Wie ‚Fack Ju Göhte 3‘ die eigene Besonderheit vergisst

Das Einspielergebnis spiegelt nicht immer die Qualität eines Filmes wieder. Leider ist nur einer der beiden Punkte für Studios und Filmemacher wirklich wichtig. Ein Paradebeispiel dafür ist die Filmreihe rund um den Ex-Häftling und unorthodoxen Lehrer Zeki Müller. Als 2013 mit Elyas M’Barek in der Hauptrolle und Bora Dagtekin als Regisseur Fack Ju Göhte zum Kassenschlager und Publikumsfilm wurde, war abzusehen, dass weitere Teile folgen würden. Ein weiterer Teil folgte 2015 und der neueste und letzte läuft seit kurzer Zeit im Kino. Doch während die Zuschauerzahlen von Teil 1 zu Teil 2 stiegen und es momentan auch beim dritten Teil danach aussieht, ging es mit Kritikerstimmen bergab.

Ob es nun wichtiger ist, dass es Filmkritikern gefällt oder dem „normalen Kinozuschauer“ sei dahingestellt. Diesen Umschwung der Meinungen und Kritiken gerade am zweiten und dritten Teil sich anzuschauen, das lohnt aber trotzdem. Dazu muss man sich aber auf das festlegen, was gerade Teil 1 so besonders macht.

Ein ehemals Gefangener kommt aus dem Gefängnis frei und beginnt notgedrungen und eher zufällig an einer Gesamtschule als Aushilfslehrer zu arbeiten. Um einer Problemklasse Herr zu werden nutzt Zeki Müller ungewöhnliche, gar unpädagogische Methoden – am Ende mit Erfolg. So simpel, so genial. Man schmeißt einen Außenstehenden in ein ungewohntes Umfeld. (Stichwort: Heldenreise) Dieser hat keine Ahnung von gängigen Umgangsformen etc. in diesem Feld, wendet eigene an und zeigt damit Probleme und Fehler in den eigentlich gültigen Umgangsformen, Methoden und Arten der Lehre auf.

Nach Teil 2 geht’s zurück zur Schule

Dies machte Fack Ju Göhte nicht nur unterhaltsam, sondern zeigte am Ende doch Vorurteile, Probleme und Kritiken am Schulsystem und dessen Schüler und Lehrer auf. Dies reicht von der einen Seite zur anderen Seite. Auf der einen Schüler, die ihrer Perspektivlosigkeit durch Krawall Ausdruck verleihen. Auf der anderen Seite eingesessene Lehrer, die nicht mehr mit der Zeit mitgehen können oder wollen. Resultat war, dass junge aber auch ältere Zuschauer die aufgezeigten Aspekte aus eigener Erfahrung nachvollziehen konnten. Und genau das – kombiniert mit viel Witz – macht Fack Ju Göhte so erfolgreich.

Kein Wunder also, dass Teil 2 noch mehr Zuschauer in die Lichtspielhäuser lockte. Auch kein Wunder, dass bei einem Setting einer Auslandsreise in Thailand, die ursprüngliche Besonderheit nicht mehr viel Spielraum hatte. Am Rande sei erwähnt, dass auch etliche Übertreibungen, das Weglassen spezieller Charaktere und nervigste Produktplatzierungen ihren Teil zu mäßigen Kritiken beitrugen.

Fack Ju Göhte 3 Kritik#FinalFack macht diesen Fehler nicht, sondern schickt die Problemschüler samt Problemlehrer wieder zurück an die Goethe-Gesamtschule. Der Grundstein für den finalen Teil ist wieder die Demotivation Zeki Müllers, der nur noch seine Klasse durch das Abi bringen will und dann der Schule endlich den Rücken kehren will. Damit macht Drehbuchautor Bora Dagtekin einen für ihn sehr ungewöhnlichen Fehler. Leider einen schweren. Er negiert damit die in Teil 2 beschriebene Charakterentwicklung des Hauptprotagonisten. Wollte Zeki in Teil 1 und zum Großteil in Teil 2 noch kein Lehrer sein, änderte der Verlauf in Fack Ju Göhte 2 seinen Charakter und ließ ihn den Beruf des Lehrers als eigene Berufung erkennen. Die neueste Fortsetzung ignoriert jetzt all dies, um die Ausgangslage des ersten Parts künstlich zu simulieren.

Ebenfalls ist deutlich zu erkennen, dass die Handlung sich mehr schlecht als recht um Gegebenheiten herumdrückt. Allen voran das Wegbleiben der Freundin Zekis: Lisi Schnabelstedt (Karoline Herfurth). Ihr Wegbleiben samt Trennung von ihm, das Zurückbleiben ihrer Schwester, sowie dessen, dass Zeki trotz alledem in ihrem Haus wohnt, das wird in einem Nebensatz erwähnt und danach als gegeben erachtet. Diese Inkonsequenz kennt man vom Drehbuchautor (u.a. Türkisch für Anfänger) sonst nicht.

Dazu kommt leider eine Ignoranz der Besonderheit der eigenen Filmreihe.

Der zuvor erwähnte Aspekts des Aufzeigens von Kritik an schulischen Strukturen etc. wird erneut versucht, doch steht sich der Film selbst im Weg. Man merkt, dass Dagtekin die omnipräsenten, politischen Themen einzubauen versucht. Da gibt es Flüchtlinge, Trump-Anspielungen und auch die AfD wird im Nebensatz erwähnt. Trotz seiner Länge wird diesen Themen aber lange nicht genug Platz eingeräumt, um sie nicht nur oberflächlich ankratzen zu können. Somit werden sie eher störend-redundant.

Als wären solche Probleme in der Summe nicht schon genug, werden weitere hinzugefügt. So gibt es einen kompletten Handlungsstrang rund um Suizid, der überflüssig erscheint und mit einer einfachsten Auflösung versehen ist. Dem finalen Teil fällt es schwer den z.T. stumpfen Humor und die emotionalen Themen zu verbinden. So geschieht es mehr als einmal, dass eine emotionale, tiefgründige Szene durch einen plumpen Spruch der übertrieben schauspielernden Jugendlichen (allen voran Max von der Groeben als Danger) entzaubert/zerstört wird.

Es bleibt ein Film, der vieles sein will, aber genau deshalb nur wenig ist. Bei der Masse an Themen, Witzen und Nebenhandlungen wird alles irgendwie dargestellt, aber wenig richtig zum Ende gebracht wird. Fack ju Göhte 3 vergisst, was den ersten ausmachte und wird am Ende ein einfacher Fanfilm, der zwar z.T. Spaß bereitet, aber von Plumpheit überzogen von mir 2 von 5 Sternen erhält.

KR

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