Schmelztiegel der Emotionen – Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri VerkaufsstartVier Golden Globes, zwei Academy Awards und unzählige weitere Nominierungen und Auszeichnungen. Regisseur Martin McDonagh (7 Psychos, Brügge sehen… und sterben?) hat mit Three Billboards Outside Ebbing, Missouri ein weiteres hochemotionales Werk geschaffen, was international gefeiert wurde. Zum Verkaufsstart will ich einmal unter die Lupe nehmen, was das komödiantische Filmdrama so besonders macht.

Einfache Prämisse mit emotionalem Tiefgang

Eine Mutter ist verzweifelt. Seit ihre Tochter Angela vor sieben Monaten vergewaltigt, getötet und verbrannt wurde, hat die Polizei keinen Fortschritt in den Ermittlungen vorzuweisen. Die Mutter Mildred Hayes (Frances McDormand) ist sich sicher, dass die Polizei um Sheriff Willoughby (Woody Harrelson) nicht genug Mühen investiert und mehr mit dem Diskriminieren von Schwarzen beschäftigt ist. Um Druck auf diese zu erhöhen, mietet sie drei große Plakatwände auf denen fortan „Raped While Ding“, „Still No Arrests?“ und „How come, Chief Willoughby?“ („Im Sterben vergewaltigt“, „Immer noch keine Festnahmen?“ und „Wie kommt’s, Chief Willoughby?“) zu lesen ist. Das kleine Städtchen ist gespalten, denn zum einen ist der Chief ein angesehener Mann, aber Rassismus durch die Polizei steht an der Tagesordnung.

Die Prämisse ist eigentlich leicht. Eine verzweifelte Mutter versucht sich öffentlich eine Stimme zu erkämpfen und spaltet damit eine Gemeinde. Doch die Themen, die damit mitschwingen, geben der Handlung eine unfassbare Tiefe. Rassismus, Polizeigewalt, Tradition, Glaube, Konservatismus, Krankheit, häusliche Gewalt, Träume, Rache und das Hinterfragen gesellschaftlicher Mechanismen ziehen sich wie ein roter Faden durch den Film.

Vielschichtigkeit der Personen

Mit einem solchen thematischem Schwerpunkt kommen auch facettenreiche und charakterstarke Figuren. Ganz vorneweg Mildred Hayes, Chief Willoughby und Polizist Officer Jason Dixon (Sam Rockwell). Denn so facettenreich wie die Themen sind auch die Figuren.

Da ist die Mutter, deren Verzweiflung und Verbitterung absolut nachvollziehbar ist. Doch auch sie hat Charakterzüge, die schwer gutzuheißen sind. Sei es Beleidigung, Empathielosigkeit oder auch Selbstjustiz. Auf der anderen Seite der Chief, der zwar irgendwie sympathisch wirkt, aber über Folter von Schwarzen unter seiner Führung hinweg schaut. Sein „Schützling“ Officer Dixon ist die Figur, die den größten Wandel durchlebt. Sei es das Verprügeln eines Zivilisten, das Hoffen auf eine Karriere bei der Polizei, das Muttersöhnchensein als erwachsener Mann oder auch die Erkenntnis Dinge falsch gemacht zu haben. Er symbolisiert ein Stück weit die kindliche Unschuld, die nicht mit der Macht als Polizist und seinen Gefühlen umgehen kann.

Neben dieses drei herausragenden Figuren, die toll gespielt sind, treten Figuren auf, die nicht nur Beiwerk sind, sondern völlig neue Seiten und Probleme beleuchten. Ob alles herunterspielender Pfarrer, gewalttätiger Ex-Mann, verspotteter Kleinwüchsiger oder auch rebellische Kinder. Alles fügt sich in diesen brodelnden Kessel an aufgestauten Emotionen, ob Hass, Verletzlichkeit, Unsicherheit oder Zuneigung, zusammen.

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri SzeneSchwarzer Humor

Die Komödie fördert das Drama. Was paradox klingt, muss kurz erklärt werden. Trotz all der Gesellschaftskritik und den tiefgründigen Themen nutzt Three Billboards immer wieder bitterbösen schwarzen Humor. Doch nicht, um Three Billboards Outside Ebbing, Missouri komisch zu machen, vielmehr um etwas zu symbolisieren. Es kommt mehr als einmal vor, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Mehr als einmal fragt sich der Zuschauer: „Darf ich darüber lachen, wo das Thema doch so ernst ist?“ So lässt der Humor den Zuschauer teilweise so zwiegestalten alleine, wie es die Charaktere selbst sind.

Symbolisch dafür steht der kindlich naive, nicht dümmlich, vielmehr einfältige erwachsene Polizist Dixon. Dieser lebt abgeschottet von den Problemen anderer und muss im Laufe des Filmes erst damit umgehen, sobald diese in seine Lebenswelt eindringen. Das macht ihn zum vielleicht interessantesten Filmcharakter seit geraumer Zeit.

Der Bruch zwischen schwarzem Humor und emotionalen Dramen ist es, welcher die emotionale Bandbreite auf die Spitze treibt.

Kann es dazu ein endgültiges Fazit geben?

Die Antwort ist ganz klar: Nein, denn jeder muss sein eigenes persönliches Fazit finden.

Was bleibt, ist ein Werk, welches Probleme in sich vereint, die jede Gesellschaft prägen; ein Film, der Charaktere in sich entwickelt, die ein überspitztes Abbild sozialer Gruppen sind; ein Film, welcher so viel Stoff zur Diskussion bietet, dass es ignorant von mir wäre, zu behaupten, dass die aufgezählten Punkte Fakt sind und das Einzige sind, was diesen Streifen besonders werden lassen. Sie sind nicht mehr als erzählerische Eckpunkte zur Einordnung eines Films. Denn dieser ist am Ende für jeden etwas ganz Eigenständiges.

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri ist ein unfassbar stark geschriebener Film, der am Ende vor allem eins ist: ein Schmelztiegel der Emotionen.

KR

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