Wenn Deadpool und Co. mit einem sprechen – Was ist … die Vierte Wand?

Wer sich ab und an mit Filme und Filmkritiken beschäftigt, wird auch immer wieder auf den Begriff der „Vierten Wand“ stoßen, die durchbrochen wird (breaking the fourth wall). Auch in Guardians Of The Galaxy Vol. 2 hatte ich zweimal das Gefühl, dass genau das getan wird. Doch was genau ist das, denn Wände werden in Action Filmen, doch eigentlich immer irgendwie durchbrochen?

Grundlegend versteht man unter der “Vierten Wand” die imaginäre Wand zwischen dem Zuschauerraum und der Filmkulisse. Sie trennt im Theater das Bühnengeschehen/die Bühne und im Film die Szenerie/ vom Zuschauerraum, ob dies nun das Kino oder das heimische Wohnzimmer ist.

Ein besonderes, aber auf keinen Fall neues Stilmittel des Films.

Schon vor über 50 Jahren wurden die Rezipienten bereits im Theater (vorwiegend bei Musicals) direkt angesprochen. Dies wurde auch relativ schnell auf die Filmbranche übertragen – und auch häufiger als gedacht genutzt. Doch warum scheint es dann so selten aufzutauchen?

Diese Frage lässt sich mit unserem Konsum erklären. Die meisten Filme, die sich hierzulande angeschaut werden, entspringen der Traumfabrik Hollywood, oder sind deutsche Filme, die immer mehr versuchen Hollywood nachzueifern. Das Mittel der “Vierten Wand”, welche durchbrochen wird, wurde in den 70er Jahren in Hollywood immer mehr zum Fehler erklärt. Denn die moderne Auffassung des Films beinhaltet eine abgeschottete Story, die der Zuschauer als neutraler Begleiter verfolgt und dabei eventuell vom Streifen in den Bann gezogen wird, aber kein Teil des Films an sich wird.

Im Gegensatz dazu wird das Mittel sehr häufig in Dokumentarfilmen, pornografischen Streifen und in indischen Filmen verwendet. Der Punkt der Dokumentarfilme zeigt hierbei schon auf, dass die Nutzung dieses Stilmittels häufig stark vom Genre abhängig ist. Denn mit verschiedenen Genres verfolgen die Filmemacher natürlich auch unterschiedliche Intentionen, die dementsprechend durch das Durchbrechen unterstützt oder sogar negiert werden.

Es ist also zu erkennen, dass dieses Stilmittel vorwiegend in den Genres des Musicals oder der Komödie zu sehen sind. Ausnahmen bestätigen hierbei die Regel. Beste Beispiele hierfür sind Malcom mittendrin und Deadpool. Ein ganz besonderer Fall hierfür ist House of Cards. Diese Serie ist ganz klar keine Komödie. Sie kommt als Polit-Drama daher, doch warum wird dann diese Art der Erzählform unter anderen benutzt?

Hier muss ich wieder auf die Intention der Filmemacher verweisen. Für alle Uneingeweihten: House of Cards erzählt die Story eines machthungrigen Politikers in den Vereinigten Staaten auf seinem, zum Teil skrupellosem, Weg zum Amt des Präsidenten. Hierbei erfolgt eine Mischung. Nur der Portagonist als Hauptcharakter kann  die Wand durchbrechen. So kann der Zuschauer im einen Moment den Politiker mit den Senatoren diskutieren sehen und im nächsten Moment wendet sich jener Protagonist ab und erzählt dem Zuschauer, was der andere für ein „armseliger Wichser“ sei. Dies natürlich unbemerkt von den anderen Personen der Szenerie.

Hier kann man ganz klar von einem genialen Plan sprechen. Denn klar ist, dass nicht jeder (gerade im Ausland) über die politischen Strukturen Amerikas Bescheid weiß. Durch diese einseitigen Gespräche zwischen Protagonist und Zuschauer werden nicht nur dessen Intentionen dargestellt, sondern auch verständliche Erklärungen des politischen Systems gegeben.

Insgesamt ist das Durchbrechen der Vierten Wand hierzulande ein eher selten gesehenes Mittel ist – unbestritten ist, dass es oftmals den Reiz, die Spannung, die Magie, die Faszination usw. eines Films zerstören würde.

Doch in einigen Fällen ist es ein beliebtes, ungewöhnliches, doch auf jeden Fall besonderes Mittel einen Film zu gestalten. Es hängt also davon ab, was der Film oder auch die Serie erreichen will. Denn am Ende gibt es schlimmeres, als Teil der Handlung zu werden:

#KR

Ein Gedanke zu „Wenn Deadpool und Co. mit einem sprechen – Was ist … die Vierte Wand?

  • 15. Mai 2017 um 23:41
    Permalink

    Klasse! Ein sehr interessanter Beitrag! Ich denke, “Deadpool” ist die Perfektion dieses Stilmittels. Funktioniert hier wunderbar und hat mich zum echten Fan des Films gemacht.

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This website stores some user agent data. These data are used to provide a more personalized experience and to track your whereabouts around our website in compliance with the European General Data Protection Regulation. If you decide to opt-out of any future tracking, a cookie will be set up in your browser to remember this choice for one year. I Agree, Deny
648