Wunder und die Falle des Dramas

Wunder Kritik

Wunder: ein Drama, was nicht nur wegen der Schauspieler auf Interesse stößt. Die am 25.01.18 erschienene Bestsellerverfilmung des Buches „Wonder“ von Raquel J. Palacio hat nämlich ein ernstes Thema.

Es geht um den zehnjährigen Jungen namens Auggie. Dieser musste in der Vergangenheit aufgrund eines Gendefekts vielfach operiert werden, um nun lebensfähig zu sein. Doch zeichnet sich das in Form von Narben, Unförmigkeit und damit einer Unnatürlichkeit in seinem Gesicht ab. Nachdem er die ersten vier Jahre von seiner Mutter daheim unterrichtet wurde, besucht er nun zum ersten Mal eine normale Schule. Der so unsichere Junge, der bisher meist einen Astronautenhelm trug, um „unsichtbar“ zu sein, sieht sich mit anderen Kindern konfrontiert.

Denn so lieb Kinder sein können, so grausam gehen sie zum Teil mit dem Zehnjährigen um. Das reicht vom Anstarren auf dem Pausenhof, über Lästereien, bis hin zu Aussagen, wie beispielsweise: „Wenn ich so aussehen würde, dann würde ich mich umbringen!“. Dabei leidet nicht nur Auggie, sondern auch seine Familie um Schwester Olivia (Izabela Vidovic), sowie Mutter und Vater (Julia Roberts, Owen Wilson).

Bevor ich zur Einschätzung der Story, Schauspieler etc. komme, sei gesagt, dass ich den Film als alleinstehendes Werk bewerte. So kann es sein, dass sich die Verfilmung zwar an die Romanvorlage hält, ich trotzdem die Story bemängele.

Zwei Stärken

Wunder hat ganz klar zwei Stärken. Das sind zum einen die Nachvollziehbarkeit des Grundproblems. Mobbing ist zurecht immer wieder ein großes Thema und setzt der Film dieses zwar drastisch ein, aber dennoch (meiner Meinung nach) nicht übertrieben oder unrealistisch. Trumpf Nummer Zwei ist der Cast. Angefangen bei Jacob Tremblay (zuvor bekannt aus Raum), der unter der hervorragenden Maske kaum zu erkennen ist, aber diesen unschuldigen, zutiefst verletzlichen, unsicheren Jungen toll darstellt. Neben ihm glänzen Julia Roberts und Owen Wilson als besorgte, nicht fehlerfreie, aber hoch sympathische Eltern. Zuletzt sei noch Izabela Vidovic erwähnt, die die ältere Schwester spielt und eine der Überraschungen des Werkes ist.

Was der Film clever macht, ist das Aufteilen der Geschichte in verschiedene Perspektiven. Da wird nicht nur das Leiden des Jungen dargestellt. Im nächsten Kapitel erhält man Einblick in die Gefühlswelt der großen Schwester, die ihrerseits darunter leidet, dass die Aufmerksamkeit der Familie sich nur auf den Jungen beschränkt. Das, sowie Side Storys um Mitschüler des jungen Auggie verleihen dem Film gerade im zweiten Akt einiges an Tiefe.

Die Falle des Dramas

Doch tappt der Film im letzten Akt in eine Falle, die sich vielen Dramen stellt und wird damit schlussendlich deutlich schwächer, als er sein müsste.

Diese Falle hat grundsätzlich mal wieder mit den Sehgewohnheiten und den Erwartungen der Zuschauer zu tun. Mit wenigen Ausnahmen erwartet der Kinogänger ein Film mit positivem Ende – das klassische Happy End. Der Film steht also vor der Aufgabe die Story und Probleme der Figuren dramatisch zu inszenieren und trotzdem am Ende positiv zu schließen.

Da diese zwei Aspekte widersprüchlich sind, besteht die Gefahr also darin, dass zum Wohle des einen das andere vernachlässigt wird. Leider macht Wunder auch genau das. Bedeutet: die emotionale Fallhöhe und die Probleme der ersten zwei Akte lösen sich im dritten (dem Happy End zuliebe) zu einfach in Luft auf. So realistisch die Gemeinheiten dargestellt werden, so unrealistisch wirken Reue und Wiedergutmachung der ehemaligen „Kontrahenten“. Auch wird dem Protagonisten künstlich ein gleichaltriger Antagonist gegenübergestellt. Leider werden alle vorangegangenen Handlungen dessen negiert, um gegen Ende die Aussage zu tätigen, dass es an der empathielosen Erziehung des Jungen liegt, dass dieser so gemein war.

Unabhängig davon, dass ich eine Aussage des Films kurz vor Schluss für mindestens fragwürdig halte,

Hier die genaue Begründung, die spoilern könnte...

Trotz dessen, dass zuvor die Gleichbehandlung dieses besonders aussehenden Schülers beworben wird, wird er durch eine Preisverleihung auf ein Podest gehoben. Damit wird er mit seinem Aussehen über die mutigen Handlungen seiner Mitschüler, die ihn trotz Gegenwind verteidigten, gehoben…

könnten die letzten 17 Minuten einfach weggeschnitten werden, ohne die Aussage des Films zu beeinflussen. Besser noch, der Film würde keine Überlänge bekommen und die fast schon kitschigen Auflösungen würden vermieden.

Fazit

Wunder ist ein sympathischer Film, der wichtige Themen emotional anspricht. Damit macht er seine Sache über gut zwei Drittel auch ordentlich. Doch können tolle Schauspielleistungen nichts daran ändern, dass teilweise kitschige Auflösungen und das (für die Sehgewohnheiten des Zuschauers erzwungene) Happy End den Großteil der vorherigen Emotionalität zunichte machen.

Der Film bekommt von mir 2,5 von 5 Sternen.

KR

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