Austauschbare Zäsur – X-Men: Dark Phoenix

Infobox X-Men: Dark Phoenix

Mit X-Men: Dark Phoenix dürfen sich Fans wohl (vorerst) zum letzten Mal auf die Truppe mit besonderen Fähigkeiten rund um Professor Xavier freuen. Doch der inzwischen zwölfte Film der Reihe ist am Ende weniger würdiger Abschluss als mehr unrunde Zäsur.

Wie Phoenix aus der Asche

Nachdem sie im Kindesalter ihre Eltern bei einem Autounfall verloren hat, lebt Jean Grey (Sophie Turner) nun als junge erwachsene Mutantin bei den X-Men.

Jetzt (im Jahr 1992) werden die wie Superstars gefeierten X-Men immer wieder von der US-Regierung um Unterstützung gebeten. Bei einer solchen Rettungsmission gerät Jena im All in Kontakt mit einem mysteriösen Etwas, welches irgendwie in ihr aufgenommen wird.

Zurück von der Mission fühlt sich die Mutantin aber keineswegs schwach. Im Gegenteil. Sie stellt fest, dass sie über ungezügelte Kräfte verfügt, die sie weder begreifen noch kontrollieren kann.

Verängstigt vor den zerstörerischen Kräften wendet sie sich von Professor Xavier (James McAvoy) ab. Lediglich Raven (Jennifer Lawrence) will ihrer Freundin zur Seite stehen.

Ein innerer Kampf tobt in der unsicheren Jean, denn sie kommt nicht nur Geheimnissen ihrer Vergangenheit auf die Spur, auch mischt sich ein Wesen in menschlicher Gestalt (Jessica Chastain) ganz bald in das Leben der Mutantin ein.

Auf den Spuren von Logan

Für Drehbuchautor Simon Kinberg ist das bereits die vierte Arbeit im X-Men-Universum. Jetzt auch als Regisseur tätig wollte der Amerikaner dem Franchise eine etwas neue Tonalität einhauchen. Unter anderen vom Erfolg von Logan (2017) angetrieben, sollte sich dieser Teil nun mehr den einzelnen Figuren und deren Dramen zuwenden. Auch sollte die Stimmung etwas ernster und düsterer werden als noch bei den zwei Vorgängern.

Diesen Ansatz kann man auch immer wieder erkennen. Die Idee, mal nicht das rein Gute gegen das rein Böse antreten zu lassen, ist zwar nicht gänzlich neu, aber in der Form einer “gespaltenen” Persönlichkeit doch etwas Besonderes. So spielt Dark Phoenix immer wieder mit den Intentionen der Figuren, deren Konsequenzen, aber auch deren Selbstverständnissen. Das tut dem Film gut, auch wenn am Ende die Konsequenz fehlt, diesen Fokus vollends umzusetzen.

Diese Inkonsequenz spiegelt sich ziemlich gut in einer Figur wieder. Die von Jessica Chastain gespielte Antagonistin, welche Jean Grey für sich zu instrumentalisieren versucht, braucht es in dieser Geschichte zu keinem Zeitpunkt. Sie bricht diese Unsicherheit auf. Denn durch ihre Figur werden “Gut” und “Böse” wieder klar definiert. Wie schön wäre es gewesen, den emotionalen Zwiespalt von Jean auszuführen. Hätte man die Antagonistin weggelassen, hätte sich Jean, der Dark Phoenix, zwischen den zwei konträren Seiten von Professor Xavier und Magneto (Michael Fassbender) entscheiden müssen.

Hier hätte es keine klar richtige und klar falsche Seite gegeben, eine Entscheidung wäre von genau den Aspekten abhängig gewesen, die der Film zu thematisieren versucht.

Auf den falschen Schultern…

Plakat X-Men: Dark Phoenix

So ist die Handlung schlussendlich auch austauschbarer als sie sein müsste. Eine Bedrohung, die kaum charakterisiert ist, plätschert hier ebenso nur durch das Bild, wie die Rivalität der alten Freunde Charles und Erik (Magneto). Dem gegenüber stehen aber die Mutanten Cyklops (Tye Sheridan), Beast (Nicholas Hoult) und Mystique (Jennifer Lawrence), die vereinzelt starke Momente haben und damit auch Konsequenzen der Handlungen von Jean Grey zeigen.

Jean Grey selbst ist aber vielleicht die eigentliche Schwäche der Comicverfilmung. Oder besser gesagt: ihre Darstellerin. Sophie Turner scheint es in Schlüsselmomenten schlicht an schauspielerischer Klasse zu fehlen, um die Zerrissenheit der Filmheldin nicht nur erklärt, sondern gezeigt auf die Leinwand zu bringen. So gut der dramatische Ansatz ist, fehlt es an Können, dieses Drama auch den Zuschauern nahe zu bringen.

Sophie Turner spielt akzeptabel – um der Story aber den dringend benötigten Feinschliff zu verleihen, reicht das nicht aus.

Der fehlende Kniff

Ein ähnlicher Aspekt lässt sich auch bei der Musik und den Spezialeffekten ausmachen. Mit Hans Zimmer konnte sich Kinberg einen der ganz großen Filmkomponisten ins Boot holen. Dessen Soundtrack klingt gut, es fehlt aber auch hier  irgendwie das Besondere. Es fühlt sich an, als hätte man den Song so schon irgendwo einmal gehört. Die Effekte schließen sich gleich dahinter an. Sie waren der Grund, warum der Kinostart einst um mehrere Wochen verschoben wurde. Sieht man diese jetzt, fragt man sich ein wenig, warum dem so war.

Zugegeben, in Kombination mit dem sonst guten Sounddesign sehen diese nicht schlecht aus – aber austauschbar. Diese wabernde, pulsierende Kraft, die Jean besitzt, lässt sich schwer als realistisch festmachen und wirkt dadurch (ähnlich wie die Protagonistin) in den finalen Szenen nicht nahbar. Dies hat unter anderem zur Folge, dass sich der Zuschauer nie wirklich Sorgen um Jean macht. Einmal irgendwie mit den Kräften zurechtgekommen, fiebert man ähnlich wenig mit, wie vor kurzem bei Captain Marvel (2019). Den direkten Vergleich gewinnt Dark Phoenix dann aber doch.

Fazit

X-Men: Dark Phoenix möchte so gerne sein wie Logan. Die Idee einer düsteren Stimmung und einer zwiegespaltenen Hauptfigur sind so frisch, wie interessant. Aber nicht nur vermisst man die Konsequenz in der Story und deren Motive, auch fehlt es der Hauptdarstellerin an Klasse, um die Leitmotive des Films zu transportieren. So ist Simon Kinbergs Sci-Fi-Abenteuer am Ende zwar storytechnisch austauschbar, bildet aber als Abschluss dieses Franchise trotzdem eine hochwertig produzierte Zäsur.

Der Film bekommt von mir 2,5 von 5 Sterne.

KR

 

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