Auf einem Motorrad alleine um die Welt – Egal was kommt

Egal was kommt Kritik Info

Egal was kommt erzählt die Geschichte eines Mannes, der nur auf seinem Motorrad die Welt umrunden möchte. Es entsteht ein dokumentarisches Roadmovie, das schlussendlich aber das große Potenzial des Genre und der Umstände der Reise vergibt…

„Losgefahren bin ich allein. Wieder angekommen bin ich dank anderer.“

Christian Vogel ist 34 Jahre alt und Fernsehmoderator. Er ist seit Kurzem in einer glücklichen Beziehung und trotzdem beschließt er, sich endlich seinen Herzenswunsch zu erfüllen. Auf einem Motorrad die Erde umfahren, das ist das selbsterklärte Ziel.

Er kündigt die Wohnung und hängt seinen Job als Fernsehredakteur an den Nagel. Christian verabschiedet sich schweren Herzens von Freunden, Partnerin und Familie und startet nach langer Vorbereitung seinen ungewöhnlichen Roadtrip am 19.05.2015.

Eine Reise von fast einem Jahr und 22 Ländern steht bevor – immer mit dabei die Handkamera und GoPros des Abenteurers. Er ahnt noch nicht, wie viele verschiedene Menschen er treffen wird und wie vielen Problemen er sich wird stellen müssen. Die Fahrt auf dem eigens umgebauten BMW GS 1200 ADV startet und damit das Abenteuer seines Lebens…

600 Stunden Videomaterial

Bereits in den ersten Minuten wird eines klar. Dieser Dokumentarfilm hat einen ganz eigenen Stil. Er wirkt nicht wie ein teuer produzierter, mit zig Kamerateams gefilmter Streifen, sondern eher wie eine Art Abenteuer- / Urlaubsvideo bzw. einem Videotagebuch. Wer hier tolle Bilder wie bei The Cleaners sehen will, wird enttäuscht werden. Doch das muss gar kein Nachteil sein. Christian Vogel als Einzelkämpfer, den man durch dessen eigene Kamera hautnah verfolgt, muss im Mittelpunkt dieser filmischen Reise stehen.

Um den Zuschauer auf diese Reise mitzunehmen, müssen drei wichtige Punkte erfüllt sein. Als erstes muss diese Herausforderung der Reise mit allen Auf und Abs gezeigt werden. Dann muss die Reise abwechslungsreich und trotzdem zusammengehörig wirken. Dafür sind im Besonderen die Bilder verantwortlich und die Geschichte, die erzählt werden soll. Denn leider reicht die Reiseroute als roter Faden des Dokumentarfilms nicht aus. Am wichtigsten ist jedoch die Authentizität des Protagonisten. Er muss sympathisch sein, mit ihm soll sich der Zuschauer identifizieren können, um letztendlich mit ihm auf seinen 333 Tagen unterwegs zu sein.

Mehr als 50.000 Kilometer

Die Reise als Herausforderung – dieser Punkt wird erfüllt. Jeder halbwegs empathische Zuschauer wird mitfühlen, wenn das junge Pärchen sich für lange Zeit trennt. Die Gefahren der Reiseroute sind klar, vor allem durch die häufige Nennung der “gefährlichen” Länder, die durchfahren werden müssen und auch diese riesige Strecke wird durch Grafiken und Abbildung der Strecke auf der Weltkarte klar dargestellt.

Poster Egal was kommt

Die beiden anderen Aspekte gehen in einander über und offenbaren schnell ein großes Problem. Der Film ist mit über zwei Stunden Laufzeit einfach viel zu lang. Das liegt einmal an den immer wiederkehrenden GoPro-Aufnahmen, wie der Motorradfahrer auf der Maschine sitzt, aber auch an dem 34-Jährigen selbst. Der Fernsehjournalist schafft es nicht, den Zuschauer abzuholen. Er schafft es nie wirklich befreit vor der Kamera zu agieren und somit die Emotionen der Höhepunkte und Rückschläge klar werden zu lassen. Er ist zwar sympathisch, aber wirkt zu oft zu reserviert, sobald er und die Kamera “alleine” sind.

Unklarheit der Produktion

Viel zu viel Zeit verbringt man damit, sich zu fragen, wie diese 600 Stunden Aufnahmen, die dann zum fertigen Werk wurden, entstanden sind. Bei dem Großteil ist klar, dass es sich um GoPro Aufnahmen handelt und einiges sind Handyaufnahmen. Das große Fragezeichen bilden die “entscheidenden Szenen” – die Szenen, bei der es zum großen Wiedersehen oder auch besonderen Aufnahmen kommt. Hier kann es nur ein externes Kamerateam sein, wenn sich die Kamera um die zwei sich umarmenden Menschen wortwörtlich dreht. Das Problem ist einfach, dass genau das nie erklärt wird und der Grundaussage “einer, der alleine um die Welt fährt” widerspricht…

Alle dokumentarischen Werke, die in Einzelregie entstehen, stehen vor einer weiteren Entscheidung. Bin ich (als Protagonist) komplett ungestellt und filme nur das, was ich so selbst erlebe oder stelle ich Szenen (beispielsweise wie ich das Zimmer betrete) nach? Christian Vogel entscheidet sich für Letzteres. Doch der Zuschauer weiß, dass die Kamera extra aufgestellt wurde, um dann (bspw.) daran vorbei zu fahren und sie hinterher ja auch wieder geholt werden muss. Dadurch wird vieles schnell als inszeniert wahrgenommen und die bitter benötigte Authentizität geht verloren.

Fazit

Egal was kommt ist der Versuch eine mit Sicherheit spannende und fesselnde Weltumrundung als Kinofilm festzuhalten. Doch kann sich Christian Vogel nie wirklich vor der Kamera fallen lassen, der Film klärt Produktionsumstände nicht auf, wodurch der Zuschauer die Authentizität und realistischen Bilder und Geschehnisse der Dokumentation in Frage stellt und somit die 122 Minuten einfach viel zu lang sind. Das Roadmovie mag etwas für Motorradfans und Weltenbummler für den Sonntag Nachmittag auf der heimischen Couch sein, aber nichts für die große Leinwand.

Christain Vogels verfilmtes Abenteuer bekommt 1,5 von 5 Sterne.

KR

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