Buddy-Krimi-Komödie – The Nice Guys [Filmtipp]

The Nice Guys TippDas Sommerloch steht gefühlt kurz vor dem Ende und man darf sich in den nächsten Wochen gleich auf mehrere hervorragende Filme in den Kinos freuen. Doch Kinotickets sind teuer. Will man dann noch ein Fingerhut voll Popcorn haben, muss schnell eine weitere Hypothek aufs Haus aufgenommen werden.

Glücklicherweise bieten die großen Streamingdienste gute Alternativen. Soll nicht heißen, keiner soll mehr ins Kino gehen, dann müsste ich auch den Sinn von Filmkritiken infrage stellen, aber gerade für den sonntaglichen Nachmittag sind Amazon Prime, Netflix, Maxdome und Co. die Anlaufquelle, wenn es um ein paar Stunden filmische Unterhaltung geht.

Deshalb wird es hier zukünftig – natürlich von meiner Zeit und Motivation abhängig, völlig unregelmäßig – einige Filmtipps geben, für die man sich nicht in einen Kinosaal mit lauter scheinbar Handysüchtigen setzen muss und bei denen der Stil der Artikel weniger analytisch, sondern mehr „aus dem Bauch heraus“ ist. Dabei macht heute eine Krimi-Komödie den Anfang, die gefühlt an mehr Leuten vorbeigegangen ist, als sie sollte.

Hau-Drauf-Söldner trifft auf Dilettanten-Detektiv (Alliterationen sind super)

Die Zutaten sind relativ einfach. Man nehme zwei verschiedene, skurrile, aber irgendwie liebenswürdige Figuren, als Basis ein relativ einfaches Thema, eine gute Hand voll Humor (nicht mit dem ‚Erwachsenen-Humor‘ geizen), ein Schuss 70er Nostalgie und ein Regisseur, der daraus ein Buddy-Movie zaubert. Das Ganze dann 116 Minuten über den riesigen Fernseher mit mittelmäßigen Soundboxen laufen lassen und fertig ist die Unterhaltung.

Shane Black zog 2016 zwei der bekanntesten Schauspieler vor die Kamera, um eine (ganz genau gesagt) Neo-Noir Filmkomödie zu drehen. Zum einen Ryan Gosling – das ist der, mit dem Hundeblick – und zum anderen Russell Crow – bin ich eigentlich der Einzige, der den immer mit Gerard Butler verwechselt? Dass Black ein Duo dynamisch zu inszenieren weiß, steht seit Kiss Kiss, Bang Bang (2005) auch fest. Aber worum genau geht es?

Los Angeles, 1977: Die Pornodarstellerin Misty Mountains kommt bei einem Autounfall ums Leben. Doch deren Tante behauptet felsenfest, sie zwei Tage nach ihrem Tod noch gesehen zu haben und beauftragt den Privatdetektiv Holland March (Ryan Gosling). Der als Detektiv und Vater mittelmäßige March glaubt aber, dass die alte Frau das Pornosternchen mit Amelia Kutner verwechselte und beginnt die junge Frau unauffällig zu observieren.

So unauffällig, dass diese sich schon bald verfolgt fühlt und den Schläger Jackson Healy (Russell Crowe) engagiert, sich um den “Verfolger”  zu kümmern. Kurzum begibt sich dieser zu March und bricht ihm den ein oder anderen Knochen im linken Arm. Doch der selbsternannte Detektiv lässt sich von dem Fall nicht abbringen, schließlich zahlt die Tante gutes Geld. Als er dann von zwei Männern, die auf der Suche nach Amelia sind, nochmal zusammengeschlagen wird, schließen er und Jackson Healy sich zusammen, um die Blondine, die Tochter einer ranghohen Beamtin, zu finden…

Genre und vergleichbare Filme

The Nice Guys vereint mehrere bekannte Genre und schafft trotzdem einen eigenen Flair. Warum bei der Googlesuche der Film als Drama-Mystery Streifen deklariert wird, erschließt sich mir genauso wenig, wie die körperliche Verfassung Crows, von dem (hoffentlich) verlangt wurde, für diese Rolle aufzugehen wie ein Hefekloß.

Primär ist es eine Krimi-Komödie. Krimi, klar, weil es kriminell ist und Komödie, wegen des oftmals sehr fein eingesetztem Slapstick-Humor und Dialogen, die häufig zum Schreien komisch sind. Die beiden Protagonisten, ihr Verhältnis zueinander und dessen Inszenierung, lässt den Film zu einem Buddy-Movie werden. Bedeutet: das Zusammenspiel dieser zwei Figuren steht mehr im Vordergrund als die eigentliche Story – ähnlich wie bei Till Schweigers Hot Dog (2018) – nur eben in gut.

Bei Wikipedia (recherchieren kann ich) liest man außerdem den Begriff „Neo-Noir“. Dieser Begriff beschreibt kurzgesagt neuere Filme, die sich an Aspekten des Ursprünglichen „Film noir“ orientieren. Letzterer Begriff beschreibt Werke der 1940 bis 50er Jahre, die sich im Krimigenre wiederfinden und einer pessimistischen Weltansicht zugrunde liegen. Oftmals steht auch die sogenannte Femme Fatale im Zentrum. Meist farblich mit starken Kontrasten kennzeichnen exzentrische, gebrochene, meist verbitterte Figuren oder Stimmungen die Filme. Genau das findet sich auch in den (logischerweise) trinkfesten Hauptfiguren wieder.

Vergleichbar ist der Streifen thematisch mit Rush Hour (1998), 21 Jump Street (2012) und Dirty Cops: War On Everyone (2016). Vom Stil ist er eine Mischung aus natürlich Shane Blacks Kiss Kiss, Bang Bang (2005), Guy Ritchies Snatch: Schweine und Diamanten (2000) und Lethal Weapon (1987) – dabei rede ich natürlich vom richtigen Film und nicht dieser fragwürdigen Fernsehserie.

Flüche, Blut, Sex, Slapstick

Diese vier All-Time-Favorites der Filmbranche vereinen sich in The Nice Guys zu einer herrlich unterhaltenen, teilweise bitter-bösen Krimikomödie, in der Gosling und Crowe als dynamisches Duo (Alliteration!) brillieren.

Das Ganze ab 16 Jahren freigegeben, läuft der Film seit Anfang des Monats hier auf Netflix. Und damit endet dieser erste Filmtipp. Wann der nächste kommt? Mal schauen, wenn ich Lust habe….vielleicht. Bis dann, cheers.

KR

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