Nach allen Regeln des Kommerz – Skyscraper

Skyscraper Info KritikSkyscraper wirkt wie eine bunte Mischung aus Rampage: Big Meets Bigger, Stirb Langsam, San Andreas und John Wick: Kapitel 2. Überraschend ist bei dem Actionstreifen mit Dwayne “The Rock” Johnson aber vor allem, wie wenig der Film überrascht.

Einer gegen alle – für die Familie

Nachdem der ehemalige FBI-Agent Will Sawyer (Dwayne Johnson) bei einer missglückten Mission sein linkes Bein verlor, ist er nun als Sicherheitsberater selbstständig. Sein bislang größter Auftrag verschlägt ihn und seine Familie nach Hong Kong. Dort berät er den Bau des weltweit größten Wolkenkratzers “The Pearl”. Kurz vor dessen Fertigstellung dringen allerdings Terroristen in das Gebäude mit über 200 Stockwerken ein.

Diese legen auf Etage 96 ein Feuer. Als das ausbricht ist Sawyer nicht im Gebäude – dafür aber seine Frau samt der beiden Kinder. Der Muskelprotz mit Beinprothese macht sich auf, seine Familie zu retten, koste es, was es wolle. Doch der Familienvater ahnt noch nicht, was die Absichten der terroristischen Gruppe rund um deren Anführer (Roland Møller) sind.

Ein Kampf einer gegen alle, aber vor allem einer gegen das tödliche Feuer, beginnt.

Mischung aus Altbekanntem

Regisseur und Drehbuchautor Rawson Marshall Thurber (Central IntelligenceVoll auf die Nüsse) inszeniert hier nichts Unbekanntes. Der alleinige Held gegen eine kriminelle Gruppierung in einem riesigen Gebäude. Das klingt nicht nur verdächtig nach Stirb langsam (1988), es ist genau das. Hinzu kommt eine Prise Rampage: Big Meets Bigger und San Andreas und schon hat man einen weiteren Actionfilm. Auch das Spiel mit Spiegeln und der daraus resultierenden Verwirrung der Charaktere ist nichts Neues. Bestes Beispiel hierfür ist John Wick: Kapitel 2 (2017).

So verhärtet sich der Eindruck bereits im ersten Drittel, dass man nichts mehr sehen wird, was einen ansatzweise überraschen könnte. Schuld daran ist das sogenannte “Foreshadowing”. Hierbei wird bereits vorab ein Tipp bzw. ein Hinweis gegeben, wohin sich die Story fortan entwickeln könnte. Dieses Stilmittel kann hervorragend benutzt werden, um mit den Erwartungen eines Zuschauers zu spielen. Wie man damit nicht umgehen sollte, und zwar indem man vorab bereits alles so klar andeutet, dass keinerlei Überraschung eintreten kann, zeigt Skyscraper leider bilderbuchmäßig.

Den Zuschauer überrascht somit auch nicht, wie dünn alle Charaktere geschrieben sind, wie oberflächlich Dialoge und Motivationen sind und wie schwach die Action eigentlich ist. Was die komödiantischen Aspekte in Central Intelligence (2016) noch verschleiern konnten, wird jetzt erst richtig klar. Regisseur Marshall Thurber hat keinerlei Erfahrung mit der Inszenierung von Action. Fast noch enttäuschender ist aber, dass bei dem Drehbuchschreiber, der aus der Sparte der Komödien kommt, auch die One-Liner und Gags kaum zünden.

Skyscraper PosterHervorragend kommerzialisiert

Filme sind Werke, die Geld einspielen sollen und müssen, etwas andere zu glauben, wäre naiv. Mit welcher Abgebrühtheit dieser Actionfilm aber das einzige Augenmerk auf den kommerziellen Erfolg des Streifens setzt, ist nur selten zu sehen. Das fängt bei den völlig irrelevanten Nebenfiguren und deren Besetzung an. Der komplette Fokus muss augenscheinlich auf “The Rock” liegen. Hinzu kommt die Beinprothese, die die Story in keinster Weise beeinflusst. Sie dient lediglich als Mittel, um eine vermeintliche Message loszuwerden – “du kannst alles schaffen, auch mit Handicap – bla bla bla”). Zudem fällt die Eröffnungssequenz, die den Vorfall des FBI-Agenten, bei dem er sein Bein verlor, komplett aus dem restlichen Film heraus und dient einzig allein dazu, einen Rahmen um die Handlung zu spannen.

In dieser langen Reihe der Kommerzialisierung findet sich schließlich auch die Zielgruppe wieder. An dieser Stelle füge ich einfach mal einen Absatz aus meiner Kritik zu Pacific Rim 2: Uprising ein: 

Dass ein Film immer finanziell erfolgreich sein will, das ist ebenso wenig verwerflich, wie das Casten bekannter ausländischer Schauspieler/innen (im Gegenteil!), aber beides als Zuschauer problemlos in Verbindung setzen zu können, sollte vermieden werden.

Passt auch hier, wie angegossen. China ist weltweit einer der bedeutensten Absatzmärkte der Filmwirtschaft. Also wird einfach die Handlung in dieses Land verlegt und einige irrelevante Nebenrollen mit einheimischen Schauspielern besetzt. Et voilà, die Zielgruppe stürmt ins Kino.

Und so wird dem Zuschauer schnell klar: Hinter diesem Film steckt weder ein Herzensprojekt, noch die Liebe zu Detail. Es ist ein weiterer 08/15 Action-Blockbuster, bei dem einzig der Sound das Gefühl entfacht, man würde gerade ein “Highlight” erleben.

Fazit

Skyscraper ist genauso herzlos wie ideenlos. Wahllos wird sich hier an Bekanntem bedient, ohne etwas Eigenes beizusteuern. Dwayne Johnson bleibt einem im Zentrum der mittelmäßigen Action-Szenen egal und es wird schnell klar, das hier ist nur ein weiterer auf Masse produzierter Kommerzstreifen.

Der Film bekommt von mir 1,5 von 5 Sterne.

KR

 

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