Eine Dokumentation für die Sinne – Mantra: Sounds Into Silence

Mantra: Sounds Into Silence Info KritikWir singen nicht mehr gemeinsam. Das Ich steht vor dem Wir. Körper und Geist kommen nicht mehr zur Ruhe. Mantra: Sounds Into Silence zeigt, wie Menschen rund um den Globus in Mantra ihren ganz eigenen Weg gefunden haben, um das Leben zu genießen.

Von Mantra, Kirtan und Chanten

Regisseurin Georgia Wyss beleuchtet in ihrem 85-minütigen Dokumentarfilm was es mit diesem international immer größer werdenden Phänomen auf sich hat. Sie stellt Menschen vor, die Mantra, Kirtan, Chanten, Yoga und Meditation für sich und ihr Leben entdeckt haben.

Mantra bedeutet „Geist“ („man) und „Instrument“ (tra). Es ist das Nutzen von Instrumenten, um den Geist wieder auszurichten, zu fokussieren, zu beruhigen, zu befreien. Dabei werden Verse bzw. Sprüche laut oder im Geiste vor sich her. Ob als Meditation des Einzelnen oder als große Veranstaltung, bei der Musiker vorsingen und die Zuhörerschaft nachsingt (Kirtan), die Musik steht im Mittelpunkt. Gerade das Chanten (das gemeinsame Singen) füllt inzwischen auf der ganzen Welt riesige Hallen. Die bekanntesten Künstler unter ihnen verkaufen nicht nur Millionen Platten, sondern sind Popstars der Szene und bei Grammy-Verleihungen vertreten.

Die Dokumentation zeigt weltweit verschiedene Kirtan Künstler, erzählt die Geschichte, wie ehemals Drogenabhängige mit Mantra einen Ausgleich gefunden haben und lässt die Grenzen zwischen Körper und Geist, Musiker und Publikum und Glauben und Spiritualität verschwimmen.

Unbekannte Begeisterung

Ich weiß nicht, wie es euch geht, ich wusste zwar was Yoga und Meditation ist und ich kannte auch das gemeinsame Singen. Das Ausmaß dieser ganzen Bewegung war mir allerdings neu. Georgia Wyss schafft es innerhalb weniger Minuten, die Stimmung des Films auf den Zuschauer zu übertragen. Als Außenstehender erst noch zweifelnd, ob das jetzt nicht nur „spirituelles Hippie-Zeugs“ ist, geht es dem Zuschauer und vor allem Zuhörer schnell ähnlich, wie es eine Teilnehmerin einer solchen Mantra-Veranstaltung beschreibt.

„Die erste halbe Stunde war ich mir unsicher, was ich von der Musik, von dem Mitsingen und den fast ekstatisch tanzenden und singenden Menschen halten solle, aber irgendwann hört man auf damit. Irgendwann entsteht ein Sog und man wird Teil dieser Gemeinschaft.“ (vgl.)

Plakat Mantra: Sounds Into SilenceMan freundet sich sehr schnell mit dieser kulturellen Bewegung an und ist dem Thema aufgeschlossen. Das liegt an drei speziellen Aspekten, die den Film ausmachen. Das sind zum einen die Charaktere, die aus den verschiedensten Lebenslagen kommen. Ob Gefängnisinsassen, Menschen im Entzug oder Unternehmer, alle eint die Freude am Kirtan. Es sind nicht nur die klischeehaften Dreadlocks und Muschelketten tragenden Leute, die man sich vermeintlich vorstellt.

Fakten belegen die Wirkung

Der zweite Punkt ist ein faktenbasierter. Nicht nur die Anhänger der Kirtansänger sagen, dass die Praktiken ihnen gut tun, auch werden neurologische Fakten geliefert, die beweisen, dass das Praktizieren fördernde Auswirkungen auf das Gehirn hat.

Als wichtigster Punkt muss aber der hervorragende Soundschnitt genannt werden, Musik und Stille perfekt auf einander abgestimmt, wird die Musik (wie auch im Mantra) zum wichtigsten Aspekt des Films. Tolle Bilder sind zu sehen. Da weint eine Teilnehmerin vor Rührung während des gemeinsamen Singens und im nächsten Moment liegen sich schwarze und weiße Gefängnisinsassen beim gemeinsamen Singen in den Armen. Das verzeiht ein Stück weit, dass die Schärfe nicht in jedem Bild perfekt gesetzt ist.

Woran es dem Film aber mangelt, ist der Aufbau. Weniger fortlaufende Erzählung, als mehr Collage der verschiedenen Meinungen zum Mantra – das hätte der Film anders machen sollen. Eine Unterteilung in beispielsweise die verschiedenen Arten und Praktiken des Mantras, wäre besser gewesen. Das hätte dann auch durch solche „Meinungscollagen“ eingerahmt werden können.

Das Werk spielt zudem immer wieder mit der Thematik des Spirituellen. Dies nimmt zwar nicht Überhand, aber für jemanden, der damit nichts anfangen kann, wird auch die Doku nicht interessant sein.

Fazit

Mantra: Sounds Into Silence hapert es etwas am Aufbau, doch ist es eine Dokumentation, vor allem für die Ohren, die den Zuschauer geschickt abholt. Interessante Personen bieten einen Einblick in eine kulturelle Bewegung, die immer mehr Präsenz gewinnt und – sofern man dem gegenüber offen ist – den ein oder anderen Zuschauer mit Sicherheit bereichern kann.

Die Dokumentation bekommt von mir 3,5 von 5 Sternen.

KR

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