Eine Neuverfilmung, die keiner braucht – Mein Bester & Ich

Mein Bester & Ich Kritik InfoWas im Ausland Erfolg hat, zieht ein us-amerikanischen Remake nach sich. Das scheint inzwischen eine ungeschriebene Regel in Hollywood zu sein – so die ungeschriebene Regel. Sei es die Millenium-Trilogie oder auch der deutsche Überraschungshit Honig im Kopf (2014). Viele Filme werden in Hollywood neu verfilmt, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.

Grund dafür ist das Fehlen einer richtigen Synchronbranche in Amerika. Im Maximum werden dort ausländische Filme mit Untertiteln gezeigt. Das erreicht natürlich viel weniger Zuschauer als ein Film auf Englisch. Es ist also eigentlich kein Wunder, dass die französische Sensation Ziemlich beste Freunde (2011) jetzt für die Amerikaner neu verfilmt wurde. Herausgekommen ist ein Remake, was das Original anscheinend nicht verstanden hat…

Driss und Philippe werden zu Dell und Philip

Der Kleinkriminelle Dell Scott (Kevin Hart) braucht eigentlich nur eine Unterschrift für das Arbeitsamt. Er muss damit belegen, dass er sich zwar um einen Job bemüht hätte, aber leider abgelehnt wurde. Als er aber eher zufällig in ein Bewerbungsgespräch für einen Pflegeberuf reinplatzt, sieht er sich plötzlich mit einer großen Herausforderung konfrontiert.

Der reiche Philip (Bryan Cranston) ist querschnittsgelähmt und benötigt deshalb rund um die Uhr Hilfe. Der durch die Einschränkungen depressive New Yorker wählt ausgerechnet Dell aus, der noch nie zuvor in diesem Bereich gearbeitet hat, um die Stelle zu besetzen. Philip hat das Mitleid und die immer gleichen langweiligen Pflegertypen satt und stellt sehr zur Verwunderung seiner Assistentin Yvonne (Nicole Kidman) den kleinkriminellen Dell ein.

Ab sofort muss sich dieser um Philip kümmern, ihn waschen, ihn anziehen und vieles mehr. Das stellt Dell zwar vor große Herausforderungen, doch bringt er auch neuen Wind in den Alltag des leidenschaftlichen Kunstsammlers. Es entwickelt sich eine Freundschaft zwischen dem wohl situierten, aber schwermütigen Philip und dem einfachen, aber lebensfrohen Dell…

Gegensätze und Klischees

Wie viele andere Komödien spielt auch Mein Bester & Ich mit dem Reiz der Gegensätze. Dass so witzige Situationen entstehen, ist ganz logisch. (Weitere Beispiele dafür sind Tanz ins Leben (2018) oder auch der oscarprämierte Green Book – Eine besondere Freundschaft (2019)) Wichtig ist aber immer, wie die Gegensätze erklärt sind. Das Ganze einmal an einem Beispiel erklärt: Philip ist sehr wohlhabend, hat Angestellte um sich herum und kann seinem Hobby, dem Sammeln von Kunst nachgehen. Trotzdem ist er schwermütig und depressiv. Dem Film muss es gelingen, klar zumachen, warum Philip so denkt. Es reicht nicht, dem Zuschauer die Schlussfolgerung zu überlassen, dass der New Yorker mit Sicherheit wegen seiner Behinderung depressiv sei.

Um seine Gefühlslage zu erklären, bedient sich der Film gleich mehreren Mitteln. Das einfachste dabei ist der Dialog. Hier wird schon gleich zum Anfang gesagt, dass Philip sehr mit dem Tod seiner Frau zu kämpfen hat. Das andere Mittel, um die Motive und Hintergründe der Figur zu erklären sind Flashbacks. Diese wirken hier aber keineswegs stimmig. Vielmehr scheinen sie relativ zufällig in die laufende Story eingebaut zu sein. Das führt schlussendlich dazu, dass sie nicht nur störend wirken, sondern auch den Fluss der Story unterbrechen.

Wo der Film zu viele Klischees bespricht, lässt er interessante Handlungsstränge des Originals hinten runterfallen. Weder die besondere Schwere von Driss bzw. Dells Familiensituation noch die Sorge um seinen kleinen Bruder, scheint in den 126 Minuten Platz gefunden zu haben. Vielmehr wird hier auf offensichtliche und kurzweilige Gags gesetzt. Das bringt uns zu einem weiteren Punkt, warum diese Neuverfilmung das Original missachtet.

Witz zum Preis der Finesse

Poster Mein Bester & IchWer das Original gesehen hat – und Mein Bester & Ich muss sich diesem Vergleich stellen – dem wird vor allem der feine, authentische Witz der zwei Protagonisten in deren Zusammenspiel auffallen. Die Darstellungen der zwei Charaktere scheitern in Neil Burgers Neuauflage allerdings schon in der Besetzung.

Bryan Cranston nimmt man den schwermütigen, körperlich behinderten Philip nur selten ab. Noch schlimmer ist das Ganze bei Kevin Hart. Dieser erreicht nicht in einem Moment die Tiefe, Emotionalität, Sympathie und Authentizität, wie es einst Omar Sy auf die Leinwand brachte. Bezeichnend ist, dass die einzig gute Darstellung in diesem Streifen von Nicole Kidman kommt.

Mag Kevin Hart mit seinem Slang noch einen guten Kontrast zur gehobenen Sprache Philips bilden, beweist auch der Humor in seiner Gänze, dass es Hollywood oftmals schwer fällt, subtil humoristisch zu sein.

Bestes Beispiel ist eine (neue) Szene, in der Dell Philips Katheter wechseln soll. Dass dieser sich zuerst dagegen sträubt, ist nicht das Problem, aber in welcher Form diese Szene und der Fakt, dass der erwachsene (!) Dell noch nicht einmal “Penis” sagen kann, zelebriert wird, ist erschreckend. Erschreckend vor allem deshalb, weil solch eine Szene den Weg in das Drehbuch gefunden hat, wirklich witzige und sympathisch aus dem Original hingegen nicht.

Wenn man schon einzelne Szenen und Shots aus dem Vorbild übernimmt, dann doch bitte auch den feinen Humor, wenn man den nicht schon selber liefern kann.

Komödie vor Drama

Generell schlägt Mein Bester & Ich einen völlig anderen Tonus ein als Ziemlich beste Freunde. Während der französische Film zu gleichen Teilen Komödie und Drama war, fokussiert sich die amerikanische Verfilmung fast ausschließlich auf den komödiantischen Part.

Das hat nicht nur zur Folge, dass die dringend benötigte Ernsthaftigkeit verloren geht, sondern der Reiz des Dramedy hier nicht vorhanden ist. Wie Dramedy funktionieren kann, zeigt Green Book – Eine besondere Freundschaft beispielsweise sehr gut.

Die Geschichte ist zu gut, um zu floppen

Das mag jetzt alles sehr drastisch wirken – im genauen Vergleich geht die Neuverfilmung auch heillos unter, für sich allein stehend sieht das aber etwas anders aus. Die grundsätzliche Story des unausgebildeten Pflegers und des reichen Querschnittsgelähmten, die eine Freundschaft entwickeln, ist ganz einfach zu gut, um daraus einen kompletten Flop zu machen.

Zugegeben hat sich der amerikanische Streifen teils ganz schön darum bemüht, aber so plump die Witze sein mögen, sie funktionieren doch immer mal wieder. Ich bin mir sicher, dass das Zielpublikum hier ein anderes, wahrscheinlich jüngeres sein wird. Für diese Zuschauerschaft dürfte die Komödie aber funktionieren. Es wirkt alles etwas glatt gebügelter, einfacher, anspruchsloser, aber für einen lockeren Sonntagnachmittag dürfte das trotzdem ausreichen.

Fazit

Mein Bester & Ich profitiert von der cleveren Story des französischen Originals . Auch wenn jede Subtilität und viel Charme abhanden gekommen sind, ist die Komödie von Regisseur Neil Burger leichte Unterhaltung, die zwar sehr einfache Ansprüche fordert, diese dann aber auch bestätigt. Schlussendlich wird sich von dramatischen Aspekten verabschiedet, um eine weitere Durchschnitts-Hollywood-Komödie zu schaffen, die es so wahrscheinlich nicht gebraucht hätte.

Der Film bekommt von mir 2,5 von 5 Sterne.

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