Von der Puppenkiste in den Kinosaal – Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer

Jim Knopf & Lukas der Lokomotivführer KritikMarionetten, Erwachsene, die ihre Stimmen verstellen und ein Meer aus Plastikfolie. Was heute von den Jüngsten kaum noch Beachtung findet, gehörte vor einigen Jahren noch zum Muss der Fernsehunterhaltung: die Augsburger Puppenkiste. Neben Urmel aus dem Eis und Räuber Hotzenplotz tanzte auch eine kleine schwarze Puppe, deren durchlöcherte Hose mit Knöpfen zusammengehalten wurde, über die Bühne. Jim Knopf, Lukas der Lokomotivführer und dessen alte Dampflok Emma wurden zum Klassiker… Und nun läuft die Geschichte nach Michael Endes gleichnamigen Buch von 1960 als deutsche Filmproduktion auf der großen Leinwand.

Eine kleine Kiste mit Löchern

Das Leben in Lummerland ist beschaulich und friedlich. Die kleine Insel verfügt nur über zwei Berge, den Palast von König Alfons dem Viertel-vor-Zwölften (Uwe Ochsenknecht), dem kleinen Krämerladen von Frau Waas (Annette Frier), dem Haus von Herrn Ärmel (Christoph Maria Herbst) und einem kleinen Bahnhof, samt Bahnstrecke. Hier ist Lukas der Lokomotivführer (Hennig Baum) und dessen alte Dampflok Emma zu finden. Diese kleine Einheit bekommt aber eines Tages Zuwachs, als eine kleine Kiste mit Löchern geliefert wird. In ihr liegt ein schwarzes Baby, das fortan auf der Insel aufwächst. Es bekommt den Namen Jim Knopf (Solomon Gordon) und wächst von Frau Waas und Lukas sehr behütet auf.

Als er allerdings älter wird, befürchtet der König eine Überbevölkerung und befiehlt Lukas sich aus Platzgründen von dessen alter Lok Emma zu trennen. Dieser weigert sich und macht sich gemeinsam mit Emma und seinem Freund Jim über das Meer auf, um eine andere Bleibe zu finden. Nach einem Schiffsbruch landen sie in Mandala, doch sind damit noch lange nicht am Ziel, denn schließlich wartet auf das Trio die ein oder andere Aufgabe – denn auch Jim will wissen, wer seine eigentlichen Eltern sind. Ein Abenteuer rund um Drachen, Scheinriesen, Kindes-Kinder und eine entführte Prinzessin beginnt.

Buch – Puppenkiste – Kino

Auch diese Verfilmung steht vor den gleichen Risiken wie andere Adaptionen. Denn ein schwieriger Spagat muss geschafft werden. Zum einen will man das Besondere der Vorlage beibehalten und Fans des Buches nicht enttäuschen. Auf der anderen Seite ist es nicht unbedingt leicht ein Buch eins-zu-eins zu verfilmen. Das ist der Grund, weshalb auch häufig Bücher und deren Geschichte abgewandelt werden, wenn es an eine Verfilmung geht. Eine weitere Besonderheit ist die Zielgruppe des Films. Es ist keineswegs Zufall, dass der Film an Ostern erscheint, wenn die Familie beisammen ist und etwas unternehmen will. Das ist die perfekte Zeit für einen Familienfilm.

Doch wird Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer diesem Genre viel gerechter als andere Filme. Die Kinder werden sich an diesem Abenteuer rund um Mut, Freundschaft und Akzeptanz erfreuen können, doch auch die Eltern dürften ungewöhnlich hohe Erwartungen an den Film haben. Dies liegt an dem Zeitraum der Bucherscheinung. Michael Endes Werk wird Teil der Kindheit vieler Eltern sein. So muss Ziel des Films sein, die Kinder und Eltern zu Kindern und “volljährigen Kindern” zu machen.

Entgegen einiger (auch meiner eigenen) Erwartungen schafft der Film das ziemlich gut. Regisseur Dennis Gansel gelingt es, dass die Verfilmung den Erwartungen standhält. Ihm kommt vor allem die lineare Geschichte der Vorlage zugute. Man begleitet Jim Knopf und Lukas von einem Abenteuer ins nächste. Dazu kommt eine Detailverliebtheit im optischen und erzählerischen Sinne. Gerade diese vielen kleinen optischen Details sind für eine deutsche Produktion besonders gut.

Dies liegt nicht zuletzt am Budget. Mit 25 Mio. Euro ist es der teuerste deutschsprachige Film bisher. (Keinen Falls aber die teuerste deutsche Produktion. Da liegen Tom Tykwers Cloud Atlas und Das Parfum weit vorne.) An den erzählerischen Detail dürfte sich vor allem derjenige erfreuen, der seit einigen Jahren das Buch nicht mehr gelesen hat. Immer wieder werden Namen und Details eingestreut, die einen erfreut aufhorchen und zurückerinnern lassen. So ist am Film in der ersten Hälfte nahezu nichts auszusetzen. Vielmehr muss die tolle Musik in der ersten Hälfte benannt werden.

Kleiner Qualitätsabfall gegen Ende

Dass es zu einem Rückgang der Details und Referenzen kommt, ist klar und dem Aufbau einer Story fürs Kino zuzuschreiben. Details lassen sich im ersten Akt besonders gut zeigen. Schließlich ist der auch dafür da, um in die Szenerie einzuleiten. Im zweiten Akt muss die Story vorangetrieben werden, um sie im dritten Akt zu schließen. Da ist es eigentlich logisch, dass dort kaum noch neue Details gezeigt werden. Das ändert aber nichts daran, dass die erste Hälfte stärker ist als die zweite. Auch wirkt die Musik nicht mehr so beeindruckend und das Ende hätte kürzer und dadurch weniger kitschig ablaufen können.

Fazit

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer verliert in der zweiten Hälfte zwar etwas an Highlights, ist aber dennoch eine detailreiche Verfilmung des Buches und dürfte nicht nur Kinder erfreuen. Auch wenn mir das Meer aus Plastikfolie fehlte, bekommt der Kinofilm von mir 3,5 von 5 Sternen.

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