Nur das Thema Sterbehilfe ist zu wenig – Euphoria

Euphoria Kritik InfoboxSterbehilfe ist mit Sicherheit eines der umstrittensten Themen überhaupt. Kein Wunder also, dass es auch in Filmen immer wieder Verwendung findet. Ob Heat, Lawrence von Arabien oder auch Ein ganzes halbes Jahr, seit Jahren ist die Sterbehilfe und damit auch die Diskussion rund um das Thema in den Kinos. Dass es aber mehr braucht als nur diese, zeigt Euphoria. Leider auf negative Art und Weise…

Zwei Schwestern und ihre Probleme

Die Schwestern Emilie (Eva Green) und Ines (Alicia Vikander) hatten seit Jahren keinen Kontakt zueinander. Nun aber begleitet Ines ihre Schwester, auf deren Wunsch hin, in den Urlaub. Nicht ahnend was auf sie zukommt, fährt die Künstlerin mit ihrer Schwester in einem abgelegenen Wald. Einige Menschen, darunter Marina (Charlotte Rampling), die sich als persönliche Begleiterin Emilys vorstellt, erscheinen und begleiten die beiden zu einem hotelartigen Schloss samt Parkanlage.

Bei einem Gespräch wird Ines klar, dass sich die beiden in einer Anlage befinden, die den Freitod ermöglicht. Emily, vom Krebs gezeichnet, möchte hier ihr Leben beenden. Sechs Tage haben sie Zeit, nicht nur, um eine endgültige Entscheidung zu treffen, sondern sich auch mit Problemen der Vergangenheit und persönlichen, zwischenmenschlichen Konflikten der Gegenwart auseinander zu setzen.

Wo ist der Spannungsbogen?

Der Grundton des Films ist von Anfang an klar: ein klassisches Drama. Gerade Dramen und emotionale Rollen müssen durch die Schauspieler getragen werden. Eva Green (Die Insel der besonderen Kinder, James Bond: Casino Royale) als verletzte, gebrochene und lebensmüde Frau spielt mindestens genauso gut, wie die Schwedin Alicia Vikander (The Danish Girl, Tomb Raider) als überforderte Schwester Ines. Daneben fallen Nebendarsteller Charles Dance (Ein ganzes halbes Jahr, Game Of Thrones) und Charlotte Rampling (45 Years, Red Sparrow) zurück.

Wenn es zum Dialog zwischen den Schwestern kommt, hat der Film seine klaren Höhepunkte. Dieses Kammerspiel fängt die stärksten Emotionen ein. Leider gibt es davon zu wenig. Charlotte Rampling hingegen wirkt mit ihrer Omnipräsenz an Ruhe und Vorausblick viel zu glatt. Genau so könnte ihre Figur Werbung für die dortige Einrichtung machen. Für eine wichtige Figur im Film reicht das aber nicht.

Plakat Euphoria Kritik

Was dem Film fehlt, ist ein Spannungsbogen und das, obwohl es durchweg irgendwie emotional ist. Hier ist ein ähnliches Prinzip zu erkennen wie bei Dunkirk. Die eine Stimmung wird zwar durchweg aufrechterhalten, es kommt aber zu keiner Steigerung oder einem Abfall derer. Dadurch holt der Film den Zuschauer nicht ab bzw. hält ihn nicht angespannt im Sitz.

Was mich an Euphoria zudem irritiert, ist der Einsatz von Musik und die Kameraarbeit. Während erstere in einigen Teilen so stimmig und zielgerichtet wirkt, macht sie zeitweise den Eindruck als würde sich der Film in diesem Moment zu einem Thriller entwickeln. Dies wäre keineswegs schlimm gewesen, nur – wegen der kaum bis gar nicht vorhandenen Spannungskurve – schlichtweg nicht möglich. Zum anderen die Kameraarbeit. Ich gehe nicht davon aus, dass ein Film so einer Größenordnung den Fehler macht und es somit am Projektor gelegen hat, dass die Bilder verwaschen wirkten, aber der übermäßige Einsatz von „lens flares“ irritiert nicht nur, sondern lenkt in wichtigen Momenten den Fokus fälschlicherweise von den Charakteren weg auf die Lichtquellen. Was genau die sogenannten „lens flares“ sind, erfährst du hier.

Fazit

Regisseurin und Drehbuchautorin Lisa Langseth hat ein spannendes und vielschichtiges Thema für ihre dritte Zusammenarbeit mit Schauspielerin (und Produzentin) Alicia Vikander genommen. Leider kann der Film das Potenzial, das in der zwischenmenschlichen Beziehung der beiden Schwestern gesteckt hätte, nicht ausspielen. Durch das Fehlen eines klaren Spannungsbogens fiebert man nicht so mit den Figuren mit, wie man es angesichts des Todes müsste. Eva Green und Alicia Vikander sorgen mit ihrem Schauspiel dafür, dass man die Emotionen abnimmt (auch wenn man sie nicht nachempfindet) und retten Euphoria dadurch vor der totalen Enttäuschung.

Der Film bekommt von mir 1,5 von 5 Sternen.

KR

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