Eine Person in vielen Körpern – Letztendlich sind wir dem Universum egal

 Letztendlich sind wir dem Universum egal Kritik Info“Der erste Eindruck ist immer ein Äußerlicher”. “Es kommt nicht auf das Aussehen an, sondern auf den Charakter.” Zwei Sätze, die immer wieder genannt werden, aber im vermeintlichen Widerspruch stehen. Was wäre, wenn eine Person ständig ein anderes Aussehen hätte? Wie müsste damit umgegangen werden, wo doch Aussehen egal sein sollte? Letztendlich sind wir dem Universum egal könnte genau darauf Antworten finden, schafft und will es aber nicht, weil es „nur“ eine Teenager-Romanze ist.

„Ich lebe jeden Tag im Körper eines anderen…“

Rhiannon ist 16 und führt ein Leben, ganz ähnlich wie das vieler anderer Teenager. Das ändert sich schlagartig als sie A. kennenlernt. A. ist eine mysteriöse Seele, die jeden Tag den Körper eines anderen gleichaltrigen Menschen bewohnt. Dabei ist es egal, welcher Herkunft, welchen Aussehens oder Geschlechts diese Person ist. Während A. die Kontrolle für einen Tag über das Leben einer anderen Person übernimmt, kann diese sich am Folgetag nicht mehr daran erinnern, A. allerdings schon. Rhiannon lernt diese einsame Seele im Körper ihres Freundes Justin kennen und weiß zuerst nicht zwischen Justin und A. zu unterscheiden.

Dieses ganz normale Teenager-Mädchen und diese umherstreifende Seele in immer verschiedenen Körpern verlieben sich ineinander. Doch da keiner von beiden weiß in welchem Körper A. am nächsten Morgen aufwachen würde, stellt schon das Treffen eine Herausforderung dar.

Rhiannon und A. spüren aber eine gefühlsmäßige Verbindung zwischen sich und allen Widrigkeiten zum Trotz beginnen die beiden eine Beziehung. Doch je stärker ihre Liebe wird, desto unausweichlicher werden auch die Probleme…

Konzept schafft Potenzial

Der Romanverfilmung des gleichnamigen Bestsellers von David Levithan liegt eine unwirkliche aber sehr spannende Prämisse zu Grunde. Der Film versucht sich glücklicherweise gar nicht an einer Erklärung des unwirklichen Phänomens. Im Gegenteil: er lässt A. gleich selbst erzählen, dass er/sie nicht wüsste, wieso das passiert. Das tut dem Film gut, denn einerseits wäre jeder Erklärungsversuch eh an den Haaren herbeigezogen gewesen, und so kann die Geschichte schnell vorangetrieben werden.

Im Zentrum dieser Geschichte rund um Identität, Liebe und Verlust steht eine junge Frau, die in ihrer Unsicherheit und Entwicklung von Angourie Rice (The Nice Guys, Die Verführten) gut dargestellt wird. Interessanter sind aber die verschiedenen Personen mit deren eigenen Geschichten, in denen A. für einen Tag steckt. Trotz der kurzen Zeit eines Tages hätte es dem Film und der Verantwortung A.s Fallhöhe gegeben, hätte man noch mehr über die Figuren erfahren.

Was dem Film aber eine ganz spezielle Note gibt, sind die großen Themen hinter der Prämisse: Liebe, Verantwortung, Geschlechterzugehörigkeit, körperliche Einschränkungen, Charakter und Hoffnung. Wer sind wir? Was macht einen Menschen aus? Kann losgelöst von Körperlichkeiten geliebt werden? Kann man sich wieder lernen zu lieben? Das sind Fragen, die Letztendlich sind wir dem Universum egal anschneidet, aber nie richtig behandelt.

Letztendlichsind wir dem Universum egal PlakatPhilosophische und emotionale Tiefe ist unerwünscht

Alle Nebenfiguren, wie die Freundin oder auch die Eltern Rhiannons mit ihren Problemen kommen zwar vor, verschwinden aber am Ende hinter der Liebesgeschichte.

Dem Streifen fehlt es an einer Symbolik, die den Film auf eine höhere emotionale (vielleicht sogar philosophische) Ebene hebt. Eine Symbolik, die den Charakter von A. darstellt und zeigt, dass der Charakter eines jeden vom Körper unabhängig ist. Das Beispiel einer perfekten Umsetzung ist beispielsweise das Auge in Blade Runner. Zeit genug, um ein solches Symbol zu etablieren, hätte man gehabt, denn trotz der verhältnismäßig kurzen Laufzeit von 98 Minuten, zieht sich das Werk im zweiten Akt, dem Mittelteil.

Wo andere Filme zwanghaft versuchen eine höhere Message zu vermitteln, macht der Film von Regisseur Michael Sucsy (Für immer Liebe) dies nicht, obwohl es gerade hier sinnvoll gewesen wäre. Dadurch bleibt der Zuschauer am Ende mit dem Beigeschmack zurück, dass alle vorherigen Themen und Probleme dem romantischen Grundtenor weichen mussten.

Dies mag auch daran liegen, dass sich nicht getraut wurde Themen explizit aufzuzeigen. Selbstmordgedanken werden in zwei Minuten abgehandelt und auch das Thema Homosexualität wird zu sehr mit Samthandschuhen angefasst. Da kennen und lieben sich Rhiannon und A. bereits, aber wo die junge Frau mit A. im Körper eines gleichaltrigen Jungens sich unbefangen küsst, fragt sie ausgerechnet dann nach Erlaubnis, wenn A. im Körper einer jungen Frau steckt. Ebenso auffällig ist, dass – der Massentauglichkeit zu Liebe – A. auch 90 % der Zeit ein junger Mann ist.

Fazit

Letztendlich sind wir dem Universum egal schafft es, eine Idee als gegeben darzustellen, die wichtige Themen der Identitätsfindung aufwirft. Trotz guter Hauptdarstellerin und interessanter Nebencharaktere kann und will der 98 Minuten lange Film nicht in die Tiefe gehen, verschenkt dadurch viel Potenzial und bleibt als durchschnittliche Teenager-Romanze zurück.

Der Film erhält von mir 2 von 5 Sternen.

KR

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