Der richtige Regisseur für den falschen Film? – Predator: Upgrade

Predator: Upgrade Kritik Info

Mit Predator: Upgrade läuft der inzwischen sechste Teil des Filmuniversums um die außerirdischen Killermaschinen in den deutschen Kinos. Das einzig Erwähnenswerte war im Vorfeld die Wahl des Regisseurs. Er ist es, der dem Action-Science-Fiction Streifen einen ganz eigenen Anstrich gibt. Trotzdem stimmt es irgendwie hinten und vorne nicht, oder zynisch gesagt: Shane Black ist der richtige Regisseur für den falschen Film.

Sei bereit für die ultimative Jagd

Eine Mission des Snipersoldaten Quinn McKenna (Boyd Holbrook) wird zum tödlichen Risiko, als das Raumschiff eines Predators abstürzt. Ein Vertreter der Alienrasse ist zurück. Dieses Mal stärker, schneller und noch tödlicher als je zuvor. So ist es kein Wunder, dass ein kurzzeitig gefangen genommener Predator aus einer Forschungsstation ausbricht und nun zur internationalen Gefahr wird.

Ganz besonders McKennas Familie ist davon bedroht. Der Soldat entwendete bei seiner ersten Begegnung mit dem Jäger einige Ausrüstungsteile und schickte diese zur sicheren Verwahrung an seinen kleinen Sohn (Jacob Tremblay). Dieser gerät nun unfreiwillig in das Visier des Außerirdischen und es liegt an McKenna, einigen weiteren in Ungnade gefallenen Soldaten und der Wissenschaftlerin Casey Bracket (Olivia Munn) das Monster zu töten.

Ein weiterer Teil – Was gibt’s Neues?

Der im Original mit “The Predator” betitelte Streifen ist der bereits sechste, der sich um die extraterrestrischen Jäger dreht. Wie jede weitere x-te Fortsetzung steht auch diese vor einer großen Herausforderung. Es muss etwas Neues gezeigt werden. Seien es neue, interessante Figuren, eine neue Hintergrundgeschichte, neue visuelle Besonderheiten oder in diesem Fall eine neue Art den Predator stilistisch zu inszenieren. Sonst wird es langweilig. Der Zuschauer meint sonst, bereits alles irgendwie zu kennen bzw. gesehen zu haben. Wichtig dabei, der “bekannte Spirit” muss dabei aufrechterhalten werden.

Mit Shane Black als Regisseur hat man dafür auch eigentlich eine ganz gute Wahl getroffen. Der Amerikaner (Lethal Weapon, Kiss Kiss Bang Bang, The Nice Guys) ist für seinen ganz eigenen Stil bekannt. Der Humor und die Inszenierung von sozialen Gruppen machen den Regisseur besonders. Gerade das Aufeinanderprallen verschiedener Charaktere, deren Wortgefechte und die daraus resultierenden humoristischen Szenerien haben ihren ganz eigenen Reiz.

Warum das auch in Ansätzen bei Predator: Upgrade zu sehen ist, es schlussendlich aber völlig egal ist, liegt vor allem an den Figuren.

Auch Actionstreifen brauche gut geschriebene Figuren!

Die Figuren und deren Motivationen und Charakterentwicklungen. Gerade bei Actionfilmen ein interessanter Aspekt. Meiner Ansicht nach ist die Charakterentwicklung von Figuren bei Dramen oftmals zwar wichtiger als bei Actionfilmen, ganz ohne kommen letztere aber auch nicht aus. Figuren ohne nachvollziehbare Motivationen sind dem Zuschauer egal. Mit Figuren, die dem Zuschauer egal sind, fiebert man nicht mit. Fiebert man nicht mit, verliert auch die Action als Gefahr für Leib und Leben der Figuren an Bedeutung.

Poster Predator: Upgrade

Eigentlich ganz einfach. Genau das ist es aber, woran Shane Black scheitert. Neben dem Regieposten hat der 56-Jährige nämlich auch noch einen der Autorenjobs inne. Seine Handschrift erkennt man zwar, aber im Gegensatz zu The Nice Guys sind einem die Figuren schlichtweg egal. Von der Biologin bis zum Soldaten, die Charaktere bleiben farblos.

Das mag auch an der mäßigen schauspielerischen Leistung liegen. Einzig allein der junge Jacob Tremblay (RaumWunder) liefert hier solide ab. Der Rest schreit, wimmert und raunt sich so über die Laufzeit hinweg.

Kein echter “Predator”-Film

Hinzu kommt, dass sich das Gefühl eines “Predator”-Films nie richtig einstellen will. Wer bei Wikipedia den ersten Absatz des Originals von 1987 durchliest, wird auf folgende Aussage stoßen:

“Der Actionfilm kombiniert Elemente des Horror-, Science-Fiction- und Kriegsfilms.”

Genau das machte das Original auch so besonders. Nach den Horrorelementen kann man im neuesten Teil aber lange suchen. Bereits nach 5 Minuten hat man alles gesehen, was der Predator kann, wie er aussieht und wie man ihn zur Strecke bringen könnte. Somit ist nach 5 Minuten jegliche Spannung dahin. Die Horrorelemente wurden in diesem Film durch Komödiantisches ersetzt. Das mag zwar ganz nett sein und der ein oder andere Schlagabtausch ist auch unterhaltsam, es entschärft aber die drohende Gefahr und den Ernst der Lage nochmal mehr.

Shane Black wäre mit Sicherheit der richtige Regisseur für einen lustigen Action-Sci-Fi-Streifen gewesen, aber für seine eigentlich erfrischende Art ist Predator: Upgrade schlicht der falsche Film. Paradoxerweise liefert Predator: Upgrade zu viel Neues, sodass nichts Altes mehr vorhanden ist. Hier ist man über das Ziel hinausgeschossen.

Zugegeben, oberflächlich unterhält der Film. Es ist schon ganz lustig, wie sich der Jäger blutig durch die Menschen hindurchschnetzelt. Mehr sollte man aber auch nicht erwarten – einfache, bereits oft gesehene Action mit Science-Fiction-Hintergrund flackert hier über die Leinwand.

Fazit

Shane Blacks Handschrift ist im gesamten Werk zu sehen. Doch durch das Fehlen von Charakterhintergründen, Horrorelementen und schauspielerischer Klasse wirkt der Streifen nicht wie ein Teil der “Predator”-Reihe. Vielleicht ist bis auf die unterhaltsame, stilisierte Brutalität der außerirdischen Killer aber auch einfach alles schon erzählt.

Predator: Upgrade bekommt von mir 2,5 von 5 Sterne.

KR

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