Der verblassende Rote Faden – Nach einer wahren Geschichte

Nach einer wahren Geschichte InfoRoman Polanskis neues Werk hat ein bekanntes, aber nicht uninteressantes Thema. Eine Autorin mit Schreibblockade, deren Leben ihr gerade dann entgleitet, wenn sie vermeintliche Hilfe annimmt. Warum Nach einer wahren Geschichte trotz toller Darsteller den roten Faden verliert, liegt weniger an der Geschichte, als mehr an der Umsetzung…

Engel und Teufel auf den Schultern

Nachdem die Autorin Delphine (Emmanuelle Seigner) mit großem Erfolg ein Buch veröffentlicht hat, sieht sie sich einer Schreibblockade ausgesetzt. Mehr noch, die Geschichte des Buches rund um den Suizid ihrer Mutter setzt den Nerven und dem Wohlbefinden der Autorin zu.

Dies ändert sich, als sie Elle (Eva Green) trifft. Elle ist Ghostwriterin, Fan des Buches und gefällt Delphine auf Anhieb. Die beiden lernen sich näher kennen und Elle greift der ausgebrannten Delphine bald unter die Arme. Doch spätestens als Elle eigenständig Nachrichten im Namen Delphines schreibt, muss diese sich klarwerden, wer diese Frau ist und wieviel Kontrolle über das eigene Leben die Autorin noch abgeben will…

Ungleichmäßige Entwicklung

Roman Polanski (Der Gott des Gemetzels, Der Ghostwriter) eröffnet mit seinem neuesten Film ein Kammerspiel, welches die Grenzen zwischen Realität und Fiktion, Hilfe und Abhängigkeit und Freund und Fein verschwimmen lässt bzw. verschwimmen lassen will.

Wie in den meisten Filmen, die sich auf nur wenige Figuren stützen, müssen diese gut gecastet sein, um den Film nicht von vorherein floppen zu lassen. Diese Hürde meistert der polnische Regisseur auch noch hervorragend. Mit Emmanuelle Seiner als verwirrte und labile Schriftstellerin und vor allem mit Eva Green als mysteriöse, undurchschaubare, vielleicht sogar gefährliche Elle sind die zwei starken, weiblichen Hauptfiguren perfekt besetzt.

Nach Einer Wahren Geschichte Plakat

Der Film scheitert an seiner „ungleichen Entwicklung“. Damit ist nicht nur das Genre und dessen Veränderung gemeint, sondern auch das sogenannte Pacing (dem Tempo eines Films). Während das Werk anfängt wie ein Drama, entwickelt es sich schnell zu einem Thriller und driftet gegen Ende sogar in den Bereich des Psycho-Thrillers mit einzelnen Horrorelementen ab. Das Ganze aber paradoxerweise ohne den Zuschauer durchgängig zu fesseln.

Schuld daran ist vor allem die Story und ihre Absehbarkeit. Dies wäre allerdings dann kein Problem, wenn es nicht auch am genannten Pacing hapern würde. Denn während der Film in der ersten halben Stunde schnell einleitet und zur Grundproblematik bzw. dem Hauptthema des Films kommt, verharrt er dort, bis er gegen Ende doch noch einmal ordentlich spannend wird. Allerdings ohne einen packenden Abschluss dafür zu finden.

Daran hat nicht zuletzt die durchschnittliche Regiearbeit Schuld. Diese unspektakulären Bilder werden nur zweimal durch eine First-Person-View (Sicht der Protagonistin) unterbrochen. Hinzu kommen zwei „Traumsequenzen“, wovon zumindest erstere vollkommen fehl am Platz wirkt. Da kann selbst die fein eingesetzte Musik Alexandre Desplats mit Streichern, tiefen Piano-Tönen und stimmigen Oboe-Einsätzen wenig ändern.

Fazit

Roman Polanskis Nach einer wahren Geschichte baut ein bekanntes, aber spannendes Grundszenario auf. Leider verschläft es der Film im zweiten Akt den Roten Faden, samt einheitlichem Tempo und passendem Genrewechsel festzuhalten und wirkt trotz guter Besetzung und passender Musik mit seinen 101 Minuten deutlich  zu lang und absolut nicht aus einem Guss…

Der Film bekommt von mir 1,5 von 5 Sternen.

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