Wenn das Pulver verschossen ist – Mamma Mia!: Here We Go Again

Es war schon eine kleine Sensation, was die Verfilmung des Musicals Mamma Mia! vor genau zehn Jahren auslöste. Nicht nur, dass viele Besucher in die Kinos strömten, auch erlebten die Songs von ABBA ein Revival (nicht, dass sie das nötig gehabt hätten). Die Story um die Tochter, die ihre möglichen drei Väter zu ihrer Hochzeit einlädt und damit die Mutter vor ein Gefühlschaos stellt, ist seitdem vielen Menschen ein Begriff.

Die Fortsetzung macht jetzt gleichzeitig einen Schritt vorwärts, aber geht zeitlich auch einen zurück. Clever, doch man wird feststellen müssen: das Pulver scheint verschossen zu sein…

Donna in den wilden 70ern

Nach dem Trubel aus Teil 1 steht das Hotel, welches von Donna entworfen wurde, nun kurz vor der Neueröffnung. Sophie (Amanda Seyfried) führt diesen Traum ihrer Mutter auf der griechischen Insel Kalokairi weiter. Kurz vor dem großen Abend kommt mit der Aufregung aber auch die Nervosität. Kurzum lädt sie die alten Schulfreundinnen ihrer Mutter Rosie (Julie Walters) und Tanya (Christine Baranski) ein.

Diese erzählen der inzwischen Schwangeren, die Geschichten von Donna von vor 40 Jahren. Sophie erfährt, wie die junge Donna (Lily James) ihre drei Väter Bill, Harry und Sam kennen lernte und warum sie niemals allein war…

Altes Konzept – neuer Ansatz?

Das Konzept des Vorgängers wird übernommen. Eine Geschichte, bei der ein Teil durch die Songs der schwedischen Popband inszeniert werden – eigentlich die klassische Musicalform. Mit welchem Geschick das aber dem ersten Teil gelang, war so erstaunlich, dass man denken konnte, die Lieder wären eigens für den Film geschrieben worden. Genau das musste nun die Fortsetzung erneut schaffen, ohne wie eine Nacherzählung oder Kopie zu wirken.

Das Team hinter Regisseur Ol Parker (Best Exotic Marigold Hotel) wählte einen sehr cleveren Weg. Denn das Sequel ist zu einem guten Stück auch ein Prequel. Bedeutet, Mamma Mia!: Here We Go Again führt die Geschichte aus Teil 1 fort und zeigt trotzdem die Vergangenheit der Figuren auf. In diesem Fall ist das die Vergangenheit der Donna (im Film von 2008 von Meryl Streep und in jung von Lily James gespielt).

Mit diesem Konzept kommt aber auch ein großes Risiko. Immer wenn eine Figur in jung besetzt wird, muss die junge Besetzung nicht nur visuell, sondern auch charakterlich passen und auch die Ausdrucksweise muss stimmen. Häufig scheitern Prequels daran, bei diesem Film nicht. Mit der charismatischen Lily James ist hier eine Idealbesetzung gelungen. Sie und die Besetzung ihrer zwei Freundinnen sind dafür verantwortlich, dass in diesen Rückblenden kaum ein Bruch zur Story der Gegenwart zu erkennen ist.

Lebensfroher Charme mit plakativem Kitsch

Poster Mamma Mia!: Here We Go AgainIm Vergleich zu den drei Jungschauspielerinnen enttäuschen aber die drei Jungschauspieler von Bill, Sam und Harry umso deutlicher. Nicht nur, dass sie lange nicht so charmant sind wie ihre Leinwandpartnerin, ihre Dialoge sind auch die schwächsten des gesamten Films. Diese “charmanten” Flirtversuche wirken entweder gestellt, lassen die Augen verdrehen oder die Hände vor das Gesicht schlagen. Die Charaktere des jungen Bill, des jungen Harry und des jungen Sam sind dafür verantwortlich, dass trotz Lily James, die Rückblenden insgesamt schwächer sind als die gegenwärtigen Geschehnisse.

Das Hauptproblem ist aber ein generelles von Fortsetzungen. Das Pulver ist verschossen. Man kann nicht nochmal alle Songs aus dem Original spielen, man muss andere Lieder verfilmen. Doch die Bekanntesten liefen bereits in Teil 1, was zur Folge hat, dass man nicht zwangsläufig alle Musicaleinlagen kennt bzw. mitsingen könnte, wie es noch im Vorgänger der Fall war.

Auch die charmante Art kann nicht noch einmal eingefangen werden. “Mamma Mia! 2” ist lustig und auch nett anzusehen, aber deutlich überdrehter, inszenierter und dadurch ein Stück aufgesetzter als das Original mit Meryl Streep in der Hauptrolle. Der Versuch die unbekannteren Stücke und die neuen Schauspieler mit “Gute-Laune-Lächeln” wettzumachen lässt den Streifen zu Weilen kitschig wirken.

Fazit

Mamma Mia!: Here We Go Again wählt einen sehr interessanten Weg Teil 1 fortzusetzen. Eine toll aufgelegte Lily James entschädigt für die schwachen jungen, männlichen Figuren, kann aber nicht verhindern, dass die Rückblenden die schwächere Hälfte des Films sind. Die Fortsetzungen ist für Musicalfans selbstverständlich sehenswert und unterhaltend, doch kann die Lebensfreude, den Charme und die Ohrwürmer aus dem Original nicht wieder aufleben lassen.

Der zweite Teile des ABBA-Abenteuers bekommt von mir 3 von 5 Sterne.

KR

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