Unterleibsfixierte Peinlichkeit – Safari – Match Me If You Can

Safari Match Me If You Can Kritik Info

Safari – Match Me If You Can ist ein ganz besonderer Film. Im Zentrum steht nicht etwa ein Mensch oder eine menschliche Beziehung, sondern eine fiktive Datingapp. Mit ihr als Aufhänger versucht die deutsche Komödie viele emotionale Schicksale zu vereinen und allen Vorlieben eine Daseinsberechtigung zu erteilen.

Mit der Datingsapp zum One-Night-Stand…

…genau das verspricht die allseits beliebte App “Safari”. Mit ihrer Hilfe sind Großstädter verschiedenen Alters auf der Suche nach unkompliziertem, unverbindlichem Sex. Unter ihnen auch der verheiratete Harry (Justus von Dohnányi), der sich als Pilot ausgibt, um Social-Media-Sternchen Lara (Elisa Schlott) ins Bett zu kriegen. Die 50-jährige Mona, die seit Jahren Single ist, lernt über die App, derweil David (Max Mauff) kennen und verhilft diesem seine Jungfräulichkeit zu verlieren. Dessen Therapeutin ist wiederum die betrogene Frau von Harry.

Doch nicht nur die Leben dieser verändert die App grundlegend. Auch die Fanny (Friederike Kempter), die sich eine Familie wünscht, der Schürzenjäger Arif (Patrick Abozen), der alleinerziehende Vater Life (Sebastian Bezzel) und viele weitere oft exzentrische Figuren tummeln sich auf dem virtuellen Marktplatz der schnellen Nummer gegen Kummer.

Spätestens als die Geschichten der einzelnen immer wieder auf die Situationen der anderen treffen, wird die Situation unübersichtlich. Nun ist an jedem eigene Vorstellung, Moral und Ansprüche zu hinterfragen.

Am Reißbrett entworfen

Das Ziel, welches Safari – Match Me If You Can verfolgt, ist von vornherein klar. Ein Aufhänger sorgt dafür, dass viele Handlungsstränge nebeneinander her laufen, bis diese schließlich miteinander korrelieren und überschneiden. Damit folgt der Streifen dem gleichen Muster, wie man es beispielsweise aus Männerherzen (2009) kennt. Zum thematischen Zentrum werden hier dann doch die zwischenmenschlichen, sich ständig ändernden Beziehungen und die daraus resultieren Entwicklung der Charaktere.

Poster Safari - Match Me If You CanDas erste große Problem wird schon beim groben Überfliegen der Handlung klar. Die Charaktere sind am Reißbrett entworfen und könnten oberflächlicher kaum geschrieben sein. Die Eingebildete, die Frustrierte, der Unsichere und so weiter und so fort. Diese Oberflächlichkeit ist vor allem der Erzählstruktur geschuldet. Bei den vielen Handlungssträngen blieb letztendlich wohl keine Zeit, einzelne Figuren näher zu beleuchten. Das  hat zur Folge, dass ausnahmslos jede Figur dem Zuschauer völlig egal ist. Genau hier greift schon die Intention der Komödie nicht mehr. Die Veränderung der Charaktere ist völlig irrelevant, wenn einen die Figuren überhaupt nicht interessieren.

Leider nicht wie bei Stromberg

Noch schlimmer als die Charaktere sind die Dialoge. Rudi Gaul drehte nicht nur Regie, er schrieb zudem das Drehbuch. Mir ist es schleierhaft, wie ein ganzes Drehbuch, vollgepackt mit Dialogen entstehen kann, und am Ende kein einziger Satz in dieser Form jemals im normalen Leben gesagt werden würde. So schwach, wie die Figuren geschrieben sind, so sind es auch die Dialoge.

Schlimmer noch: nicht nur das Bisschen, was an Story für diese 109 Minuten herhalten muss, kommt nicht beim Zuschauer an, dieser schämt sich auch noch ob der Plumpheit der Gespräche. Während zum Beispiel die Serie Stromberg eine gewisse Portion an Fremdscham zu nutzen weiß, um die Situation in lustiger Weise ad absurdum zu führen, schafft es dieser Film nur, den Zuschauer in ständiges Kopfschütteln zu versetzen.

Dass bei all dem Kopfschütteln, Fremdschämen und Hände-vor-den-Kopf-Schlagen keine Zeit mehr bleibt, um zu lachen, ist klar – und selbst wenn…

Fazit

Safari – Match Me If You Can ist einfach nur peinlich. Von Figuren über Dialoge bis hin zu schauspielerischen Leistungen ist der Film ein Totalausfall. Bezeichnend ist am Ende vielleicht am ehesten, dass der Film ab 12 Jahren freigegeben ist und die Zuschauer, die der Film unterhalten wird, auch maximal 12 sein werden. Das liegt nicht zuletzt an der Unterleibsfixierung in jeder einzelnen Minute des Films.

Weil wenigstens noch die Ton- und Filmaufnahmen irgendwie stimmen, bekommt diese “”Komödie”” noch 0,5 von 5 Sterne.

KR

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