Wie eine Neuverfilmung scheitert – Robin Hood

Robin Hood Kritik InfoMan möchte fast sagen: “Ein weiteres Jahr, eine weitere “Robin Hood”-Verfilmung.” Das ist auch gar nicht so weit hergeholt. Alleine in den letzten zehn Jahren drehten sich gleich fünf Serien und Filme um den Helden des Sherwood Forest. Diese Fülle an Angeboten muss eine Neuverfilmung nicht gleich zum Scheitern verurteilen. Die aktuelle Neuverfilmung mit Taron Egerton zeigt allerdings, woran eine solche scheitern kann…

Die Entstehung von “The Hood”

Der Adelige Robin von Locksley (Taron Egerton) und seine geliebte Marian (Eve Hewson) führen ein glückliches Leben. Das ändert sich allerdings, als Robin für die Kreuzzüge nach Arabien einberufen wird.

Nach Jahren des Krieges kehrt er in die Heimat zurück und muss feststellen, dass sein vorheriges Leben in Trümmern liegt. Sein Haus liegt wortwörtlich in Letzteren und Marian glaubt, ihr früherer Partner sei tot. Zudem ist England unter dem Joch der Kirche von Intrigen, Ungerechtigkeit und Korruption gezeichnet.

Robin verbündet sich mit dem arabischen Kämpfer Little John (Jamie Foxx) und beginnt ein Doppelleben. Während er nachts als der schon bald berüchtigte “The Hood” das Geld der Reichen klaut und den Armen gibt, spielt er tagsüber Robin von Locksley. Auf diesem Wege will er die Gunst des grausamen Sheriffs von Nottingham (Ben Mendelsohn) gewinnen. Ein riskanter Plan, denn dieser wird bald die Jagd auf “The Hood” eröffnen…

Ziel: Action-Abenteuer

Action-Abenteuer vor historischer Kulisse – das scheint in den letzten Jahren Trend geworden zu sein. Das klappt mal gut wie bei Guy Ritchies King Arthur: Legend Of The Sword (2017), mal mäßig wie in Assassin’s Creed (2016) und manchmal ist es einfach nur zum Kopfschütteln wie in Ben-Hur (2016). Doch trotz dieser zum Teil mäßigen Erfolge werden Streifen weiterhin auf die breite FSK-12 Zielgruppe getrimmt. Diesen Weg schlägt jetzt auch Robin Hood ein. Die Zutaten dazu sind auch relativ schnell zusammen: ein junger, charismatischer Protagonist, ein bekannter Sidekick, ein durchschnittlich ausgearbeiteter Antagonist und viel “stylische” Action.

Letztere könnte auch jenes Mittel sein, welches den neuesten Film von den unzähligen Vorgängern abheben könnte. Neben der romantisierten Disney-Version von 1973, dem am weitesten verbreiteten Robin Hood – König der Diebe (1991) und der düsteren, dreckigen Version von Ridley Scott aus 2010 würde sich ein Popcornkino-Action-Streifen ganz gut einreihen.

Ohne Ecke und Kanten

Regisseur von der 2019er Version von “Robin Hood” ist Otto Bathurst. Dieser führte bislang bei Serien Regie und ist neben Peaky Blinders – Gangs Of Birmingham (2013 – heute) vor allem für Black Mirror (2011 – heute) bekannt. Ein Serienregisseur: das muss eigentlich kein Hindernis sein, doch wirkt es immer wieder so, als sei der Brite mit der Dimension (vielleicht aber auch nur mit der anderen Arbeitsweise) dieses Films überfordert gewesen.

Besonders fällt das in den Actionszenen auf. Jene Actionszenen, die das Aushängeschild dieser Neuinszenierung sein müssten, funktionieren fast nie. Schuld daran ist neben der durchschnittlichen Regieleistung die angestrebte Tonalität des Films. Denn von vornherein ist klar, Robin Hood ist für das jugendliche Publikum und muss daher eine FSK-12 bzw. ein MPAA Rating: PG-13 erhalten. 

Ich will gar nicht sagen, dass ein Film über einen unerkannten Helden mit Pfeil und Bogen brutal und blutig sein muss, doch Otto Brathurst schlägt hier den sichersten und damit langweiligsten Weg ein, die Action zu inszenieren.

Jegliche Action – seien es einschlagende Pfeile oder explodierende Ölfässer – muss der Jugendfreundlichkeit zu Liebe abgeschwächt werden. Und wie macht man das am einfachsten? Man lässt sie in einem Schnittgewitter verschwinden. Das hat zur Folge, dass das eigentliche Merkmal des Films schlussendlich nicht mehr wirkt. Es ist langweilig inszenierte und hinter CGI versteckte 08/15-Action.

Wo sind die 100 Millionen US-Dollar?

Poster Robin HoodAll das könnte man irgendwie verkraften, wenn sonst alles bei diesem Action-Abenteuer stimmen würde. Leider ist das Gegenteil der Fall Zugegeben, ich sehe Taron Egerton (Kingsman: The Secret Service) wirklich gerne, doch obwohl man ihm die Freude oder auch sein “Schlitzohr-Dasein” abnimmt, bleibt der Hauptcharakter – wie auch alle anderen Figuren – blass. Das fängt bei dem bizarren Jamie Foxx als Little John an und hört bei dem Sheriff von Nottingham auf.

Der von Ben Mendelsohn ( Rogue One: A Star Wars Story, Ready Player One) gespielte Bösewicht ist eine besondere Enttäuschung. Selbst ohne den Vergleich zum herausragenden Alan Rickman der 1991 Verfilmung zu ziehen, ist seine Figur nicht mehr als die Anhäufung von Gegenspieler-Klischees.

Diese unterdurchschnittlichen Merkmale ziehen sich durch alle Aspekte des Streifens. Den Anfang macht die Musik, die sich irgendwo zwischen Überbetonung der Situation und absolutem Durchschnittsgedudel einpendelt. Weiter geht es mit Greenscreen-Effekten und dem allgemeinen Einsatz von CGI, die allesamt auf dem Stand von 2014 stehengeblieben zu sein scheinen.

Die Krone der Negativität setzen sich aber die Dialoge auf. Diese wirken laienhaft, überdramatisiert und tappen in gleiche Fallen, wie mittelmäßige Studentenkurzfilme. Da ist eine Figur nicht erbost und verlässt wütend den Raum. Zuerst muss sie noch dreimal mitteilen, wie wütend sie nun wirklich ist, nur um das dann umzusetzen, was sie Sekunden zuvor mit “Ich gehe jetzt!” angekündigt hat. Diese schlechten Dialoge ziehen sich durch die ganze Geschichte, sorgen für Kopfschüttelmomente und lassen den Figuren keine andere Wahl als blass auszusehen.

Ich werde den Eindruck einfach nicht los, dass entweder viel zu hoch gepokert wurde oder schlicht zu wenig Geld vorhanden war. Das ist nicht zuletzt deshalb interessant, weil kein geringerer als Leonardo DiCaprio als Produzent fungierte.

Fazit

Robin Hood ist der gescheiterte Versuch, einer bekannten Story einen neuen Schliff zu geben, um das Ganze dann gewinnbringend an Jugendliche zu vermarkten. Neben guten Dialogen, gut inszenierter Action und besser geschriebenen Figuren fehlt dem Action-Abenteuer vor allem die Seele – und das merkt man als Zuschauer.

Nichts desto trotz wird die Zielgruppe der 10 bis 16 Jährigen zeitweise ihren Spaß haben, sodass Otto Brathursts Streifen von mir noch 1,5 von 5 Sterne erhält.

KR

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