Für die Zielgruppe angepasst – Meine teuflisch gute Freundin

Meine teuflisch gute Freundin Kritik Info

Wenn der Teufel eine Tochter hätte, wäre er nicht auch überfordert? Diese Frage stellte sich die deutsche Autorin Hortense Ullrich. Herausgekommen ist ihr Buch “How to be really bad”. Genau dieses ist nun mit Meine teuflisch gute Freundin verfilmt worden. Das Resultat ist eine gut besetzte Teenie-Komödie, die die eigene Prämisse außer Acht lässt.

Ein Pakt mit dem Teufel

Lilith (Emma Bading) ist gelangweilt. Als Tochter des Teufels müsste sie doch eigentlich Gemeinheiten aushecken und für Unwohl sorgen. Sie hat es satt in der Hölle die Schulbank zu drücken und will endlich in den Außendienst. Sie schließt einen Pakt mit dem Teufel, ihrem Vater (Samuel Finzi). Nun hat sie eine Woche Zeit, um eine gute Person zum Bösen zu verführen. Sollte sie scheitern, müsste sie zurück in die Hölle – für immer. Würde sie aber triumphieren, dürfte die Tochter des Teufels im aktiven Außendienst bleiben.

Lilith zieht bei ihrer Gastfamilie, den Birnsteins, ein. Die älteste Tochter Greta (Janina Fautz) zum Bösen zu verführen, das dürfte ja wohl nicht so schwer sein. Doch diese trägt so überhaupt keine Boshaftigkeit in sich. Die teuflische Lilith sieht sich einer schwierigeren Aufgabe gegenüber als gedacht. Die wird nicht gerade leichter als sie auf den charmant-rebellischen Mitschüler Samuel (Ludwig Simon) trifft.

Ihre Zeit läuft und Lilith sieht sich bald ihren eigenen moralischen Vorstellungen gegenüber und zweifelt an ihrer Aufgabe. Doch wie soll man den Teufel höchstpersönlich austricksen?

Gut vs. Böse

Das Grundprinzip dieser Teenie-Komödie ist nichts Neues. Die altbewährte Methode zweier verschiedener Charaktere und Lebensentwürfe, die aufeinander prallen, ist bekannt. Das hatte zuletzt auch sehr gut bei Tanz ins Leben funktioniert. Denn das einfache Prinzip stört ganz und gar nicht, sofern es auch genutzt wird. Filme (und gerade Komödien) leben von dem Zusammenspiel verschiedener Charaktere, den daraus entstehenden Problemen und kuriosen Situationen und dem Annähern dieser verschiedenen Personen zueinander. Das ist auch die große Stärke der Komödie von Marco Petry (Heiter bis wolkigDoktorspiele).

Poster Meine teuflisch gute Freundin

Das Zusammenspiel zwischen plakativ gut und vermeintlich böse funktioniert durch das gute Zusammenspiel zwischen Emma Bading und Janina Fautz. Gerade letztere ist die Überraschung des Films. Sie spielt die Figur, die trotz einiger spießigen Ansichten die Sympathie und Empathie in den Film bringt. Dagegen fallen die anderen Nebencharaktere ab und vor allem Samuel Finzi nimmt man nur schwer den Teufel ab.

Es ist keine Überraschung, dass die Adaption eines Jugendromans auch auf eine Message für genau diese Zielgruppe hinspielt. So ist klar, dass es hier zum Überdenken von Gut und Böse kommt und somit auch dem jungen Publikum die richtige Antwort aufgezeigt wird. Das macht die gesamte Geschichte durchweg absehbar. Das sollte aber für die angestrebte Zielgruppe nur ein kleines Problem sein. Nett anzuschauen sind hingegen Kostüm und Maske. Lilliths Frisur, die die Teufelshörner symbolisiert und im Laufe des Films sich verändert und auflöst und somit auch ihre Charakterwandlung darstellt, ist eine schön zu beobachtende Kleinigkeit.

Teuflische Möglichkeiten werden verschenkt

Komödien für das junge Publikum gibt es wie Sand am Meer. Auch Themen wie die erste Liebe, Freundschaft über Grenzen hinweg und das Überdenken der eigenen Moral haben einen langen Bart. Meine teuflisch gute Freundin hat hingegen von Anfang an die Möglichkeit mit den Fähigkeiten der Tochter des Teufels zu spielen und diese zu nutzen, um Witz und neue Möglichkeiten in die Story einzubringen.

Genau das macht der Streifen aber kaum bis gar nicht und genau das ist die große Schwäche. Mal wieder wird viel Potenzial verschwendet. Mit ganz wenigen Ausnahmen unterscheidet sich Lillith nicht von einem erst fiesen und sich dann durch Freundschaft verändernden Mädchen, welches sich mit ganz normalen Problemen des Teenager-Daseins beschäftigen muss. Die wenigen Szenen, in denen ihre “Kräfte” zum Vorschein kommen, sind mit Abstand die besten und kurzweiligsten.

Je länger der Film läuft, umso weniger wird klar, dass es sich bei der Rebellin um die Tochter des Teufels handelt. Das kann zwar mit ihrem persönlichem Wandel erklärt werden, aber ein charakterlicher bringt nicht einen Wandel der Fähigkeiten mit sich.

Schlussendlich profitiert der Film bis auf den anfänglichen Pakt kaum von der Tatsache, dass es sich hier um einen Fantasyfilm handelt.

Fazit

Meine teuflisch gute Freundin lässt “gut” und “böse” in Person zweier Teenager-Mädchen aufeinander prallen. Zwei gute Hauptdarstellerinnen und kleine Gimmicks täuschen über die standardmäßige Story hinweg. Heraus kommt eine nette Komödie, die für das junge Publikum vereinfacht ist, aber das fantastische Potenzial der Buchvorlage verschenkt.

Der Film bekommt von mir 2,5 von 5 Sterne.

KR

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