Der Humor als Knackpunkt – The Man Who Killed Don Quixote

The Man Who Killed Don Quixote Kritik Info

Nach 20 Jahren Entwicklungszeit läuft nun der neue Film von Terry Gilliam im Kino. Vor allem Fans von Monthy Python sollte der Drehbuchautor und Regisseur ein Begriff sein. Als Mitbegründer der britischen „Komikergruppe“ war er maßgeblich für Klassiker wie Das Leben des Brian (1979) oder auch Die Ritter der Kokusnuss (1975) verantwortlich.

Er versetzt jetzt Adam Driver und Jonathan Pryce in eine skurril alberne Komödie und es wird klar: hier ist der Humor der Knackpunkt.

Von der Jagd auf Windmühlen und anderen Alltagssituationen

Toby ist zynisch, selbstverliebt und egoistisch. Der Werberegisseur dreht in Spanien gerade einen Werbespot, als seine Vergangenheit ihn einholt. Vor vielen Jahren drehte er in einem kleinen, spanischen Dorf die Geschichte von „Don Quijote“. Für sein Erstlingswerk ließ er Einwohner des besagten Dorfes Don Quijote und Co. darstellen.

Nun kehrt er zurück zum Ort des Geschehens. Doch inzwischen glaubt der Darsteller des titelgebenden Heldes, eigentlich ein alter Schuhmacher, nun wirklich Don Quixote zu sein.

Der schrullige, verwirrte und vor allem selbsternannte Don Quixote (Jonathan Pryce) sieht in Toby aber nicht etwa den Regisseur aus der Vergangenheit, sondern seinen treuen Knappe Sancho. Zufall trifft auf Unglück und Toby sieht sich bald mit dem verrückten Alten durch die spanische Landschaft der Gegenwart laufen.

Die Wahnvorstellung des Alten treffen auf den Zynismus des Jungen und Tony rutscht immer weiter in die Situation hinein als es zu einem Zwischenfall mit der Polizei kommt, als Don Quixote mit Schild, Schwert und Rüstung auf die Beamten losgeht. Die Grenzen zwischen Surrealem und Realität verschwimmen immer mehr und Toby muss sich bald nicht nur gegenüber seinem Boss (Stellan Skarsgård) rechtfertigen, auch trifft er auf eine weitere Schauspielerin von damals und die ist gar nicht gut auf ihn zu sprechen.

Ein Clash der Realitäten

Terry Gilliam, auch Drehbuchautor, lässt in seinem The Man Who Killed Don Quixote zwei unterschiedliche Realitäten und Ansichten aufeinanderprallen. Damit bedient er sich bei dem einfachsten, aber auch effektivsten Mittel, um Humor bzw. Witz zu inszenieren. Mit dem „Clash der Realitäten“ gehen gleich mehrere Punkte einher. Verschiedene Charaktere, Meinungen, Ansichten und Standpunkte treffen aufeinander. Das führt bei den Figuren zu Missverständnissen, Konflikten und Zufällen. Genau diese Aspekte sind für eine Komödie essenziell – das Brechen mit Sehgewohnheiten, das Zeigen des Ungewöhnlichen, Surrealem.

Der Film spielt mit dem Aufeinanderprallen der verschiedenen Zeiten, aus denen die Figuren des Toby und des Don Quixote vermeintlich stammen. Dieser Gegensatz zwischen gegenwärtigem Zynismus des Werberegisseurs und altertümlichen Romantisierung des Ritters sorgt für Unterhaltung.

Bestes Beispiel ist dafür die Sprache. Während Toby „normal“ spricht, wird er nur Momente später mit den Worten Don Quixotes zu sich bestellt: Sancho reiche mir meinen Schild, sodass ich alsbald diese Bestien zu bekämpfen weiß. [Frei aus Erinnerung] Ebenso die Konflikte, die der Wahn des alten Mannes verursachen sorgen für Komik. Etwa, wenn dieser in Windmühlen Riesen erkennt, sein Schwert zückt, um das Land von dieser Bösartigkeit zu befreien.

Was lange währt…?

Die Produktionsgeschichte des Werkes ist fast genauso abstrus wie der Film an sich. Exemplarisch dafür steht die Liste der Schauspieler, die für die Hauptrollen verpflichtet wurden. Die ersten Dreharbeiten und damit Versuch Nummer #001 starteten Herbst 2000. Ursprünglich sollte Jean Rochefort (Ein Elefant irrt sich gewaltig) die Titelfigur verkörpern. Er wurde krank, die Finanzierungsproblemen und weiterer Probleme wurde das Projekt vorerst eingestellt und die Drehbuchrechte verkauft.

Wer sich an diesem Scheitern erfreuen will oder sich auch nur darüber informieren will, dem sei der Dokumentarfilm Lost in la Manche (2002) ans Herz gelegt. Dieser begleitete die Dreharbeiten und wurde mehrfach ausgezeichnet.

Versuch Nummer #002 startete mit einer Kürzung des Budgets und der Verpflichtung von Robert Duvall (Comeback der Liebe) als Hauptdarsteller. Ewan McGregor (Christopher Robin) sollte den zuvor ausgewählten Johnny Depp (Edward mit den Scherenhänden) ersetzen.

The Man Who Killed Don Quixote Plakat

Wer glaubt, jetzt sei die Produktion gestartet, der irrt. Erst Anfang 2014  wurde die Wiederaufnahme der Dreharbeiten verkündet –  nun mit John Hurt (Der Elefantenmensch) in der Hauptrolle. Auch das wurde verworfen und schlussendlich erhielten Jonathan Pryce (Fluch der Karibik) und Adam Driver (BlacKKKlansman, Star Wars: Die letzten Jedi) den Zuschlag.

Ohne zu wissen, wie die vorher ausgewählten Schauspieler performt hätten, darf gesagt sein, gerade Jonathan Pryce ist in jedem Moment eine Augenweide und trägt mit seinem exzentrischen Schauspiel diesen Film. Adam Driver als einer der größten aufstrebenden Schauspieler glänzt ebenso. Stellan Skarsgård und Joana Ribeiro, die zwei der wichtigsten Nebenrollen besetzen, bleiben daneben eher blass.

Albernheit als Stilmittel

Wer die Filme von Monthy Python kennt, der weiß, dass man sich auf eine ganz spezielle Art des Humors, der Komik und dessen Inszenierung einstellen muss. Der Humor ist einfach albern. Das klingt platt, ist es auch. Keineswegs peinlich-platt, wie es die Schweiger-Filme vormachen, sondern „erfrischend-platt“. Das klingt zugegeben etwas paradox, doch ist es eben diese Mischung aus gesellschaftlichen Bezügen, Gesellschaftskritik, Situationskomik und Slapstick, was den Reiz der Gruppe und The Man Who Killed Don Quixote ausmacht.

Klare Ansage: Wer Monthy Pythons Das Leben des Brian nicht kennt, wird auch hier wenig zu lachen haben. Und diese Aussage kann getroffen werden, auch wenn der Film und dessen Humor einen klaren Bruch erlebt. Während die erste Hälfte oftmals fein mit Dialogen, unterschiedlichem Duktus der Figuren und feiner Gesellschaftskritik arbeitet, flacht das ab der zweiten immer mehr ab. Vielmehr werden diese Momente durch Surrealitäten und stumpfe „Over-The-Top-Momenten“ abgelöst.

Das ist schade, denn dadurch gehen nicht nur Feinheiten verloren, auch wirkt der Film mit 132 Minuten viel zu lang. In meinen Augen hätte der komplette dritte Akt gestrichen werden können und nach ca. 95 Minuten hätte es einen klaren Schlussstrich gegeben. So fragt man sich nach einer guten Stunde, wohin der Film eigentlich will – er wirkt ziellos.

Fazit

Terry Gilliam lässt in The Man Who Killed Don Quixote den altbekannten Humor Monthy Pythons wieder aufleben. Diese ganz spezielle Kombination aus Albernheit und Zwischentönen verliert sich, ähnlich wie die Story, aber in der zweiten Hälfte, sodass der Streifen seine Wirkung verfehlt. Glücklicherweise kann das tolle Schauspiel von Adam Driver und insbesondere Jonathan Pryce das noch abfangen.

Die Komödie, für die man „Don Quixote“ keineswegs kennen muss, erhält von mir 3 von 5 Sterne.

KR

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