Wenn die Plumpheit alles übertrifft – Nicht ohne Eltern

Nicht ohne Eltern Kritik InfoHäufig haben französische Filme – ganz besonders Komödien – den deutschen etwas voraus. Das ist das Feingefühl. Während es hierzulande augenscheinlich ausreicht die Figur eines bekannten Schauspielers im Hintern einer Kuh nach Drogen suchen zu lassen (siehe Hot Dog), ist der Humor bei unseren Nachbarn häufig zwischenmenschlicher, nahbaren, subtiler.

Umso überraschender ist, dass Nicht ohne Eltern kaum an Plumpheit zu übertreffen ist. Das mag vereinzelt für Lacher sorgen, ist aber vor allem auf handwerklicher Ebene eine Enttäuschung.

Eltern, ohne es zu wissen

Alain Prioux (Christian Clavier) und seine Frau Laurence (Catherine Frot) führen ein ruhiges, beschauliches, kinderloses Leben. Als Alain eines Tages der Einkauf von einem unverständlich murmelnden, Mitte 30-Jährigen geklaut wird, ist er nur verwundert. Als er und seine Frau aber eben diesen Mann in ihrem Haus wiederfinden, sind sie verängstigt. Was will dieser Fremde, der sich wie selbstverständlich aus dem Kühlschrank bedient und die Dusche benutzt?

Eben dieser Typ stellt sich den beiden als Patrick (Sébastien Thiery) vor und behauptet ihr Sohn zu sein. Anfangs ist das Ehepaar noch überzeugt, einem Betrüger gegenüber zu stehen, aber Patrick zeigt immer mehr Verbindungen zu den beiden auf.

Als Laurence den “verlorenen Sohn” in ihr Herz schließt und der taube Patrick plötzlich mit seiner blinden Freundin im Haus der Prioux einzieht, entschließt sich Alain zu handeln. Schließlich scheint er der einzig Vernünftige hier zu sein.

Wo will der Film hin?

Gerade französische Komödien werden auch gerne hierzulande ausgestrahlt und sind auch immer wieder als Geheimtipps gut. Ziemlich beste Freunde, Das Leben ist ein Fest und der Überraschungshit Monsieur Claude und seine Töchter sind dort die bekanntesten Beispiele der letzten Jahre. Kein Wunder also, dass Nicht ohne Eltern jetzt im Kino erscheint. Zumal es mit Christian Clavier (Monsieur Claude und seine) auch ein den Deutschen bekanntes Gesicht gibt.

Für die neue Kinokomödie von Regisseur Sébastien Thiery und Vincent Lobelle bedient man sich eines einfachen, nicht unbekannten Themas. Ein „verlorenes Kind“ kehrt im Erwachsenenalter zurück zu den Eltern, die sich unverhofft mit neuen Situationen konfrontiert sehen. Dass dies nicht nur Drama, sondern auch Komödie sein kann, liegt an dem kuriosen Aufeinanderprallen von Erwartungen, Vorstellungen und Überraschungen der Figuren.

Poster Nicht ohne ElternTrotzdem braucht ein Film, der sich altbekannten Themen annimmt, einen neuen Einschlag, um nicht langweilig zu wirken. Genau das fehlt dem im Original betitelten „Momo“ aber. Das hat zur Folge, dass nach 20 Minuten das Grundgerüst steht – Kind meint Eltern gefunden zu haben, „Mutter“ ist überzeugt“, „Vater“ ist skeptisch – dann aber nichts Neues passiert. Es ist schon fast eine Kunst mit einfachem Stoff keine 86 Minuten ordentlich gefüllt zu kriegen. Vielmehr hinterlässt der komplette zweite Akt (mittleres Drittel) die Frage beim Zuschauer, wo es eigentlich mit der Geschichte hingehen soll.

Plumpes Spiel mit plumpen Dialogen

Die Motivationen der Figuren sind immer wieder ein Schlüsselaspekt, wenn es um Tiefe, Glaubwürdigkeit und Interesse von und an Charakteren geht. Das gilt für eine Komödie genauso, wie für ein Drama. Eine Figur sollte nicht handeln, um die Handlung bewusst voranzubringen, sondern weil es die bisherige Handlung von der Figur verlangt. Nicht ohne Eltern missachtet das konsequent. Es mag für die Figur der Laurence Sinn machen, sich eher in eine Mutter-Sohn-Beziehung zu stürzen, weil ihr Kinderwunsch immer unerfüllt blieb. Es macht aber keinen Sinn, dass sie ihren Mann mit einem Schlüssel bedroht, weil dieser diese Beziehung in Frage stellt. Hier handelt sie nicht, weil es die bisherige Handlung von ihr verlangt, sondern weil dadurch künstlich Drama geschaffen wird.

Hinzu kommen plumpe Dialoge, die vereinzelten, subtilen Humor gleich wieder vergessen machen. Christian Claviers Alain, der plötzlich die Kontrolle über Haus und Hof verloren geht, der sich mit der Situation nicht nur überfordert sieht, sondern auch an der Zurechnungsfähigkeit seiner Frau zweifeilt, ist dabei nicht nur der am besten geschriebene, sondern auch am überzeugendsten gespielte Charakter. Sébastien Thiery, der nicht nur Patrick spielt, sondern eben auch Regie führte, schien sich dagegen nicht entscheiden zu können, wo er nun seine Zeit und Fähigkeit hineinsteckt. So sind sowohl Regie als auch Patrick als eigentliche Figur nichts Halbes und nichts Ganzes.

Fazit

Nicht ohne Eltern ist der gescheiterte Versuch einer Komödie über besondere Familiengefüge und Toleranz. Dabei wird weder auf die Motivationen der Charaktere, noch auf feine Dialoge geachtet. Ein von Christian Clavier nett gespielter Ehemann und „Vater“ und einige Lacher vermögen nicht über die Plumpheit des Gesamtwerks hinwegzutäuschen.

Der Film bekommt von mir 2 von 5 Sterne.

KR

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