Mehr Videospiel als Verfilmung – Tomb Raider

Tomb Raider Infobox Kritik

Eine Verfilmung, die gleich doppelt gewissen Erwartungen standhalten muss. Zum einen ist es bereits der dritte Teil um die weibliche Hauptfigur… auch wenn Lara Croft: Tomb Raider (2001) und Lara Croft: Tomb Raider – Die Wiege des Lebens (2003) mit Angelina Jolie in der Hauptrolle keine wirklichen Vorgänger sind. Zum anderen ist klar, dass sich der neue Film mehr auf das Computerspiel “Tomb Raider” aus dem Jahr 2013 beziehen würde, welches selbst nur eine abgeänderte Neuauflage der vorherigen Spielereihe war.

Spezielle Voraussetzungen also, die selten gänzlich erfüllt werden können. Doch macht auch dieser Streifen wieder die Fehler, wie auch schon andere Videospielverfilmungen vor ihm. Er tappt in die gleiche Falle wie auch schon Assassin’s Creed (2016), Prince of Persia: Der Sand der Zeit (2010) oder auch Hitman: Agent 47 (2015) vor ihm und verschenkt damit Potenzial.

Doch zuerst zur Handlung

Lara Croft (Alicia Vikander) ist eine junge Frau, die sich in London als Fahrradkurier über Wasser hält. Nachdem sie sich bisher weigerte den Tod ihres seit sieben Jahren verschwundenen Vaters anzuerkennen, willigt sie auf Drängen einer ehemaligen Geschäftspartnerin ihres Vaters doch ein. Dadurch wird ihr ein millionenschweres Erbe und einige weitere Gegenstände vermacht. In einem dieser entdeckt sie einen Schlüssel, der sie in einen geheimen Raum ihres Vaters führt.

Dort wurde von ihm eine Videobotschaft für sie hinterlegt. In dieser erfährt die junge Frau, dass sich ihr Vater intensiv mit der Mythologie und Archäologie rund um die japanische Königin Himiko beschäftigte. Diese solle laut Sagen den Tod mit sich gebracht haben und auf einer Insel im ehemaligen Yamatai Reich vergraben sein. Lara erfährt, dass ihr Vater wohl das Grab gefunden hatte und macht sich auf die Suche nach ihm und dem Grab – ungeachtet dessen, dass ihr Vater ihr sagte, sie solle alle Aufzeichnungen verbrennen.

In Hong Kong trifft auf Lu Ren, den Kapitän eines kleinen Schiffes. Dessen Vater war eins mit ihrem Vater gereist. Die beiden begeben sich auf Seefahrt. Doch als ihr Schiff in einem Unwetter kentert und Lara sich nur noch an Land retten kann, wird sie von einer kriminellen Organisation gefangen genommen. Diese ist ebenfalls auf der Suche nach dem Grab und schreckt vor nichts zurück…

Es fehlt etwas…etwas Neues

Das Werk des norwegischen Regisseurs Roar Uthaug ist ein Paradebeispiel für die Fehler Hollywoods im Umgang mit Videospielen. Das Problem ist eigentlich ganz klar: man schafft es nicht, den Zauber des Spiels auf die Leinwand zu bringen. Das liegt an mehreren Faktoren. Videospiele können eine einfache Handlung habe, denn durch die aktive Anteilnahme des Spielers ist dieser bereits Teil des Universums. Ein Film muss den Zuschauer hingegen erst für sich gewinnen. Genau dafür reicht eine flache Story jedoch meist nicht aus. Tomb Raider ist in diesem Fall nur der rote Faden und das Grundprinzip des Spiel in 118 Spielfilmminuten gedrückt.

Dem Streifen fehlt Tiefe. Allen voran dem Antagonisten, dem Anführer der kriminellen Organisation Mathias Vogel (Walton Goggins). Daneben ist die Story total vorhersehbar und angesichts dessen wirkt eine Art Verschwörung, die Spielraum für eine eventuelle Fortsetzung geben soll, absolut erzwungen. Durch die nicht vorhandene aktive Teilnahme des Zuschauers müsste sich der Film etwas Neues einfallen lassen. In einem Videospiel kann es (beispielsweise mit einer speziellen Steuerung) Spaß machen über Hindernisse zu springen, auch wenn man es zuvor hunderte Male in anderen Spielen getan hat. Im Kinofilm hingegen sieht man nur zum hundertsten Mal, dass eine Figur über Hindernisse springt und sich in letzter Sekunde doch noch irgendwo festhalten kann. Das ist nichts Neues.

Generell hat man alles, was in Tomb Raider vorkommt, schon einmal irgendwo gesehen. Unter diesen Umständen überrascht es dann auch nur wenig, dass die Musik von Junkie XL austauschbar und beeinflussend wirkt.

Rettung des Films

Gott sei Dank aber gibt es Alicia Vikander. Trotz der mittelmäßigen Dialoge schafft es die Schauspielerin der Heldin Leben einzuhauchen. Diese toughe, aber auch emotionale Frau hebt sich nicht nur von Angelina Jolies Figur ab, sondern trägt den ganzen Film alleine. Man sieht ihr gerne dabei zu, wie sie ums Überleben kämpft und gerade zwei Zweikämpfe ohne irgendwelche Schusswechsel und Explosionen sind die Höhepunkte des Films. Die Schwedin holt den Zuschauer ab und schafft es, dass er sich für die Protagonistin begeistern kann. Das macht den Film im Vergleich sogar etwas besser als Assassin’s Creed.

Fazit

Tomb Raider  ist eine weitere austauschbare Videospielverfilmung, die es mal wieder nicht schafft, mehr zu sein als ein verfilmtes Jump’n’Run. Trotz absehbarer Handlung und (meines Erachtens nach) großen Logikfehlern, schafft es Alicia Vikander die weibliche Hauptfigur hervorzuheben und macht den Film nicht zur totalen Enttäuschung.

Der Film bekommt von mir 2 von 5 Sternen.

KR

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