Kinoflatrates – Chance für die Kinolandschaft?

Die Kinobesucherzahlen sind in den letzten Jahren gefallen. Es wird geschätzt, dass sich dieser leichte Abwärtstrend auch in den nächsten Jahren fortsetzen wird . Dies ist auch kein Wunder, immerhin steigen seit Jahren die Ticketspreise an. Dafür sind illegale Onlinestreams und weitere Gründe natürlich auch verantwortlich. Daraus resultiert, dass sich der durchschnittliche Kinobesucher nur alle paar Monate einen Besuch im Lichtspielhaus leisten kann oder für lohnenswert hält. Dann werden häufig auch nur die absoluten Blockbuster angesehen. Logisch, wenn ich nur Geld für einen Film habe, will ich das Non-Plus-Ultra sehen. Wir sichern uns ab. (Dies ist u.a. auch der Grund für das Bewerben der Filme durch Aussagen wie „Vom Produzenten von…“, „Von den Machern des Welterfolgs…“)

Doch gibt es inzwischen Möglichkeiten, um sich ein wenig ungebundener zu machen. Mit sogenannten Kinoflatrates lassen sich unbegrenzt Filme genießen. Bedeutet: es wird einmal pro Jahr bzw. Monat ein fester Preis gezahlt und anschließend darf man sich so viele Filme zu Gemüte ziehen, wie man Lust und Laune hat. Das Ganze ist grundsätzlich natürlich nicht ganz billig. Ein solcher Zugang kostet z.B. in den UCI-Kinowelten 22,50€ pro Monat (bei einer Laufzeit von zwölf Monaten also satte 270 €). Was beim UCI die „UCI-Unlimited Card“ ist, nennt sich bei der großen Cinemaxx-Kette „Cinemaxx Goldcard“. Hier liegt der Preis nochmals deutlich höher, bei 400 € im Jahr (33,33 € pro Monat).

Diese Flatrates beinhalten neben normalen Vorstellungen auch alle 3D-Vorstellungen, egal ob Parkett oder Loge.

Das lohnt sich bei solch stolzen Preisen natürlich nur, wenn man regelmäßig das Kino besucht. Doch angenommen, man geht einmal pro Woche mit Freunden ins Kino und zahlt für ein durchschnittliches Kinoticket (manchmal mit Loge und 3D-Zuschlag) 9,50 €. Abzüglich einiger Wochen (Urlaub, Ferien,…) schätzen wir also 45 Wochen à 8,50€. Man kommt auf 27,50€. Alle anderen Besuche darüber hinaus sind „gratis“. Was hier wie Werbung klingt oder eine einfache Vorrechnung finanzieller Vorteile ist, hat einen ganz bestimmten Sinn.

Mir kann es ja eigentlich am Ende egal sein, ob jemand nun 20 €, 100€ oder 500€ pro Jahr für das Kino ausgibt, der Punkt ist ein ganz anderer und führt uns wieder zum Anfang.

Teure Chance

Diese Kinoflatrates bringen eine Art „Verpflichtung zum Kinobesuch“ und damit eine entscheidende Chance mit sich. Denn wenn erst einmal eine solche Flatrate abgeschlossen wird, dann sollte der Zuschauer auch häufig ins Kino gehen, weil es sich sonst einfach nicht lohnt. Das hat zur Folge, dass man eben nicht nur alle paar Monate ins Kino geht und nur die großen Blockbuster sieht.

Wenn man eh alle Filme ohne Mehrkosten anschauen kann, dann wird es dazu auch häufiger kommen. Ergo, werden nicht nur die großen Hollywoodstreifen angeschaut, sondern auch die kleinen, deutschen/französischen/skandinavischen Independent Filme, Dokumentationen etc.. Man gibt damit unbekannten und häufig vielleicht auch unterschätzten Filmen eine Chance, die sie sonst wahrscheinlich nicht bekommen würden. Und vielleicht kann ein solcher Film durch Mundpropaganda dann ein ganz anderes Publikum erreichen, als es das sonst getan hätte. Ein Beispiel dafür sind z.B. Ziemlich beste Freunde oder auch Elser – Er hätte die Welt verändert.

Auch wenn dies in eine spekulative Richtung geht, bin ich mir sicher, dass dies der große Vorteil solcher Flatrates ist. So sind Kinoflatrates am Ende zwar eine kosten- und zeitintensive, aber doch große Chance, die Kinolandschaft samt ihrer Vielfalt zu beeinflussen und (um ganz theoretisch zu werden) dem anfangs erwähnten Abwärtstrend entgegen zu wirken.

#KR

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.