Auf den Schultern des Antagonisten – Sonic The Hedgehog

Sonic Info KritikWas war das für ein frustrierter Aufschrei als im April des letzten Jahres der erste Trailer zur Verfilmung von Sonic veröffentlicht wurde. Sah dieser doch gar nicht aus wie die allseits beliebte Videospielfigur. Obwohl dieses Echauffieren alles andere als sachlich erfolgte, war die Reaktion seitens des Studios Paramount Pictures vorbildlich. Es erfolgte eine umfangreiche Überarbeitung der animierten Figur, der Starttermin wurde verschoben, den Wünschen der Fans nachgekommen.

Dies ist alles andere als gewöhnlich, kostet eine solche Bearbeitung und die Verlegung eines Starttermins ja Unmengen an Geld. Doch hat sich das Ganze gelohnt? Seit dieser Woche läuft Sonic The Hedgehog mit Julien Bam als Sprecher in den deutschen Kinos. Der Star des Films ist allerdings ein ganz anderer…

Blauer Igel auf blauem Planeten

Nachdem auf er auf seinem Heimatplaneten nicht mehr sicher ist, flüchtet sich Sonic (Originalsprecher: Ben Schwartz; deutsche Synchronstimme: Julien Bam) mit Hilfe goldener Ringe, die als Portal dienen, auf den entfernten Planeten Erde. Hier hält er sich zwar versteckt, doch ist ohne richtige Freunde sehr einsam. Als der blaue Igel auch noch für einen landesweiten Stromausfall sorgt, ist die US-Regierung hinter ihm her. Ganz besonders Dr. Robotnik (Jim Carrey) macht Jagd auf Sonic, der nicht nur blau ist, Portal-Ringe besitzt, sondern auch extrem schnell rennen kann.

Der Igel wendet sich in seiner Not an den Kleinstadt-Polizisten Tom (James Marsden), den er aus der Ferne bisher beobachtet hatte. Dieser ist zwar überrascht und skeptisch, entschließt sich aber, seiner Pflicht als Polizist nachzukommen, dem kleinen blauen Stachelball zu helfen und Dr. Robotnik aufzuhalten.

Das klassische Familienabenteuer

Wo Familienabenteuer draufsteht ist auch Familienabenteuer drin. Das könnte schon fast die gesamte Zusammenfassung des Streifens sein, denn Sonic The Hedgehog hält sich so streng an den Aufbau von Familienabenteuern, dass es schwer ist, dort überhaupt etwas Einzigartiges zu finden. Protagonist wird von Antagonist verfolgt – Protagonist muss ungewöhnliche Freundschaft schließen – Showdown. So ist jeder zweite Film des Genres aufgebaut.

Fairerweise muss man sagen: das funktioniert die meiste Zeit recht gut. Die Story mag nicht überraschen, doch gepaart mit einigem an Humor und einigen klassischen Motiven von Freundschaft, Vertrauen und Heimat bleibt das ganze über 99 Minuten recht kurzweilig. Die handwerkliche Inszenierung von Regisseur Jeff Fowler (Wo die wilden Kerle wohnen, 2009) ist hingegen unauffällig

Eben diese Motive funktionieren, da die visuelle Überarbeitung Sonics absolut funktioniert. Im Gegensatz zum ersten Trailer gewinnt der aufgedrehte Sonic durch einen gewissen “Niedlichkeits-Faktor” an Sympathien. Zudem macht Julien Bam als ungeübter Synchronsprecher seinen Job gut. Es lässt sich eine klare Verbesserung zum ersten deutschen Trailer erkennen, auch wenn erfahrenere Kinogänger feststellen werden, dass man die fehlende Routine an manchen Stellen noch heraushört.

Der eigentliche Star des FilmsSonic The Hedgehog Poster

Diese positiven Punkte würden den Film aber noch nicht von der riesigen Masse an Familienfilmen abheben, wenn es da nicht Jim Carrey geben würde. Der Schauspieler ist nicht der “heimliche” Star des Films, er ist ganz klar der Star des Films. In der verrückten und übertriebenen Darstellung des Dr. Robotnik hat man dem 58-Jährigen anscheinend freie Hand gelassen. Denn dieser führt hier fast ein kleines Best-Of seiner ikonischen Rollen auf. Von der Maske bis hin zu Ace Ventura ist alles dabei. Zudem ist er als Antagonist auch für die Witze verantwortlich, welche auf das erwachsenere Publikum abzielen. Hier fällt der ein oder andere Satz, den das Kind vielleicht nicht versteht, aber ein Schmunzeln bei Mama und Papa auslösen dürfte.

Somit sind die Szenen des Dr. Robotnik die Höhepunkte des Films. Besonders schlimm trifft es dabei aber James Marsden (X-Men: Zukunft ist Vergangenheit, 2014; Westworld, seit 2016). Er geht nicht nur gänzlich hinter Robotnik und Sonic unter, seine Figur Tom hat es gerade im ersten Akt schwer, die Sympathien für sich zu gewinnen.

Es ist bezeichnend für die Ideenlosigkeit der Inszenierung, dass in Sonics Film gar nicht Sonic selbst die Besonderheit ist, sondern Jim Carreys Bösewicht. Bei einem Solofilm, der den Namen des Protagonisten bereits im Titel trägt, sollte das Abenteuer nicht zur One-Man-Show des Antagonisten werden.

Fazit

Sonic The Hedgehog hat sich durch die Neuanimation der Hauptfigur und einem hervorragenden Jim Carrey als Gegenspieler ins solide Mittelfeld der Familienabenteuer gerettet. Mit einigem an Witz schafft es der Film, Sonics Abenteuer mit Charme über kurzweilige 99 Minuten zu inszenieren, wenngleich die Story doch auffällig einfallslos ist. Jeff Fowler schafft es zwar nicht, das Videospielgefühl auf die Leinwand zu bringen, doch für die jüngere Zielgruppe dürfte das Abenteuer des kleinen blauen Igels trotz des abschließenden Kitschs gut funktionieren.

Der Film bekommt von mir 3 von 5 Sternen.

KR

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.