Meine Welt ist die Musik – Der Komponist Christian Bruhn

Meine Welt ist die Musik - Der Kompnist Christian Bruhn Kritik InfoChristian Bruhn: mich würde überraschen, wenn dieser Name einer Vielzahl von Leuten etwas sagen würde. Um ehrlich zu sein, bewusst habe ich diesen Namen vor diesem Film auch nicht gehört. Ich saß also in der Pressevorführung und wusste nur, dass es um einen einfachen Komponisten geht. Das Wort “einfach” ist dabei weit gefehlt…

Vom Macher unserer Kinderlieder

Christian Bruhn – relativ unscheinbar, inzwischen 84 Jahre alt, kurze weiße Haare und eine Brille auf der Nase. Würde man diesem Mann auf der Straße begegnen, würde man wohl kaum auf die Idee kommen, hier einen der größten und erfolgreichsten deutschen Unterhaltungsmusikkomponisten vor sich zu haben. 

Doch während der Musiker nur wenigen ein Begriff ist, kennt hierzulande jeder seine Lieder. Ob “Marmor Stein und Eisen bricht”, “Wunder gibt es immer wieder” oder auch “Ein bisschen Spaß muss sein” – egal ob im privaten Kreis oder im großen Festzelt — zu diesen Lieder wird geschunkelt und mitgesungen.

Die Regisseurin Marie Reich hat jetzt in ihrem Dokumentarfilmdebüt ein Porträt erschaffen, was die Person Christian Bruhn und dessen kreatives Schaffen in den Fokus rückt.

Die Musik im Zentrum

“Meine Welt ist die Musik!” Dieses Zitat steht über allem, was der Dokumentarfilm uns zeigen will. Und doch versucht Marie Reich hier den Fokus auf den Künstler und nicht das Werk zu legen. Dass ihr das sehr schwer fällt, liegt nicht zuletzt am Künstler selbst. Er wollte nie wirklich Ruhm ernten oder auf der Straße erkannt werden, erzählt Christian Bruhn, die Leute sollen nur Spaß an seiner Musik finden. Den werden sie auch haben, denn bei über 2000 veröffentlichten Lieder, Jingles für Werbespots, Soundtracks für Fernsehserien und sogar Bühnenmusiken und Musicals ist es schwer, seiner Musik auszuweichen. 

Die Doku versucht trotzdem ihren Protagonisten von einer ganz eigenen Seite zu zeigen. Da sieht man auch schon mal den 84-jährigen im Bademantel zum Pool oder früh morgens quer durch den Garten zu seinem Studio gehen. Über sich selbst redet der Musiker weniger, lieber über seine Musik. Dafür reden andere über ihn.

Seine Exfrauen wie u.a. Katja Ebstein, Kollegen und Musikgrößen wie Harold Faltermeyer – sie alle haben etwas zu sagen über den Mann hinter der Musik. Doch so besonders sein Leben auch sein mag,er bleibt der Mann hinter der Musik. Das dürfte aber weder ihn noch den Zuschauer stören.

Handwerkliche Fehler und schwierige Persona?

Die 82 minütige Dokumentation ist das erste Werk in dieser Länge der Regisseurin Marie Reich. Zugegeben, das merkt man auch. Die 40-Jährige vermag es nicht, eine Struktur für ihren Film zu finden, wodurch die Doku Tiefe gewinnen würde. So ist es eine einfache Lobeshymne auf den Komponisten. Ecken und Kanten hätten ihrer Darstellung gut getan. So wird hier oftmals ein zu hinterfragendes Thema schnell wieder durch Musik überblendet, wortwörtlich überspielt..

Genau diese zu hinterfragenden Themen sind es, die durch ihr Fehlen am Ende den Fokus vom Künstler nehmen. Mehrere Ehefrauen, der Sohn, der im Interview diplomatisch sein muss, um nicht zu stark darzulegen, dass Christian Bruhn immer mehr Zeit für seine Musik als als Vater hatte. Diese Aufs und Abs der Tonalität würden eine Figur zu einem Charakter machen. Dass der Komponist dazu genug Charakter hat, ist sicher – hier werden diese Höhen und Tiefen aber nie richtig beleuchte…

Poster Meine Welt ist die Musik - Der Komponist Christian BruhnDoch während man diesen Aspekt noch zwiespältig sehen mag, sind die handwerklichen Fehler, die immer wieder auftauchen, einfach nur schade. Es sind wirklich essenzielle Sachen wie beispielsweise die Schärfesetzung, die hier irgendwie nicht genug Beachtung gefunden haben. Gerade im Vergleich fällt auf, dass der Fokus bei einem der Interviews einfach nicht richtig gesetzt ist, die interviewte Person nicht gänzlich scharf gestellt ist. Auch muss spätestens beim Schnitt auffallen, dass teilweise die Tonangel einfach ins Bild ragt oder man ein Gimble hätte benutzen sollen, um das Bild zu stabilisieren, wenn man Christian Bruhn zu Fuß folgt.

Großer Vorteil: Musik

Doch der Film lässt sich nicht nehmen, sein großes Ass, die Musik, auszuspielen. Es hätte mich auch stark gewundert, wenn bei einem Dokufilm über einen Komponisten nicht seine Lieder den Film untermalt hätten. Oder in diesem Fall getragen hätten. 

Der Regisseurin gelingt es, die unzähligen bekannten Songs nicht direkt am Anfang zu verpulvern, sondern über die Länge des Films zu verteilen. Man weiß zwar am Anfang, dass er viele bekannte Schlagersongs komponiert hat, aber gerade die Serienmelodien sind das Highlight.

Alle paar Minuten kommt der Zuschauer zu dem Punkt, an dem er überrascht feststellt: “Mensch, das hat der auch komponiert?”. Sei es der Soundtrack von Heidi (1977) oder auch Melodien aus Timm Thaler (1979), man kennt sie nicht nur alle, auch ist gerade dann interessant, zu sehen, wie sie entstanden sind.

Fazit

Christian Bruhn als Person ist mit Sicherheit ein streitbarer Mensch, es ist aber die Musik, die diesen Film trägt und den Künstler in den Hintergrund drängt.  Meine Welt ist die Musik – Der Komponist Christian Bruhn versucht zwar das ein Stück weit abzuschwächen, scheitert aber, weil alle Ecken und Kanten heruntergespielt werden. Dieser Aspekt und handwerkliche Unsauberheiten sorgen dafür, dass die Dokumentation viel schwächer und oberflächlicher ist, als sie sein müsste.

Der Film bekommt von mir 3 von 5 Sterne.

KR

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