Die Sache mit den Neuverfilmungen – Papillon

Papillon Kritik Info

Papillon – dieser Begriff dürfte und müsste eigentlich jedem Filmfan ein Begriff sein. Die Geschichte um Louis Dega und seinen Freund Papillon ist inzwischen so etwas wie die Mutter der Gefängnisfilme geworden. Im Original mit Steve McQueen und Dustin Hoffman starbesetzt, konnte der Film weltweit Erfolge feiern. Genau diese Geschichte wurde nun neu verfilmt und läuft jetzt in den deutschen Kinos. Doch es stellt sich die gleiche Frage, wie bei so vielen anderen Neuverfilmungen auch. Braucht es eine und viel wichtiger, kann sie die dem Original treu bleiben und somit hohen Erwartungen gerecht werden?

Zu unrecht hinter Gittern…

Der Kleinkriminelle Henri „Papillon“ Charrière (Charlie Hunnam) wird beschuldigt einen Mord begangen zu haben. Dass er zum Tatzeitpunkt ein Alibi hat, ist den Behörden jedoch egal und er wird im Jahr 1930 unschuldig zu lebenslanger Haft verurteilt.

Diese soll der Franzose in der berüchtigten Strafkolonie Saint Lauren in Französisch-Guayana absitzen. Das natürliche Gefängnis – umgebene von Ozean und Dschungel – ist bekannt für die widrigen Umstände, das sengende Klima, die korrupten Wärter und die erbarmungslosen Mithäftlinge.

Auf dem Weg zur Insel macht Papillon Bekanntschaft mit dem reichen Fälscher Louis Dega (Rami Malek). Dieser wurde ebenfalls zu vielen Jahren Haft verurteilt. Ihm ist es allerdings gelungen, große Mengen Geld in die Strafkolonie zu schmuggeln. Dieses Geld ist Voraussetzung, um überhaupt einen Fluchtversuch wagen zu können.

Papillon freundet sich mit dem schwachen Dega an, um im Gegenzug für dessen finanzielle Unterstützung, diesen vor Übergriffen im Gefängnis zu beschützen. Die beiden wissen noch nicht, welch eine Odyssee an Fluchtversuchen und physischen und psychischen Belastungen ihnen bevorsteht…

Warum eine Neuverfilmung?

Diese Frage ist eine ganz grundlegende. Ihre Antwort könnte hierbei genauso für die Fragen zählen, warum es gefühlt nur noch Fortsetzungen oder Roman-, Serien-, Spielzeug- oder sonstige Verfilmungen bekannter Stoffe gibt. Die einfache Antwort lautet auch hier: Geld.

Nur die wenigsten gehen häufig ins Kino. Umso wichtiger ist ihnen, dass sie nicht enttäuscht werden. Deshalb geht die breite Masse auf “Nummer Sicher” und verlässt sich auf Bekanntes. Bei einer Fortsetzung weiß man um den Stil eines Films, bevor man ihn schaut. Und genauso ist das bei Neuverfilmungen und Adaptionen. Man kann zwar nicht vollends positiv überrascht werden (was die Story angeht), aber viel wichtiger, auch nicht negativ. Das hat zur Folge, dass Bekanntes über die Leinwand läuft.

Papillon Poster

Die Aufgabe einer solchen Neuverfilmung ist, dass das Original übertroffen wird oder zumindest einen neuen Zusatz erhält. Doch so einfach wie das klingen mag, ist es natürlich oftmals nicht, denn die Erwartungen sind hoch. Hinzu kommt, dass sogenannte “Klassiker” häufig in der eigenen Erinnerung des Zuschauers glorifiziert werden. Hier trifft der alte, abgedroschene Spruch “Früher war alles besser!” wohl zumindest teilweise zu.

Auf die Schauspieler kommt es an

Vor allem bei Dramen und den Entwicklungen von Figuren kommt es auf die Darsteller an. Charlie Hunnam (King Arthur: Legend Of The Sword) entpuppt sich erneut als Überraschung. Vor allem seine psychische Veränderung während der Jahre im Gefängnis spielt der Brite glaubhaft auf die Leinwand. Neben ihm spielt auch Rami Malek die Figur des Louis Dega wirklich gut. Er wird es auch sein, den man demnächst im Freddy Mercurys Biopic Bohemian Rapsody sehen wird.

Besonders beide Schauspieler im Duo tragen den Film und die Männerfreundschaft unter widrigsten Umständen ist die Kernessenz des Dramas.

Die große Schwäche ist allerdings die Darstellung der Umstände. Im direkten Vergleich zum Original wirkt weder die Hitze noch so sengend, noch der Dschungel so gefährlich. Ganz unabhängig vom Original sieht die Neuverfilmung von Regisseur Michael Noer (Nordvest – Der Nordwesten) einfach zu gut aus. Die Farben wirken zu schön, die Landschaft zu malerisch, die gesamte Umgebung zu klischeehaft. Paradoxerweise wirkt die Inszenierung des Dänen zu hollywoodtypisch.

Überlänge vs. Schnittlänge

Papillon soll die Odyssee zweier Gefangener auf der Suche nach Freiheit sein. Auch ohne das Werk der “Odyssee” von Homer gelesen zu haben, ist bekannt, dass sich eine solche durch ihre Sinnlosigkeit und eigentliche Ziellosigkeit auszeichnet. Hier kommt der große Drahtseilakt des Streifens zum Vorschein. Er muss es schaffen, diese Aussichtslosigkeit der Situation von Papillon und Louis Dega zu zeigen, ohne dabei selbst ziellos zu wirken. Und genau das schafft der Film nicht.

Gerade in der zweiten Hälfte wirkt das Hin und Her zwischen Fluchtversuch und erneuter Gefangennahme fast monoton und man fragt sich, welches genaue Ziel Noer verfolgt. Die Isolation der Figuren springt auf die Zuschauerschaft über, ohne eine bedingungslose Identifikation auszulösen. Folge: der Film wirkt zu lang.

Genau an dieser Stelle möchte ich eine zweite paradoxe These treffen: Der Film ist in der Originalfassung ca. 15 Minuten länger und wurde vom deutschen Verleih gekürzt. Ich glaube, wäre der deutsche Film um diese 15 Minuten länger gewesen, hätte er kürzer wirken können. Ich bin mir sicher, dass, sollte diese herausgeschnittene Viertelstunde in eine komplexere Charakterbeschreibung oder Umstandsbeschreibung geflossen sein, man sprichwörtlich noch mehr in die Geschichte gesogen worden wäre.

Fazit

Papillon hat sich als Neuverfilmung bereits vorab einen großen Feind geschaffen. Trotz toller Darsteller schafft es das Drama nicht, die beklemmende Stimmung des Originals erneut zu zeigen und/oder dem Streifen einen neuen interessanten Kniff zu geben. Der Film wirkt zu glatt, sodass er trotz gekürzter Fassung zu lang wirkt und zwischen vielen hollywoodtypischen Filmen über Gefängnisausbrüche untergeht.

Michael Noers Papillon bekommt von mir 3 von 5 Sterne.

KR

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