Midnight Sun und der Aufbau einer Romanze

Midnight Sun Kritik Infobox

Wie kann man leben und lieben, wenn eine Krankheit einem im Weg steht? Wie kann man etwas erleben, wenn man die Hälfte des Tages im eigenen Haus eingesperrt sein muss? Sehen die Menschen in einem nur die Krankheit oder eine normale Person? Keine leichten Fragen, die Midnight Sun behandeln und das in einen romantischen Film verpacken will.

Xeroderma Pigmentosum

Die 17-jährige Katie Price (Bella Thorne) führt ein ganz spezielles Leben. Tagsüber schläft sie und sitzt hinter Spezialfenstern in ihrem Zimmer, nachts ist sie Straßenmusikerin und unternimmt etwas. Doch dieses Leben sucht sie sich nicht aus. Eine Krankheit zwingt sie dazu. Die seltene genetische Krankheit xeroderma pigmentosum, kurz XP, ist für dieses Leben verantwortlich. Denn Katie verträgt kein Sonnenlicht. Sie muss jeden kleinsten Hautkontakt mit Sonnenlicht vermeiden, denn dieses würde Hautkrebs verursachen und könnte ihr Leben binnen weniger Tage und Wochen beenden.

Seitdem sie ein Kleinkind ist, wird sie zuhause von ihrem aufopfernden Vater Jack (Rob Riggle) unterrichtet. Ihre einzige weitere Freundin ist Morgan (Quinn Shephard), die ihr zur Seite steht. Doch auch eine weitere Person spielt unwissentlich in Katies Leben eine Rolle. Seit Jahren beobachtet sie den gleichaltrigen Charlie (Patrick Schwarzenegger), der jeden Tag an ihrem Fenster vorbeiskatet. Als die junge Frau eines Abends am Bahnhof auf ihrer Gitarre spielt und singt, spricht ihr Schwarm sie an. Die beiden kommen sich näher und verlieben sich ineinander.

Katies Krankheit lässt allerdings nur gemeinsame Aktivitäten bei Nacht zu. Alles scheint perfekt, doch Katie weiß nicht, wie sie ihrer großen Liebe beibringen soll, dass sie ein Leben voll Entbehrungen führen muss, schließlich soll er sie als normalen Menschen und nicht als Opfer einer Krankheit sehen.

Klassischer Aufbau einer Romanze

Der Film ist ein Paradebeispiel, wie ein romantischer Film, mit zwei Personen im Mittelpunkt, aufgebaut ist. Beide empfinden etwas für einander, gehen eine Verbindung ein, doch ein Problem (Krankheit, gesellschaftliche Akzeptanz, Entfernung) steht den Akteuren und ihrer Liebe im Weg bzw. erschwert diese.

In diesem Fall ist es nicht die Sonnenunverträglichkeit Katies ansich, sondern, dass sie diese Charlie vorerst verschweigt, um das junge Glück einfach nur zu genießen. Die Probleme und Entbehrungen, die diese Krankheit mit sich bringt, machen den Film auch zum Drama. Trotzdem wirkt dieses Grundproblem nicht wie eins, was den Film dramatisch macht. Ich will nicht bestreiten, dass kranke Personen nur ungern über die Krankheit sprechen, sei es aus Scham oder Verlustangst, doch schafft es der Film nicht, glaubhaft zu vermitteln, weshalb Katie ihrer großen Liebe Charlie, der verständnisvoll und ebenso verliebt ist, nicht erzählen kann, dass sie XP hat. Diese Problematik wirkt ein Stück weit (dem Drama zuliebe) erzwungen.

Was den Film, der auf dem gleichnamigen, japanischen aus dem jahr 2006 basiert, Tiefe gibt, ist die Vaterfigur Katies. Jack und seine Zerrissenheit sind die emotionalsten Momente des Films. Zum einen möchte er seine Tochter schützen, doch zerreißt es ihn, ihr alle Erlebnisse und Aktivitäten verbieten zu müssen. Auch wenn diese für jedes andere Kind selbstverständlich sind. Rob Riggles Figur ist der heimliche Star des Films.

Dagegen bleibt Patrick Schwazeneggers Charlie fast komplett farblos und im Gegensatz zu Bella Thorne weiß der Jungschauspieler nicht, mehr aus schwachen, teilweise extrem kitschigen Dialogen herauszuholen. Mit ihm ist der smarte, vernünftige Charlie fehlbesetzt und macht den Film schwächer.

Fazit

Midnight Sun ist eine durchschnittliche Drama-Romanze, dessen Aufhänger (die Krankheit für sich) sehr viel Potenzial lässt, doch dessen Grundproblematik (Katie erzählt Charlie nichts von der Krankheit) erzwungen wirkt. Die Nebencharaktere, allen voran Katies Vater, verleihen dem Film Tiefe und trösten ein wenig über die Fehlbesetzung des männlichen Protagonisten hinweg. Auch wenn Regisseur Scott Speers (Step Up: All In) Werk gegen Ende vor Kitsch und Postkartensprüchen trieft, unterhält er doch und mag Fans der Romanze und des Melodrams vollkommen zufriedenstellen.

Midnight Sun erhält von mir 3 von 5 Sternen.

KR

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