film – wenn nicht, dann nicht.

Genau das aber macht Downsizing bewusst anders und geht noch darüber hinaus. Nicht nur verändert sich das Genre im Laufe des Films, auch hält er menschlichem Konsumverhalten, sozialer Hilfsbereitschaft und dem Aufbau der Gesellschaft einen kritisch-satirischen Spiegel vor.

Und so kann der neueste Film des Regisseurs und Drehbuchautors Alexander Payne (The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten), wie im Trailer suggeriert, in der ersten Hälfte auch dem Genre Komödie zugeordnet werden. Doch ändert sich das ab der Hälfte und der auf einer Science-Fiction-Basis stehende Film wird zu einer emotionalen, satirischen und teils auch philosophischen Tragikomödie oder auch Drama.

Figuren als Symbole

Denn so sympathisch Matt Damon spielen mag, schlägt sich der Stil und der Inhalt symbolisch in zwei anderen Charakteren nieder. Nicht nur, dass Christoph Waltz und Hong Chau toll schauspielern – letztere bekam für ihre Leistung den Golden Globe in der Kategorie „Beste Nebendarstellerin Komödie/Musical“- auch symbolisieren sie die zwei extremsten Wohlstandsklassen und zwei soziale Menschentypen.

Christoph Waltz Figur vertritt symbolisch den Wohlstand, der in einer narzisstischen Art das Leben genießen will und, um das aufrecht zu erhalten, auch Gesetze umgeht. Die Vietnamesin Ngoc Lan ist der konträre Part, der in Armut lebt und sich trotz dessen um die Hilfsbedürftigen kümmert. Sie kann nur von Wohlstand träumen und setzt trotzdem andere über die eigenen Interessen. In der Kombination mit Paul (Matt Damon), der in Leisure Land plötzlich vermögend ist und auch die schönen Seiten des Lebens genießen will und trotzdem die eigene Moral nicht verletzten will, ergeben sich Dialoge und Situationen, die stellvertretend für die verschiedenen Meinungen und Handlungen aller Menschen anzuerkennen sind.

Philosophische Fragen

Zugegeben verliert sich die Geschichte zwischen Akt Zwei und Drei für kurze Zeit in philosophischen Fragen wie „Wie geht der Mensch mit Umwelt und sich selbst um?“, „Wie lange wird die Spezies Mensch überleben?“ und „Was macht unser Leben lebenswert?“. Das lässt das Werk dann auch gute 15 Minuten zu lang wirken.

Am Ende ist ein Bruch zu erkennen, nicht nur in der Form was erzählt wird, sondern auch wie es erzählt wird. Wer eine reine Komödie erhoffte, wird enttäuscht. Denn für leichte Unterhaltung zeigt Downsizing zu viele Probleme auf der Metaebene auf. Auch mag der Bruch bzw. der Übergang zwischen Komödie, Tragikomödie und Romanze in diesem Science-Fiction-Setup leicht abrupt und erzwungen wirken.

Doch spricht es für die Konsequenz, dass selbst das Ende, mit den verschiedenen moralischen Situationen zuvor, den Zuschauer etwas unbefriedigt zurücklässt.

Fazit

Schlussendlich ist Downsizing ein Film, dem es teilweise an klarer Linie mangeln mag, doch mit seiner inszenatorischen Art diskussionswürdig ist und auch sein will. Denn bei Themen, wie Umweltschutz, Konsumverhalten, Klassengesellschaft und Co. muss und wird es immer zu Diskussionen kommen, um so den Einzelnen, sowie die Gesamtheit weiterzubringen.

Alexander Paynes Film erhält von mir 3,5 von 5 Sternen.

KR

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