Ist Wonder Woman DCs Rettung oder setzt er falsche Maßstäbe?

Infoboy Wonder Woman KritikVorwort: Da mir momentan die nötige Technik zur Verfügung steht, erscheint diese Kritik in schriftlicher Form – nicht, wie gewohnt in auditiver. Glücklicherweise bietet sich das aber an, denn über Wonder Woman gibt es mehr zu sagen, als über den guten Look.

Seit vergangenen Donnerstag läuft der neueste Streifen des DCEU (DC Extended Universe) in den deutschen Kinos. Nach Man Of Steel, Batman v Superman: Dawn Of Justice und Suicide Squad bildet der Film den vierten Teil dieser Reihe und ist gleichzeitig der erste Solofilm Wonder Womans in diesem Filmuniversum.

Der Film handelt von Diana (Gal Gadot) (später als Zwillingsidentität Diana Prince). Diese wächst zur Zeit des Ersten Weltkrieges auf der Paradiesinsel Themyscira im Mittelmeer auf. Die Insel wird vom Kriegerinnenvolk der Amazonen besiedelt. Sie erlernt entgegen dem Wunsch der Mutter die Fähigkeiten des Kampfes mit Schwert, Schild und Bogen. Diese erlernen alle Amazonen, da die Geschichten erzählen, dass eines Tages der griechische Gott des Krieges Ares zurückkehren würde, um die Menschen sich selbst zerstören zu lassen. Nur die Amazonen würden zwischen ihm und den Menschen stehen.

Ihr Leben wird aber schlagartig unterbrochen, als der britische Spion Steve Trevor (Chris Pine) mit seinem Kampfflieger vor der Insel abstürzt und Diana ihn erst vor dem Ertrinken und dann vor den ihm gefolgten Deutschen rettet. Steve erzählt ihr die Schrecken des Ersten Weltkrieges. Diana erkennt entgegen aller anderen darin das Werk Ares und macht sich, sehr zur Sorge der Mutter, gemeinsam mit dem Piloten auf, um an der Front Ares zu treffen, diesen zu töten und so die Menschen zu retten.

Dass sie sich kurz darauf nicht nur damit konfrontiert sehen wird, dass der ihr liebgewonnene Steve Ares für eine Einbildung hält, sondern sie auch als Frau eine andere Stellung in der westlichen Welt genießt, als der Mann, ahnt sie noch nicht.

Nachdem David Ayer Regie in dem zu stark abgewandelten Suicide Squad und Zack Snyder in Man Of Steel und Batman v Superman: Dawn Of Justice Regie führten, zieht sich letzterer jetzt etwas zurück und wirkt “nur noch” als Produzent mit. Für den Regieposten ist nun jemand ganz anderes gewonnen worden – und hier liegt schon der erste Geniestreich des Films. Mit der US-Amerikanerin Patty Jenkins verpflichtet man eine Regisseurin, die vor allem für ihren Film Monster mit Charlize Theron als starke, weibliche Hauptrolle bekannt ist. Nun eben diese Regisseurin stand vor der Aufgabe wieder einmal eine starke, weibliche Hauptrolle zu inszenieren. Dies ist auch durchgänig zu merken, denn die Heldin wird zwar sexy, aber nicht sexistisch inszeniert. Und auch Zack Snyder brachte immer wieder starke Frauenrollen hervor (Sucker Punch).

Mit Gal Gadot (Triple 9, Fast &Furious 6/7) hat man vielleicht die Idealbesetzung für die Rolle der Wonder Woman gefunden. Die Israelin spielt die zwar selbstbewusste und trotzdem in der “neuen”Welt völlig unerfahrene und naive Wonder Woman sehr stark. Chris Pine ist mit ihr gemeinsam (und vor Allem deren Zusammenspiel), als der charmante und trotzdem verletzlich, schüchterne Steve Trevor der Hauptgrund, dass dieser Film ein Zeichen setzt.

Ein weiterer Geniestreich liegt in der Szenerie. Die Zeit des Ersten Weltkrieges wirkt zum einen nicht so verbraucht wie die des Zweiten, auch kann man sich damit von der zum Teil ähnlichen Story Captain Amerikas abheben und nicht zuletzt klappt dieses Eindringen der mit Schwert, Schild und Peitsche bewaffneten Amazone in dieses Setting außergewöhnlich, aber nicht störend. Der teilweise inszenierte harte Bruch zwischen den Schrecken des Krieges auf der einen Seite und dieser Superheldin mit ihrer Stärke auf der anderen, das mag den einen überraschen, doch liegt meines Erachtens genau hier eine weitere Stärke des Films.

Der Film ist somit über die nahezu ganze Zeit ein toll aussehender, aber nicht überladener Film, der charmante Charaktere beinhaltet und zwar mit Klischees spielt, sie aber nicht standartmäßig bedient. So ist Diana Prince als starke, unabhängige und trotzdem verletzliche Heldin, die ihre Freunde an ihrer Seite wissen will, die Quintessenz des Filmes.

Umso trauriger ist es, dass dieser ausnahmslos sehr gute Eindruck in den letzten zehn Minuten teilweise negiert wird. Wo man vorher sich noch daran erfreut hat, dass der Streifen nicht mit Effekten überladen ist und auf platte Einsatzdialoge, sowie -monologe verzichtet, macht er leider genau das am Ende nicht mehr. Somit erinnert das Ende in der eigenen Filmlogik zu weit hergeholt. Mit den riesigen Effekten erinnert das dann an jenes Ende aus Batman v Superman, auch wenn dies dort viel extremer war.

Somit ist Wonder Woman ein Film, der zwar am Ende etwas von seiner Linie abweicht, aber durch Charme, tiefergehende Charakter und einer erfrischenden Hauptfigur ein starkes Zeichen für weibliche Superhelden und deren Soloabenteuer setzt. Der Film ist damit mit Abstand der beste aus dem DC Extended Universe und macht Hoffnung für die kommenden Justice League und Aquaman, auch wenn dort dann Jenkins keine Regie führen wird.

Auch wenn es nicht der emanzipierte, feministische Film ist, als welcher er manchmal betitelt wird, wird er doch wegweisend sein und macht am Ende einfach Freude auf mehr Wonder Woman in Justice League. Bleibt zu hoffen, dass Aquaman, Flash, Batman und Co. daneben nicht untergehen, denn dann könnte tatsächlich aus der Rettung ein Fluch werden..

Das erste Soloabenteuer der Amazone, der Kriegerin, der Person Diana Prince, Wonder Woman bekommt von mir 4 von 5 Sternen.

3 Gedanken zu „Ist Wonder Woman DCs Rettung oder setzt er falsche Maßstäbe?

  • 26. Juni 2017 um 11:32
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    Ich finde, der Film kann sich kaum von den restlichen Werken des DC Movie Universe abheben. Einheitsbrei. Klar, er ist weit besser als Suicide Squad, aber das heißt ja nicht viel. Er ist für mich auf einem Level mit Batman v Superman und rangiert bei mir so bei 6.5/10. Keine Ahnung, warum der Streifen so viele Vorschusslorbeeren bekommen hat, aber ich denke, die Tatsache, dass es eine weibliche Heldin ist, spielt da als Faktor mit rein.

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    • 26. Juni 2017 um 9:35
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      Das kann gut sein. Ich finde auch, dass der Film zum Teil als wichtigerer Film dargestellt wird, als er ist. Trotzdem ändert das ja nicht, wie ich den Film erlebt habe…Aber um dir zuzustimmten: schwer haben es die Vorgängerfilme nicht gemacht übertoppt zu werden.

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    • 4. August 2017 um 6:30
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      Dass viele dort weit mehr Emanzipation reingedeutet haben, als eigentlich vorhanden ist – das sehe ich ähnlich. Aber im Gegensatz zu BvS haben wir hier sympatische Charaktere, was für mich sehr viel ausmacht

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