Wie Tragikomödien scheitern – Glück ist was für Weicheier

Glück ist was für Weicheier Kritik InfoDie Tragikomödie Glück ist was für Weicheier möchte gleichzeitig, philosophisch, künstlerisch, dramatisch, komödiantisch und tragisch sein. Was dem Zuschauer aber geliefert wird, ist eine Präsentation, wie und woran Tragikomödien scheitern.

Mehr als nur die Sorgen des Alltags

Der verwitwete Vater und Bademeister Stefan Gabriel (Martin Wuttke) ist Vater zweier Töchter, die kaum verschiedener sein könnten. Zum einen ist da die 15-jährige, selbstbewusste Sabrina (Emilia Bernsdorf), die unter einer schweren Krankheit leidet und mit dem Tod kämpft. Ihre drei Jahre jüngere Schwester Jessica (Ella Frey), die oft wegen ihres vermeintlich wenig mädchenhaften Aussehens für einen Jungen gehalten wird, will das nicht einfach in Kauf nehmen.

Nachdem sie in einem Buch etwas über ein Ritual gelesen hat, nachdem die Krankheit durch Sex abgegeben werden könne, sucht sie nun für ihre große Schwester einen passenden Kandidaten. Die Zeit drängt und zu allem Überfluss ist das Leben der jungen Jessica und ihres Vaters alles andere als unkompliziert.

Die Kombination der  Emotionen

Ähnlich wie bei Dramedy kommt es bei Tragikomödien auf die Kombination verschiedener Stimmungen und Gefühle an, ohne dabei die gesamte Tonalität des Films außer Augen zu lassen. (Wie das hervorragend bei Dramedy funktioniert, liest du hier.) Tatsächlich ist der Übergang zwischen Dramedy und Tragikomödie fließend – so auch hier. Ziel bleibt aber, eine dramatische beziehungsweise tragische Geschichte mit lustigen, komödiantischen Facetten und Situationen zu erzählen. Dazu benötigt es besonders viel Feingefühl in der Story, aber auch bei Regie, Schnitt und musikalischer Untermalung. Sollten Witze und skurrile Situationen fehl platziert sein, würde jegliche Emotionalität und Tragik kaputt gemacht werden.

Regisseurin Anca Miruna Lazarescu (Die Reise mit Vater) hat allerdings – genauso wie die Drehbuchautorin Silvia Wolkan (Sibylle) – keinerlei Gefühl für Timing. Der Streifen findet keine klare Linie der Tonalität. Es werden emotionale Szenen durch (an die Lächerlichkeit und Abstrusität von Pornos grenzende) Dialoge zunichte gemacht.

Wo will der Film hin?

Das ist die Frage, die ich mir die ganze Zeit stellen musste. Weder die primäre Story, noch klare Entwicklungen dieser, aber vor allem kein stimmiger Anfang und stimmiges Ende sind zu erkennen. Das liegt vor allem daran, wie die Figuren geschrieben sind. Schnell wird einem klar: Tochter und Vater sind beide psychisch zumindest labil. Diese Erkenntnis reicht aber nicht aus, um damit alle skurrilen und wirklichkeitsfernen Handlungen zu erklären.

Glück ist was für Weicheier PosterSo stehen die Hauptfiguren stellvertretend für den ganzen Film. Ihre Hintergrundgeschichte ist maximal dünn geschrieben, ihre Dialoge wirken durchgehend gesteltzt und man gewinnt ihnen keinerlei Sympathie ab. Lediglich mit der kranken Schwester von Jessica kann man mitfühlen, auch wenn nur die Krankheit dafür der Grund ist.

Die Folge ist klar. Wenn man mit den Figuren eines Dramas beziehungsweise einer Tragödie nicht mitfühlen kann, kommen keine Emotionen auf – für eine Tragikomödie das Todesurteil.

Gewollt philosophisch und inkonsequent

Ein weiterer störender Aspekt der Story ist deren Inkonsequenz. Hier werden tausend psychische, zwischenmenschliche und sonstige Probleme aufgezeigt und angesprochen, aber nie wirklich thematisiert, geschweige denn, zu einem Ende geführt. Sie sind irgendwie Beiwerk zu einer eh schon ziellosen Story.

Das bestätigen auch die Nebenfiguren, die allesamt überzeichnet sind.  Die peinlich, notgeile Kollegin des Vaters und ein Psychiater dessen Unfähigkeit an die des us-amerikanischen Präsidenten heranreicht, sind da nur zwei Beispiele.

Regisseurin Anca Miruna Lazarescu will so viel gleichzeitig und erreicht dadurch fast nichts. Die Unschärfe in vielen Szenen wirkt nicht künstlerisch, sondern einfach nur fehl am Platz. Weniger wäre hier mehr gewesen. Eine emotionale Story glänzt mit den Emotionen und nicht mit den stilistischen Kniffen der Kameraarbeit. Weiterhin wird hier ein philosophischer Ansatz verfolgt, der maximal zum Kopfschütteln taugt. Ohne zu viel verraten zu wollen, steht dafür das Ende als Paradebeispiel. Hier soll eine zufriedene Tragik von Vater und Tochter dargestellt werden, zeigt aber nur, dass die Psyche der beiden mindestens genauso zerrissen ist, wie der Film an sich.

Fazit

Glück ist was für Weicheier ist ein Paradebeispiel dafür, woran Tragikomödien scheitern können und werden. Durch das Fehlen eines klaren roten Fadens, Charaktertiefe, guter Dialoge und einer durchgehenden Tonalität, bringt der Streifen den Zuschauer nur zum Kopfschütteln. Das ist schade, denn Martin Wuttke und Ella Frey zeigen zwischendurch, dass sie wirklich gut schauspielern können und auch die musikalische Untermalung ist in Akt Eins und Zwei passend. Aber lächerliche Nebencharaktere, gesteltzte Dialoge und das Fehlen von Sympathie sorgen dafür, dass der Zuschauer sich im besten Fall langweilt.

Der Film bekommt von mir 1 von 5 Sterne.

KR

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